Samstag, 24. Februar 2024

Kommentar
Temperaturrekorde am laufenden Band

So warm war der Januar noch nie, seitdem gemessen wird. Doch nicht nur die Erde wird immer wärmer, auch sind viele Menschen bereit, diese Entwicklung zu stoppen. Politik darf nun nicht vor Einzelinteressen einknicken, kommentiert Georg Ehring.

Von Georg Ehring | 08.02.2024
Diese vom Satelliten Copernicus Sentinel aufgenommenen und von Pierre Markuse bearbeiteten Bilder zeigen das Ausmaß der Waldbrände, die am Sonntag, dem 23. Juli 2023, auf der griechischen Insel Rhodos wüten.
Zeichen des Klimawandels: Im Sommer 2023 gab es nicht nur auf der griechischen Insel Rhodos Brände. (IMAGO / Cover-Images / IMAGO)
Auf den ersten Blick ist es eine niederschmetternde Nachricht, die heute vom EU-Erdbeobachtungsdienst Copernicus kommt: Der vergangene Januar war der wärmste seit Beginn der Messungen.
Die weltweite Durchschnittstemperatur lag um 1,66 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Sie lag also deutlich höher als das 1,5-Grad-Limit, das wir nach Ansicht Vieler in der Klimawissenschaft auf keinen Fall überschreiten dürfen, um Kipppunkte und damit eine schnelle und unumkehrbare Verschlechterung unserer Lebensverhältnisse zu vermeiden.

Globale Erwärmung ist nicht zu übersehen

Der zweite Blick, also die genaue Lektüre der Mitteilung von Copernicus, macht die Sache nicht besser: Es ist der achte Monat hintereinander, in dem das 1,5-Grad-Limit überschritten wird, der Januar ist also kein einmaliger Ausreißer.
Das fügt sich ins Gesamtbild, das weltweit gerade im vergangenen Jahr von Hitzewellen, Dürren, Regenfluten und Stürmen geprägt war. Die globale Erwärmung bestimmt längst unübersehbar das Klima. Es wird absehbar immer schlimmer, bis der Ausstoß von CO2 weltweit auf netto null reduziert worden ist.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Entwicklung ist blamabel gering. Der Neuigkeitswert schwindet, wenn Monat für Monat Temperaturrekorde übertroffen werden.
Und beim Klimaschutz haben derzeit die Bremser Rückenwind: Der Wegfall der Subventionen für klimaschädlichen Agrardiesel wird hinausgezögert. Die FDP blockiert die Herabsetzung der CO2-Grenzwerte für Lkw in der Europäischen Union. Auch die Umstellung auf klimafreundliche Heizungen kommt gemessen an dem, was nötig wäre, im Schneckentempo voran.

Änderungen der Klimapolitik sind notwendig

Und doch gibt es etwas abseits der Aufmerksamkeit ermutigende Entwicklungen, auf die sich ein dritter Blick lohnt. Die Energiewende nimmt enorm an Fahrt auf – vor allem bei der Solarenergie und ganz besonders in China.
Fast überall sind erneuerbare Energiequellen billiger als Kohle, Öl und Gas – wer wirtschaftlich denkt, investiert hier, aus purem Eigennutz. 2020 fuhr jedes 25. neu verkaufte Auto elektrisch, 2023 war es schon jedes fünfte.
Umfragen in vielen Ländern der Welt signalisieren große und wachsende Zustimmung zu mehr Klimaschutz – vorausgesetzt, die Lasten werden gerecht verteilt. In einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank zum Beispiel befürchten 84 Prozent der Befragten eine globale Katastrophe, wenn wir unseren Energieverbrauch und Konsum nicht radikal verringern.
Die Bereitschaft, auch Zumutungen in Kauf zu nehmen, um die Lebensbasis auf dem Planeten Erde zu erhalten, ist also da. Die Techniken, mit denen das Umsteuern gelingen kann auch. Die Politik hat es nicht nötig, immer wieder vor Einzelinteressen einzuknicken und die Klimawende zu verzögern.