
"Das erste Mal ist ein Versuch, das zweite Mal schon Tradition und ab dem dritten Mal reden wir über Brauchtum." Geht es nach dieser rheinischen Weisheit, dann veranstaltet der Deutschlandfunk das "Forum Journalismuskritik“ seit einer Ewigkeit. Denn alles hat schon 2015 begonnen, also vor elf Jahren. Wegen der Corona-Pause steht die zehnte Veranstaltung nun 2026 an - und dieses runde Jubiläum lädt zu einem Rückblick ein.
"Lügenpresse“ – der Vorwurf tut weh, auch wenn er nur von wenigen kommt. Deutlich mehr Menschen dürften da schon denken: „Journalisten lieben die Kritik an anderen. Aber wenn es um sie selbst geht...“ Der Deutschlandfunk stellt sich seinen Hörern und Nutzern. Das muss so sein, und das macht uns besser. Jetzt öffnen wir sogar unser Haus für das „Erste Kölner Forum für Journalismuskritik“. Sie können dabei sein.“
So begann die Einladung zum ersten "Forum“, das am 8. Juni 2015 im Funkhaus des Deutschlandfunks stattgefunden hat. Unerhört, das wäre des Guten zu viel, aber ungewöhnlich waren Öffnung und Bereitschaft zur Selbstkritik damals schon. Und bis heute besonders ist, dass die Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks - und inzwischen auch die Redaktion "Meinung & Diskurs" - die Veranstaltung gemeinsam mit einer NGO aus dem Bereich Journalismus und Wissenschaft ausrichten, nämlich der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA e.V.).
Die Themen und Schwerpunkte der Jahre erlauben eine kleine Zeitreise. Sie zeigen, unter welchem Druck sich der Journalismus befindet und wie schnell der Medienwandel läuft. Hier ein Überblick, auch mit den Preisträgern des "Günter-Wallraff-Preises“. Die Auszeichnung galt zunächst der Journalismuskritik und heißt inzwischen „Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte“. Die Verleihung in Anwesenheit des Namensgebers bildet stets den Abschluss des Forums.
Kölner Forum für Journalismuskritik 2015
Einige der Themen: „Die Suche nach journalistischen Alternativen“ (Blogs und Bürgermedien). „Journalismus und Geheimnis“ (investigative Arbeit), „Nachrichten im digitalen Zeitalter“. Einige der Gäste: Petra Sorge, Petra Werner, Peter Ludes, Walter van Rossum, Christian Solmecke, Michael Wulf. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an das Projekt „Floskelwolke“ von Udo Stiehl und Sebastian Pertsch.
Einige der Themen: „Die Suche nach journalistischen Alternativen“ (Blogs und Bürgermedien). „Journalismus und Geheimnis“ (investigative Arbeit), „Nachrichten im digitalen Zeitalter“. Einige der Gäste: Petra Sorge, Petra Werner, Peter Ludes, Walter van Rossum, Christian Solmecke, Michael Wulf. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an das Projekt „Floskelwolke“ von Udo Stiehl und Sebastian Pertsch.


Kölner Forum für Journalismuskritik 2016:
Einige der Themen: „Wer benutzt wen? Prominente und die Medien“, „Buntes Deutschland, blasse Medien?“, „Lügenpresse“ – Anatomie eines Schlagwortes" und „Medienkritik im Netz und mit dem Netz“. Einige der Gäste: Herta Däubler-Gmelin, Susanne Gaschke, Uwe Krüger, Kim Otto, Sheila Mysorekar. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an die türkische Journalistengruppe "Haber Nöbeti“.
Einige der Themen: „Wer benutzt wen? Prominente und die Medien“, „Buntes Deutschland, blasse Medien?“, „Lügenpresse“ – Anatomie eines Schlagwortes" und „Medienkritik im Netz und mit dem Netz“. Einige der Gäste: Herta Däubler-Gmelin, Susanne Gaschke, Uwe Krüger, Kim Otto, Sheila Mysorekar. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an die türkische Journalistengruppe "Haber Nöbeti“.

2016 haben Studentinnen und Studenten Eindrücke des Forums in einem Video festgehalten.
Kölner Forum für Journalismuskritik 2017:
Einige der Themen: „Achtung, Satire!“ Journalismus und Kabarett“, „Fake News“ – Neue Gefahr oder alter Hut?“, „Über sich selbst berichten – Medienjournalismus in Deutschland“. Einige der Gäste: Barbara Ruscher, Wilfried Schmickler, Anja Backhaus, Matthias Daniel, Michael Wulf, Ebru Taşdemir. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Ahmet Şık und das Projekt "taz gazete".
Einige der Themen: „Achtung, Satire!“ Journalismus und Kabarett“, „Fake News“ – Neue Gefahr oder alter Hut?“, „Über sich selbst berichten – Medienjournalismus in Deutschland“. Einige der Gäste: Barbara Ruscher, Wilfried Schmickler, Anja Backhaus, Matthias Daniel, Michael Wulf, Ebru Taşdemir. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Ahmet Şık und das Projekt "taz gazete".


Forum für Journalismuskritik 2018:
In diesem Jahr hatten wir mit "Meinungsmarkt und Meinungsmacht“ erstmals einen Titel für die gesamte Veranstaltung. Einige der Themen: „Was tut sich im Netz? – Onlinejournalismus 2018“, "Über Gebühr gut? – Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Angebote“, „Mehr als Dax und Bilanzen? – Wirtschaftsjournalismus in Deutschland“, "Über Lügen und Grauzonen - Aufklärungsarbeit zu "Fake news“ in den Schulen“. Einige der Gäste: Markus Beckedahl, Maria Exner, Leonhard Dobusch, Heike Raab, Ulrich Reitz. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an netzpolitik.org.
In diesem Jahr hatten wir mit "Meinungsmarkt und Meinungsmacht“ erstmals einen Titel für die gesamte Veranstaltung. Einige der Themen: „Was tut sich im Netz? – Onlinejournalismus 2018“, "Über Gebühr gut? – Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Angebote“, „Mehr als Dax und Bilanzen? – Wirtschaftsjournalismus in Deutschland“, "Über Lügen und Grauzonen - Aufklärungsarbeit zu "Fake news“ in den Schulen“. Einige der Gäste: Markus Beckedahl, Maria Exner, Leonhard Dobusch, Heike Raab, Ulrich Reitz. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an netzpolitik.org.


Forum für Journalismuskritik 2019:
Das Leitmotiv lautete "Wahrheit als Ware?“. Einige der Themen: „Um Gottes Willen? Religion und Weltanschauung in den Medien“, „Die Zukunft der Medien“, „Barrierefreie Information - Ohrenkuss, Nachrichtenleicht und Co.“, „Europa – Krisenkontinent für Nachrichtenjournalismus?“, „Alles was Recht ist – Verfassung, Paragraphen und Journalismus“. Einige der Gäste: Ingrid Matthäus-Maier, Lale Akgün, Michael Schmidt-Salomon, Renate Jaeger, Thomas Fischer, Tanit Koch, Tonia Mastrobuoni. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an den saudischen Blogger Raif Badawi und das "Europäische Journalismus-Observatorium“.
Das Leitmotiv lautete "Wahrheit als Ware?“. Einige der Themen: „Um Gottes Willen? Religion und Weltanschauung in den Medien“, „Die Zukunft der Medien“, „Barrierefreie Information - Ohrenkuss, Nachrichtenleicht und Co.“, „Europa – Krisenkontinent für Nachrichtenjournalismus?“, „Alles was Recht ist – Verfassung, Paragraphen und Journalismus“. Einige der Gäste: Ingrid Matthäus-Maier, Lale Akgün, Michael Schmidt-Salomon, Renate Jaeger, Thomas Fischer, Tanit Koch, Tonia Mastrobuoni. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an den saudischen Blogger Raif Badawi und das "Europäische Journalismus-Observatorium“.


Das "Kölner Forum für Journalismuskritik" ist eine Kooperationsveranstaltung der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion und der Redaktion "Meinung & Diskurs" mit der "Initiative Nachrichtenaufklärung e.V." (INA) Mehr über die Arbeit der INA finden Sie hier. Gemeinsam mit der INA stellen die Deutschlandfunk-Nachrichen einmal im Jahr die "Vergessenen Nachrichten" vor.
2020 und 2021 fiel auch unser Forum in der Corona-Zeit aus. Mit dem Forum für Journalismuskritik 2022 haben wir uns vorsichtig wieder gemeldet mit den beiden Schwerpunktthemen "Journalismus oder Aktivismus?“ sowie "Berichten in Zeiten des Krieges“. Einige der Gäste: Karsten Frerichs, Ellen Heinrichs, Maren Urner, Thomas Präkelt, Daniela de Ridder. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Julian Assange.


Forum für Journalismuskritik 2023:
Einige der Themen: "Nach 100 Jahren – Brauchen wir das Radio noch?“, "Hass im Netz“. Einige der Gäste: Sandra Müller, Ole Pflüger, Sawsan Chebli, Hasnain Kazim. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Alexei Nawalny.
Einige der Themen: "Nach 100 Jahren – Brauchen wir das Radio noch?“, "Hass im Netz“. Einige der Gäste: Sandra Müller, Ole Pflüger, Sawsan Chebli, Hasnain Kazim. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Alexei Nawalny.


Forum für Journalismuskritik 2024:
Das Leitmotiv hieß: "Verständnis und Verständigung. Medien in polarisierten Zeiten“.
Das Leitmotiv hieß: "Verständnis und Verständigung. Medien in polarisierten Zeiten“.

Einige der Themen: "Macht, Medien und Menschen: Wie gelingt Kommunikation in der Krise?“, "Kein Verständnis ohne Verstehen“ und "Zwischen Kritik, Polemik und Hetze: Wie reden über Nahost?“. Einige der Gäste: Yasmine M'Barek, Jessica Rosenthal, Annika Sehl, Kai Hafez, Nazih Musharbash. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an die Friedensaktivistinnen von „Women Wage Peace“ (Israel) und "Women of the Sun“ (Palästina).


Forum für Journalismuskritik 2025:
Der Veranstaltungstitel lautete "Populisten und Plattformen: Medien vor der Kapitulation?“. Einige der Themen: "Sind Medien gegen Populisten wehrlos?“, „Medien in Kriegszeiten: Wie gelingt Journalismus mit kühlem Kopf?“, "Digitale Plattformen und das Freiheitsversprechen Internet: Zeit für ein Update?“. Einige der Gäste: Frank Plasberg, Renate Künast, Sebastian Krumbiegel, Nadia Zaboura, Christoph Neuberger. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an Maryja Kalesnikawa.
Der Veranstaltungstitel lautete "Populisten und Plattformen: Medien vor der Kapitulation?“. Einige der Themen: "Sind Medien gegen Populisten wehrlos?“, „Medien in Kriegszeiten: Wie gelingt Journalismus mit kühlem Kopf?“, "Digitale Plattformen und das Freiheitsversprechen Internet: Zeit für ein Update?“. Einige der Gäste: Frank Plasberg, Renate Künast, Sebastian Krumbiegel, Nadia Zaboura, Christoph Neuberger. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an Maryja Kalesnikawa.


Im Januar 2026 haben wir das Forum Nummer neuneinhalb veranstaltet. Die Winterausgabe konzentrierte sich auf ein Diskussionsthema, nämlich „Was bleibt von der Freiheit, wenn Mächtige die Welt neu ordnen?“ und eröffnete die aktuelle Denkfabrik der drei Deutschlandfunk-Programme. Gäste von Moderatorin Birgit Wentzien waren Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gesine Schwan, Gabor Steingart und Günter Wallraff. Ob aus dieser Spezialausgabe des Forums auch eine Tradition wird? Wir werden sehen...


Und nun das Jubläum. Sie alle sind herzlich eingeladen zum Forum für Journalismuskritik 2026!

Auch nach elf Jahren und zehn Veranstaltungen bleibt es dabei: Die Journalismuskritik hat an Bedeutung nichts verloren. Das gilt für die ehrliche Selbstkritik in den Redaktionen, aber auch für den Austausch mit der Gesellschaft. Ihre Fragen und Anliegen sind also auch in Zukunft mehr als willkommen!

