Das zehnte Mal
"Kölner Forum für Journalismuskritik" mit rundem Jubiläum

Selbstkritik ist nicht die größte Stärke des Journalismus - aber sie ist dringend notwendig. Genau deshalb hat die Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion 2015 das "Kölner Forum für Journalismuskritik" ins Leben gerufen, gemeinsam mit der "Initiative Nachrichtenaufklärung". Seitdem gibt es einmal im Jahr ein volles Haus, lebendige Diskussionen, die live übertragen werden - und nun auch ein rundes Jubiläum.

Von Marco Bertolaso |
    Das Hochhaus des Deutschlandfunks in einer Luftaufnahme bei Abenddämmerung
    Im Deutschlandfunk-Funkhaus in Köln findet seit 2015 das "Kölner Forum für Journalismuskritik" statt. (Deutschlandradio/Simon Detel)
    "Das erste Mal ist ein Versuch, das zweite Mal schon Tradition und ab dem dritten Mal reden wir über Brauchtum." Geht es nach dieser rheinischen Weisheit, dann veranstaltet der Deutschlandfunk das "Forum Journalismuskritik“ seit einer Ewigkeit. Denn alles hat schon 2015 begonnen, also vor elf Jahren. Wegen der Corona-Pause steht die zehnte Veranstaltung nun 2026 an - und dieses runde Jubiläum lädt zu einem Rückblick ein.
    "Lügenpresse“ – der Vorwurf tut weh, auch wenn er nur von wenigen kommt. Deutlich mehr Menschen dürften da schon denken: „Journalisten lieben die Kritik an anderen. Aber wenn es um sie selbst geht...“ Der Deutschlandfunk stellt sich seinen Hörern und Nutzern. Das muss so sein, und das macht uns besser. Jetzt öffnen wir sogar unser Haus für das „Erste Kölner Forum für Journalismuskritik“. Sie können dabei sein.“
    So begann die Einladung zum ersten "Forum“, das am 8. Juni 2015 im Funkhaus des Deutschlandfunks stattgefunden hat. Unerhört, das wäre des Guten zu viel, aber ungewöhnlich waren Öffnung und Bereitschaft zur Selbstkritik damals schon. Und bis heute besonders ist, dass die Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks - und inzwischen auch die Redaktion "Meinung & Diskurs" - die Veranstaltung gemeinsam mit einer NGO aus dem Bereich Journalismus und Wissenschaft ausrichten, nämlich der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ (INA e.V.).
    Die Themen und Schwerpunkte der Jahre erlauben eine kleine Zeitreise. Sie zeigen, unter welchem Druck sich der Journalismus befindet und wie schnell der Medienwandel läuft. Hier ein Überblick, auch mit den Preisträgern des "Günter-Wallraff-Preises“. Die Auszeichnung galt zunächst der Journalismuskritik und heißt inzwischen „Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte“. Die Verleihung in Anwesenheit des Namensgebers bildet stets den Abschluss des Forums.
    Kölner Forum für Journalismuskritik 2015
    Einige der Themen: „Die Suche nach journalistischen Alternativen“ (Blogs und Bürgermedien). „Journalismus und Geheimnis“ (investigative Arbeit), „Nachrichten im digitalen Zeitalter“. Einige der Gäste: Petra Sorge, Petra Werner, Peter Ludes, Walter van Rossum, Christian Solmecke, Michael Wulf. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an das Projekt „Floskelwolke“ von Udo Stiehl und Sebastian Pertsch.
    Drei Menschen sprechen bei einer Veranstaltung in Köln im Jahr 2015 mit einem Mikrofon.
    Philipp May, Astrid Rawohl und Marco Bertolaso (von links nach rechts), alle vom Deutschlandfunk, sprechen beim "Kölner Forum Journalismuskritik" 2015 über investigativen Sportjournalismus. (Deutschlandfunk)
    Eine Frau und ein Mann stehen auf einer Bühne und sprechen ins Mikrofon.
    Das Deutschlandfunk Sprecherensemble wirkt bei jedem "Forum Journalismuskritik" mit, hier Kathrin Baumhöfer und Gerd Daaßen im Juni 2015. (Deutschlandfunk)
    Kölner Forum für Journalismuskritik 2016:
    Einige der Themen: „Wer benutzt wen? Prominente und die Medien“, „Buntes Deutschland, blasse Medien?“, „Lügenpresse“ – Anatomie eines Schlagwortes" und „Medienkritik im Netz und mit dem Netz“. Einige der Gäste: Herta Däubler-Gmelin, Susanne Gaschke, Uwe Krüger, Kim Otto, Sheila Mysorekar. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an die türkische Journalistengruppe "Haber Nöbeti“.
    Deutschlandfunk-Redakteurin Brigitte Baetz (v.l.n.r.), Katia Artsiomenka, Nilofar Elhami, Agnese Franchescini und Sheila Mysorekar
    Katia Artsiomenka, Nilofar Elhami, Agnese Franceschini und Sheila Mysorekar diskutieren 2016 mit Moderatorin Brigitte Baetz über die Frage "Buntes Deutschland, blasse Medien?", also über Diversität im Journalismus. (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)
    2016 haben Studentinnen und Studenten Eindrücke des Forums in einem Video festgehalten.

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    Kölner Forum für Journalismuskritik 2017:
    Einige der Themen: „Achtung, Satire!“ Journalismus und Kabarett“, „Fake News“ – Neue Gefahr oder alter Hut?“, „Über sich selbst berichten – Medienjournalismus in Deutschland“. Einige der Gäste: Barbara Ruscher, Wilfried Schmickler, Anja Backhaus, Matthias Daniel, Michael Wulf, Ebru Taşdemir. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Ahmet Şık und das Projekt "taz gazete".
    Eine Frau mit einem Mikrofon. Es ist die Kabarettistin Barbara Ruscher.
    Die Kabarettistin Barbara Ruscher beim 3. Kölner Forum für Journalismuskritik 2017. Sie diskutierte zur Rolle von Satire in den Medien. (Deutschlandfunk, Bettina Fuerst- Fastre)
    Mehrere Frauen stehen an einem Informationsstand im Deutschlandfunk-Funkhaus uns sprechen. Auf dem Tisch sind Broschüren.
    Eine Besucherin und Mitarbeiterinnen des "Kölner Forum für Journalismuskritik" 2017 an einem Informationsstand am 2.6.2017. (Bettina Fuerst- Fastre)
    Forum für Journalismuskritik 2018:
    In diesem Jahr hatten wir mit "Meinungsmarkt und Meinungsmacht“ erstmals einen Titel für die gesamte Veranstaltung. Einige der Themen: „Was tut sich im Netz? – Onlinejournalismus 2018“, "Über Gebühr gut? – Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Angebote“, „Mehr als Dax und Bilanzen? – Wirtschaftsjournalismus in Deutschland“, "Über Lügen und Grauzonen - Aufklärungsarbeit zu "Fake news“ in den Schulen“. Einige der Gäste: Markus Beckedahl, Maria Exner, Leonhard Dobusch, Heike Raab, Ulrich Reitz. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an netzpolitik.org.
    Der IG-Metall-Vorstandsvorsitzende Jörg Hofmann beim Forum Journalismuskritik im Deutschlandfunk
    Der IG-Metall-Vorstandsvorsitzende Jörg Hofmann beim Forum Journalismuskritik im Deutschlandfunk (Deutschlandradio / Jann Höfer)
    Eine Frau spricht auf einer Bühne in ein Mikrofon. Es ist Juliane von Reppert-Bismarck von der Organisation "Lie Detectors".
    Juliane von Reppert-Bismarck von "Lie Detectors" spricht beim Kölner Forum für Journalismuskritik im Deutschlandfunk über Projekte zur Medienbildung in Schulen. (Deutschlandradio / Jann Höfer )
    Forum für Journalismuskritik 2019:
    Das Leitmotiv lautete "Wahrheit als Ware?“. Einige der Themen: „Um Gottes Willen? Religion und Weltanschauung in den Medien“, „Die Zukunft der Medien“, „Barrierefreie Information - Ohrenkuss, Nachrichtenleicht und Co.“, „Europa – Krisenkontinent für Nachrichtenjournalismus?“, „Alles was Recht ist – Verfassung, Paragraphen und Journalismus“. Einige der Gäste: Ingrid Matthäus-Maier, Lale Akgün, Michael Schmidt-Salomon, Renate Jaeger, Thomas Fischer, Tanit Koch, Tonia Mastrobuoni. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an den saudischen Blogger Raif Badawi und das "Europäische Journalismus-Observatorium“.
    Zwei Menschen auf einer Bühne.
    Moderator Andreas Stopp und Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien in einer Livesendung von "@mediasres im Dialog" beim "Kölner Forum für Journalismuskritik" im Juni 2019. (Deutschlandfunk, David Ertl)
    Menschen sitzen in einem Saal und hören einer Diskussion auf der Bühne zu.
    Ein Blick in das Publikum bei "Kölner Forum für Journalismuskritik" am 14.6.2019. (Deutschlandfunk, David Ertl)
    Das "Kölner Forum für Journalismuskritik" ist eine Kooperationsveranstaltung der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion und der Redaktion "Meinung & Diskurs" mit der "Initiative Nachrichtenaufklärung e.V." (INA) Mehr über die Arbeit der INA finden Sie hier. Gemeinsam mit der INA stellen die Deutschlandfunk-Nachrichen einmal im Jahr die "Vergessenen Nachrichten" vor.
    2020 und 2021 fiel auch unser Forum in der Corona-Zeit aus. Mit dem Forum für Journalismuskritik 2022 haben wir uns vorsichtig wieder gemeldet mit den beiden Schwerpunktthemen "Journalismus oder Aktivismus?“ sowie "Berichten in Zeiten des Krieges“. Einige der Gäste: Karsten Frerichs, Ellen Heinrichs, Maren Urner, Thomas Präkelt, Daniela de Ridder. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Julian Assange.
    Urner sitzt auf einem Stuhl vor einer blauen Wand und spricht in ein Mikrophon.
    Prof. Dr. Maren Urner, Journalistin, Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie, am 19.5.2022 auf dem Kölner Forum für Journalismuskritik (Deutschlandradio/Dirk Borm)
    Stella Assange (Mitte) nimmt den Günter-Wallraff-Preis 2022 stellvertretend für ihren Ehemann Julian Assange entgegen. Mit dabei sind Günter Wallraff und Vertreterinnen der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA).
    Stella Assange (Mitte) nimmt den Günter-Wallraff-Preis 2022 stellvertretend für ihren Ehemann Julian Assange entgegen. Mit dabei sind Günter Wallraff und Vertreterinnen der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA). (Deutschlandradio/Dirk Borm)
    Forum für Journalismuskritik 2023:
    Einige der Themen: "Nach 100 Jahren – Brauchen wir das Radio noch?“, "Hass im Netz“. Einige der Gäste: Sandra Müller, Ole Pflüger, Sawsan Chebli, Hasnain Kazim. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an Alexei Nawalny.
    Eine Frau spricht auf einer Bühne in ein Mikrofon. Es ist Sandra Müller vom SWR in Tübingen.
    Sandra Müller, Redaktionsleiterin beim SWR in Tübingen, spricht beim Kölner Forum für Journalismuskritik über die Zukunft des Radios. (Thomas Kujawinski / Deutschlandfunk)
    Der Journalist und Autor Hasnain Kazim bei einer Diskussion über Hass im Netz im Rahmen des Kölner Forums für Journalismuskritik
    Der Journalist und Autor Hasnain Kazim bei einer Diskussion über Hass im Netz im Rahmen des Kölner Forums für Journalismuskritik (Thomas Kujawinski / Deutschlandfunk)
    Forum für Journalismuskritik 2024:
    Das Leitmotiv hieß: "Verständnis und Verständigung. Medien in polarisierten Zeiten“.
    Kölner Forum für Journalismuskritik 2024
    Einige der Themen: "Macht, Medien und Menschen: Wie gelingt Kommunikation in der Krise?“, "Kein Verständnis ohne Verstehen“ und "Zwischen Kritik, Polemik und Hetze: Wie reden über Nahost?“. Einige der Gäste: Yasmine M'Barek, Jessica Rosenthal, Annika Sehl, Kai Hafez, Nazih Musharbash. Der "Günter-Wallraff-Preis“ ging an die Friedensaktivistinnen von „Women Wage Peace“ (Israel) und "Women of the Sun“ (Palästina).
    Ein Mann sitzt auf einem Sessel und spricht in ein Mikrofon. Neben ihm sitzt eine Frau.
    Nazih Musharbash von der Deutsch-Palästinensische Gesellschaft und Deborah Schnabel von der Bildungsstätte Anne Frank beim " Kölner Forum für Journalismuskritik" 2024. (Thomas Kujawinski / Deutschlandfunk)
    Zwei Frauen stehen an einem Rednerpult.
    Die Sängerinnen Meera Eilabouni (rechts) und Yael Deckelbaum nahmen den Preis 2024 stellvertretend für ihre beiden Friedensinitiativen entgegen. (Thomas Kujawinski / Deutschlandfunk)
    Forum für Journalismuskritik 2025:
    Der Veranstaltungstitel lautete "Populisten und Plattformen: Medien vor der Kapitulation?“. Einige der Themen: "Sind Medien gegen Populisten wehrlos?“, „Medien in Kriegszeiten: Wie gelingt Journalismus mit kühlem Kopf?“, "Digitale Plattformen und das Freiheitsversprechen Internet: Zeit für ein Update?“. Einige der Gäste: Frank Plasberg, Renate Künast, Sebastian Krumbiegel, Nadia Zaboura, Christoph Neuberger. Der „Günter-Wallraff-Preis“ ging an Maryja Kalesnikawa.
    Eine Frau spricht auf einer Bühne. Es ist die Grünen-Politikerin Renate Künast.
    Die Grünen-Politikerin Renate Künast fordert beim Kölner Forum für Journalismuskritik 2025 eine stärkere Regulierung digitaler Plattformen. (Tomek Kujawinski)
    Der Künstler Sebastian Krumbiegel spielt Flügel und singt dazu.
    Beim "Forum für Journalismuskritik 2025" war der Künstler Sebastian Krumbiegel nicht nur Gast einer Diskussion, er trug auch ein Lied vor, bei dem er sich selbst am Flügel begleitete. (Deutschlandfunk, Thomas Kujawinski)
    Im Januar 2026 haben wir das Forum Nummer neuneinhalb veranstaltet. Die Winterausgabe konzentrierte sich auf ein Diskussionsthema, nämlich „Was bleibt von der Freiheit, wenn Mächtige die Welt neu ordnen?“ und eröffnete die aktuelle Denkfabrik der drei Deutschlandfunk-Programme. Gäste von Moderatorin Birgit Wentzien waren Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gesine Schwan, Gabor Steingart und Günter Wallraff. Ob aus dieser Spezialausgabe des Forums auch eine Tradition wird? Wir werden sehen...
    Eine Frau spricht auf einer Bühne. Es ist die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan.
    Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan spricht beim "Forum Journalismuskritik spezial" im Januar 2026 über die Bedrohung der Freiheit durch politische und ökonomische Macht. (Thomas Kujawinski)
    Eine Frau spricht mit einem Mann. Es sind Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien und Investigativjournalist Günther Wallraff.
    Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien und Investigativjournalist Günther Wallraff im Gespräch beim "Forum Journalismuskritik spezial" im Januar 2026. (Thomas Kujawinski)
    Und nun das Jubläum. Sie alle sind herzlich eingeladen zum Forum für Journalismuskritik 2026!
    10. Kölner Forum für Journalismuskritik
    (© Deutschlandradio)
    Auch nach elf Jahren und zehn Veranstaltungen bleibt es dabei: Die Journalismuskritik hat an Bedeutung nichts verloren. Das gilt für die ehrliche Selbstkritik in den Redaktionen, aber auch für den Austausch mit der Gesellschaft. Ihre Fragen und Anliegen sind also auch in Zukunft mehr als willkommen!
    Eine Frau stellt eine Frage in ein Mikrofon
    Eine Publikumsfrage beim "Kölner Forum Journalismuskritik" 2015. (Deutschlandfunk)