Traumhaus
Wie Barbies Wohnwelten gesellschaftliche Unterschiede repräsentieren
Von Hilka Dirks
Barbie war immer schon mehr als ein Spielzeug. In ihr, ihrer Kleidung und ihren Accessoires spiegeln sich gesellschaftliche Klassenvorstellungen, Geschmacksprägungen und Konsumträume.
So wird etwa Barbies „Dreamhouse“ zu einer Bühne für Begehren, Scham und die leise, früh gelernte Ahnung, dass nicht alle Kinder in denselben Möglichkeiten wohnen. Das Spielzeug macht sich als Distinktionswerkzeug und Marker sozialer Ungleichheit kenntlich. Denn wer die pinke Puppenstube, das „Traumhaus“, hat, der besitzt nicht nur Plastikmöbel, sondern auch ein Versprechen: auf Reichtum, Ordnung und legitimen Geschmack.
Barbies Wohnwelten reproduzieren natürlich die Upper-Class-Ideale: Konsum, Karriere und ein normativer Wohntraum ohne Avantgarde. Hier kann man dann aber nur fast alles spielen, nicht aber Armut, Abhängigkeit oder Abweichung. Doch was geschieht, wenn am Ende die Spielwelt der Oberschicht doch vom Geruch des billigen Plastiks durchzogen wird und gleichsam als billige Kopie kenntlich wird?
Hilka Dirks, geboren 1991, arbeitet in und zwischen den Bereichen Text, Grafik, Kunst und Internet. Schockierend neugierig, wenn auch mäßig entfremdet, wuchs sie in Berlin-Steglitz auf, hörte Punk, klaute gelegentlich billige Lippenstifte bei Karstadt - und dachte irgendwie die ganze Zeit über Kunst nach. Heute forscht sie über Stickschrift auf textiler Aussteuer an der Universität der Künste in Berlin, schreibt und gestaltet mehr oder weniger regelmäßig für verschiedene Formate u.a. Der Tagesspiegel, Monopol, taz - Die Tageszeitung, der Freitag, Cee Cee Berlin, DUMMY, FAZ Quarterly sowie diverse Künstler:innen und kommerzielle Projekte und zeigt ab und zu Video-Kunst im Karton, einem alten Container.