Aller guten Dinge sind …? - Vom Zauber einer Zahl
Von Andrea Roedig
Die Zahl Drei fasziniert Philosophen und Musiker, Schriftsteller, Religionsstifter und Künstler. Zwischen Rhythmus, Triangulation und „drittem Weg“ öffnet sie Räume jenseits starrer Gegensätze - und zeigt, wie Bewegung ins Denken kommt.
Ist es Zufall oder tieferer Sinn, dass von der Zahl Drei eine besondere Suggestionskraft ausgeht. Vielleicht - da wären wir schon bei der Psychologie - weil jedes dritte Element eine Zweierbeziehung verändert und neue Spannungen, Rollen oder Perspektiven entstehen lässt. In Familien oder Gruppen kann dieses Dritte Konflikte sogar stabilisieren, verschieben oder auflösen.
Zugleich gibt die Drei oft den Rhythmus vor. Wir starten auch immer mit „Achtung, fertig, los“. Und im 3/4-Takt beginnen wir uns fast selig im Kreis zu drehen. Die Drei ordnet Bewegungen, bringt die klassische Logik mit ihrem Schlachtruf „tertium non datur“ - „ein Drittes gibt es nicht“ ins Trudeln. Und wo sie mitgedacht wird, kann es auch einen dritten Weg geben, einen Ausweg aus den Dilemmata unserer Zeit der Polarisierungen.
Andrea Roedig, geboren 1962 in Düsseldorf, ist Philosophin, Autorin und Publizistin. Sie promovierte zur Philosophie von Sartre und Foucault, leitete die Kulturredaktion des „Freitag“ und lebt seit 2007 in Wien. Sie schreibt Essays, Reportagen und Radiobeiträge. Seit 2013 ist sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „Wespennest“. 2019 erschien ihr Buch „Schluss mit dem Sex!“ und zuletzt der autofiktionale Roman „Man kann Müttern nicht trauen“ (2022)