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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 27.09.2026

  • 00:05 Uhr

    Als Franz Kafka die Moderne erfand
    Eine Lange Nacht über das literarische Prag
    Von Lukas Meyer-Blankenburg
    Regie: Vera Teichmann

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Prag die europäische Hauptstadt der Literatur, ein kultureller Schmelztiegel im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn mit starken deutschen und jüdischen Minderheiten. Bis heute über allem thronen Name und Werk von Franz Kafka. Seine Texte, wie etwa „Die Verwandlung“ oder „Das Urteil“, gelten als Schlüsselwerke der literarischen Moderne. Doch Kafka war nur einer von vielen Autoren, die sich in den Prager Cafés und bürgerlichen Privatwohnungen trafen und einen künstlerischen Austausch pflegten. Zu den bekanntesten Pragern gehören Rainer Maria Rilke, Franz Werfel und Max Brod. Auch der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch verfasste hier seine Reportagen über das Leben in den dunklen Gassen der Altstadt. Er, so wie viele andere, flohen vor den Nazis, mit denen das multikulturelle Leben der Stadt nachhaltig zerstört wurde. Auch später unter den Kommunisten hatten es die meisten Autoren schwer. Seit 2004 versucht das Prager Literaturhaus die Erinnerung an das literarische Erbe der Stadt zu wecken - und ist damit politisch aktuell. Denn die „Prager Moderne“ stellt auch für die Gegenwart die Bedeutung einer gemeinsamen, multikulturellen europäischen Identität vor Augen.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Beethovenfest 2025

    Ludwig van Beethoven
    Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

    Scottish Chamber Orchestra
    Maxim Emelyanychev, Leitung

    Mitschnitt vom 26.09.2025, Oper, Bonn

    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Solitude"

    Franz Schubert
    Mignon. Lied für Singstimme und Klavier, D 321. Bearbeitet für Sopran und Streichquartett

    Katharina Konradi, Sopran
    Cosmos Quartet, Ensemble

  • 06:05 Uhr

    Nach den Landtagswahlen: Jetzt geht’ s um die Zukunft der Union
    Von Peter Müller

  • 06:10 Uhr

    Leonhard Paminger
    „Ad te, Domine, levavi“. Motette für 5 Stimmen
    Stimmwerck

    Georg Philipp Telemann
    „Valet will ich dir geben“. Kantate zum 17. Sonntag nach Trinitatis, TWV 1:1458
    Elisabeth Scholl, Sopran
    Rebekka Stolz, Alt
    Fabian Kelly, Tenor
    Julian Clement, Bass
    Gutenberg Soloists
    Leitung: Felix Koch

    Jean Henri d'Anglebert
    Fugue grave
    Céline Frisch an der Lesselier-Lefebvre-Orgel der Chapelle de l’hôpital „Charles Nicolle“ in Rouen

    Johann Sebastian Bach
    „Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden“. Kantate zum 17. Sonntag nach Trinitatis, BWV 47
    Céline Scheen, Sopran
    Thomas Hobbs, Tenor
    Benoît Arnould, Bass
    Le Banquet Céleste
    Leitung: Damien Guillon, Countertenor

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Fiktiver Nationalheld - Tschechien feiert 60 Jahre Jara Cimrman

    Rausch und Ekstase - Wie viel Ausnahme braucht die Ordnung? Ein Interview mit der Soziologin Yvonne Niekrenz

    Eskalationskurs? Putin und die NATO - Ein Interview mit der Osteuropa-Expertin Gwendolyn Sasse

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Wenn die Mitte schrumpft - Das Ende der Volkspartei? Ein Interview mit dem Politologen Michael Koß

    Denk ich an Deutschland: die Sportlerin Britta Steffen

    Am Mikrofon: Christoph Reimann

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    „Bleiben Sie heiter.“ Warum Franz von Assisi seit 800 Jahren fasziniert
    Von Pfarrer Gotthard Fuchs
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 20 Jahren: Erste Deutsche Islam Konferenz in Berlin

  • 09:10 Uhr

    Kammermusik

  • 09:30 Uhr

    Die Freiheit des Geldes - Und ihre Schattenseiten!
    Der Philosoph und Soziologe Aaron Sahr im Gespräch mit Thorsten Jantschek

    Bitcoins und digitales Geld gelten als Freiheitsversprechen: als Ausbruch aus der Welt der Banken, der staatlichen Kontrolle, hin zur gerechteren Ordnung des Geldes. Doch in welchem Verhältnis stehen monetäre Utopien und politische Wirklichkeit? 
    Der Hype hält an, Bitcoins gelten als neue Superwährung, als Revolution des Geldes. Doch was ist dieses Geld überhaupt? Wer schafft es, wer kontrolliert es und wem nützt seine jeweilige Form? Was heißt Souveränität, wenn Geld nicht mehr als öffentliches Gut, sondern als technische Infrastruktur, knappe Ressource oder Spekulationsobjekt begriffen wird?
    Es gilt, die hehren Versprechen und libertären Illusionen digitaler Währungen zu überprüfen, um den wirklichen Zusammenhang von Geld, Macht und sozialer Teilhabe fassen zu können. Dabei geht es um nichts weniger als die Frage, wie wir wirtschaften wollen, wer über die Bedingungen von Freiheit entscheidet - und warum Geld nie nur ein neutrales Mittel, sondern immer auch ein politisches Instrument ist.
    Aaron Sahr  ist Philosoph und Soziologe, er leitet die Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am Hamburger Institut für Sozialforschung. Für seine Forschungen zur politischen Ökonomie und Geldpolitik wurde er 2019 mit dem FranzXaverKaufmann-Preises ausgeszeichnet. Seine wichtigsten Bücher sind „Keystroke-Kapitalismus: Ungleichheit auf Knopfdruck“ (2017), „Die monetäre Maschine: Eine Kritik der finanziellen Vernunft“ (2022) und jüngst: „Fake Coins: Digitales Geld und analoge Freiheit“ (2026). 

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Friedenskirche in Potsdam
    Predigt: Pfarrer Tobias Ziemann
    Evangelische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, CDU

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Städtetrip durch Europa:

    Entdeckungsreise in und rund um Marseille

    De Pijp in Amsterdam - Vom Arbeiterviertel zum angesagten Hotspot

    Estland: Tallinns unbekannte Ecken

    Europäische Kulturhauptstadt 2026: Das slowakische Trencin

    Mit Walter Benjamin durch Berlin (3/4)

    Am Mikrofon: Jasmin Kröger

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Der Musiker Volker Bertelmann im Gespräch mit Raoul Mörchen

    Als „Hauschka“ tourt er mit seinem präparierten Klavier durch die Clubs der Welt, unter seinem bürgerlichen Namen schreibt er Soundtracks für Filme wie „Im Westen nichts Neues“ und „Konklave“. In seinem Düsseldorfer Studio steht ein Oscar auf dem Fensterbrett.

  • 15:05 Uhr

    Opus Magnum, Geniestreich, Sample-Vorlage
    50 Jahre „Songs in the key of life“ von Stevie Wonder
    Von Fabian Elsäßer

    Meisterwerk-Album mit riesemgroßem Bogen, musikalisch wie in den Songtexten.

    Als Stevie Wonder 1976 „Songs in the key of life“ veröffentlicht, ist er erst 26 Jahre alt, aber schon Veteran des Musikgeschäfts mit einer Handvoll Hitsingles und mehr als einem Dutzend Alben, denn seine Karriere hatte bereits im Kindesalter begonnen. „Songs…“ jedoch wird sein Meisterwerk, ein Superlativ in jeder Hinsicht: Auf sechs Plattenseiten (dem Doppelalbum liegt noch eines Bonus-Mini-LP bei) lässt Wonder einen Musik-Regenbogen von Gospel, Soul, Funk und brasilianischen Rhythmen schillern. In die Texte legt er tatsächlich sein ganzes Leben, bejubelt die Geburt seiner Tochter, verneigt sich vor seinem musikalischen Idol Duke Ellington, betrauert verlorene Liebschaften und klagt soziale Missstände in den USA an. Und dann sind da eben noch diese packenden Melodien. Sie wurden dutzendfach gecovert und gesampelt, von Will Smith oder Coolio, von Patti Smith bis George Michael. Selbst wer das Album nie bewusst gehört hat, kennt diese Lieder in der Tonart des Lebens.

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Stanislaw Wygodzki: „Der Mann mit dem Karren. Erzählungen“
    Aus dem Polnischen übersetzt von Henryk Bereska, Doris Hammer-Petrová, Jutta Janke, Ingrid Kuhnke und Hans Gregor Njemz.
    Mit einem Nachwort von Ewa Czerwiakowski
    (Wallstein Verlag)
    Ein Beitrag von Nico Bleutge

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    KI außer Kontrolle - Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz wirklich?
    Von Moritz Metz und Ralf Krauter

    Die Diskussion um die Gefahren Künstlicher Intelligenz spitzt sich zu. Führende Forscher warnen vor drohendem Kontrollverlust und der Auslöschung der Menschheit. Muss man das ernst nehmen? Und wenn ja, was folgt daraus? Ralf Krauter und Moritz Metz analysieren die Lage und sprechen über Risiken und Perspektiven der KI-Entwicklung.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    Die Wahrheit aus der Maschine - Wie KI unsere Gesellschaft verändert. Der Autor und KI-Experte Mads Pankow im Gespräch mit Lars Hendrik Beger

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    La Vestale - Lydia Steier inszeniert Spontini an der Lindenoper in Berlin

    "Fremde Sonne" - Der neue Antiken-Marathon von Roland Schimmelpfennig am Hamburger Schauspielhaus

    Architektur für die Sinne - Ausstellung zum Werk des einflussreichen Architekten Geoffrey Bawa im Vitra Design Museum in Weil am Rhein

    Historiker Nils Franke zur Hufeisentheorie: Sind links und rechts gleich?

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Greenwashing verhindern: Neue Regeln der EU(WH)

  • 20:05 Uhr

    Zwischen den Sirenen
    Die vielen Gesichter des ukrainischen Widerstands
    Von Philipp Landauer und Luca Faccio
    Regie: Dörte Fiedler
    Mit: Benita Sarah Bailey, Rosario Bona, Martin Engler, Stefanie Heim, Toni Jessen, Bettina Kurth, Philipp Landauer, Flavia Lefevre, Talin Lopez
    Dramaturgie: Julia Illmer
    Deutschlandfunk / WDR 2026
    Länge: 53'43

    Viele Ukrainer verteidigen ihr Land nicht nur mit Cyberattacken und Waffen. Sie schreiben, malen, musizieren und beraten auch. Denn die Kultur des Landes muss sichtbar und hörbar bleiben, auch um den Menschen Mut und Hoffnung zu schenken.

    Der Krieg ist in der Ukraine längst zum Grundrauschen geworden: Sirenen in der Nacht, Explosionen in der Ferne, Alltag im Ausnahmezustand. Zwischen den Trümmern begegnet der Journalist und Fotograf Luca Faccio auf seiner Reise durch die Ukraine Menschen, die weitermachen - mit Mut und Kreativität. Sie wollen ihr Land nicht nur mit Waffen verteidigen. Und nutzen die Fähigkeiten, die sie haben. Als Schriftsteller, Musiker oder IT-Experte setzen sie sich für den Frieden ein. Luca Faccio begleitet sie auf Konzerte an der Front, besucht sie im Büro oder fährt mit ihnen durchs Land. Dabei erlebt er hautnah, wie es sich lebt in einem Land im Krieg. Und er spürt, wie wichtig die kleinen Gesten der Menschlichkeit in dieser Situation werden.

    Philipp Landauer, geboren 1988, ist ein Innsbrucker Autor, Regisseur und Creative Producer, der in Berlin lebt und für Radio und Fernsehen arbeitet. Nach Studien der Translations- und Medienwissenschaft in Innsbruck, St. Petersburg und Wien, gestaltet er Features, Podcasts und Reportagen für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. Zudem arbeitet er an dokumentarischen Film- und Fernsehproduktionen für arte, ZDF und internationale Streamingplattformen.
    Luca Faccio, geboren 1969 in Genua, ist ein Journalist, Dokumentarfilmer und Fotograf, der in Wien lebt. Seine Arbeit konzentriert sich auf politische Berichterstattung, Konfliktgebiete, soziale Bewegungen sowie Ostasien - insbesondere Nordkorea. Er berichtete unter anderem aus dem Balkan, Afghanistan, Irak, der Ukraine und Nordkorea für internationale Medien wie ORF, RAI, Der Spiegel und La Repubblica.

  • 21:05 Uhr

    Kammermusikfest Spannungen 2026

    Henriëtte Bosmans
    Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll

    Thorsten Encke
    „Black Ice“ für Violoncello und Zuspielband

    Franz Schubert
    Allegro für Klavier zu 4 Händen a-Moll „Lebensstürme“, D 947

    Ludwig van Beethoven
    Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello Nr. 14 cis-Moll, op. 131

    Kiveli Dörken, Klavier
    Martin Helmchen, Klavier
    John Storgårds, Violine
    Antje Weithaas, Violine
    Barbara Buntrock, Viola
    Marie-Elisabeth Hecker, Violoncello
    Tanja Tetzlaff, Violoncello

    Mitschnitt vom 17.6.2026 aus dem Kraftwerk Heimbach

    Am Mikrofon: Maria Gnann

    Auf der Suche nach Musik von Frauen stieß Tanja Tetzlaff auf die Cellosonate von Henriëtte Bosmans: „Großartig!“

    Es sei verrückt, sagt Tanja Tetzlaff, dass sie lange nichts von der niederländischen Komponistin wusste: Henriëtte Bosmans, Jahrgang 1895, wird seit einigen Jahren wiederentdeckt - und gefeiert. Ihre Cellosonate „sollte wirklich ins Standardrepertoire übergehen“. Sie sei tiefgründig, mitreißend, voller Energie, so Tetzlaff. Lange bekannt hingegen ist ihr der zeitgenössische Komponist Thorsten Encke. Das Stück „Black Ice“ hat er für Tetzlaff geschrieben und es ist von Schlittschuhläufern inspiriert, die auf einer scheinbar schwarzen Eisschicht tanzen - sie ist aber transparent und vollkommen glatt. Für Tetzlaff endet das Werk dystopisch, eine Analogie für den Klimawandel und schmelzendes Eis. Beethovens cis-Moll-Quartett dagegen scheint wie eine Befreiungsgeste mit Gruß direkt aus dem Paradies.

  • 23:05 Uhr