Kommentar zu den Landtagswahlen
Zwei Frauen wollen regieren - und Merz einfach weitermachen

Friedrich Merz erklärt nach den schwachen CDU-Ergebnissen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, dass er bleiben will. Gleichzeitig könnten mit Manuela Schwesig (SPD) und Elif Eralp (Linke) zwei sehr unterschiedliche Frauen Regierungschefinnen werden.

Ein Kommentar von Friederike Sittler |
Elif Eralp steht mit einem Blumenstrauß auf der Bühne und lächelt in die Kamera.
Elif Eralp hat mit der Linken die Wahl in Berlin gewonnen. Ihre Partei wurde stärkste Kraft. (picture alliance / Anadolu / Halil Sagirkaya)
Der Mann hat Nerven. Ein Kanzler und CDU-Parteivorsitzender, der noch nicht mal die erste Hochrechnung abwartet, um zu sagen - Ich bleibe - da können noch so viele über meinen Rückzug und meine schlechten Umfragewerte debattieren. Ja, Mecklenburg-Vorpommern ein Desaster, Berlin gerade mal ordentlich, aber es gibt noch viel zu tun. 
Offenbar setzt Friedrich Merz auf das Prinzip der Börsen - die nehmen sich abzeichnende schlechte Ergebnisse immer schon vornweg, preisen sie ein. Das war die Debatte der letzten Tage über den Kanzler und Parteivorsitzenden unter Druck. Tritt das Grauen dann ein, sind die Börsen meist unbeeindruckt, mitunter steigen die Kurse gar. So heute die Taktik des Friedrich Merz. 

Reaktion der CDU-Basis wird entscheidend sein

Wie in der Wirtschaft gilt aber auch in der Politik: Die Kurse können schnell ins Rutschen kommen. Entscheidend wird sein, wie die Basis der CDU reagiert - gibt es einen Sturm der Entrüstung? Wie bei Jens Spahn - den fegte es als Fraktionsvorsitzenden durch die Rückmeldungen aus den Ortsverbänden hinweg. Käme es so, dann könnte Friedrich Merz noch so viel Rückgrat zeigen - er müsste sich zurückziehen - zunächst einmal vom CDU-Parteivorsitz. Vorausgesetzt allerdings einer seiner potenziellen Nachfolger, Hendrik Wüst wurde zuvorderst genannt, würde sich in dieser Lage aus der Deckung trauen und absehbar Mehrheiten bekommen können. 
Leichter wird es für die demokratische Mitte im Land auch nach diesen beiden Landtagswahlen nicht. Gewonnen haben die politischen Ränder. Die Poloarisierung schreitet voran. Die AfD sieht in Mecklenburg-Vorpommern einen Regierungsauftrag, hat allerdings keinen Partner dafür. Und selbst in Sachsen-Anhalt kommt sie ja bislang kaum voran, ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund den Weg ins Amt des Ministerpräsidenten zu ebnen. Einfach mal -  erstmal - reichlich wenig machen. 

Zwei mögliche Regierungschefinnen

In Berlin gewinnt die Linke, die vor allem mit dem Thema der bezahlbaren Mieten und sozialer Gerechtigkeit gepunktet hat. Für eine Koalition mit SPD und Grünen wird aber auch Elif Eralp Kompromisse machen und die radikalen Ränder ihrer Partei, vor allem beim Thema Antisemitismus einhegen müssen. Eine Linke als Regierende Bürgermeisterin - ohne jede Regierungserfahrung. Eine Frau mit migrantischen Wurzeln - sie steht für die Vielfalt der Stadt und für die Startup-Mentalität. Einfach mal machen. Berlin bleibt einmal mehr spannend.

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Ganz anders die andere starke Frau in diesen beiden Wahlkämpfen - Manuela Schwesig, etablierte Ministerpräsidentin. Sie hat für die SPD eine bemerkenswerte Aufholjagd hingelegt, auch wenn es nicht zum Wahlsieg gereicht hat. Nah bei den Leuten, im Zweifel ohne Rücksicht auf Verluste in der Gesamt- Partei und der Regierungskoalition in Berin   - als Frau gegen blau - so ihr Slogan.
So könnten nach diesen beiden Landtagswahlen zwei Frauen Regierungschefinnen werden. Ob das dem ein oder anderen Mann in den anderen Parteien zu denken geben wird? 

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