Baumeisterin des Barock
Kleine Umbauten, große Geschichten - Die Architektin Plautilla Bricci
Von Laura Helena Wurth
Rom ist die Hauptstadt des Barock. Und es sind klingende Namen, die Plätze und Paläste entworfen haben: Carlo Maderno oder Francesco Borromini. Allesamt Männer. Es ist an der Zeit, die Baumeisterin des Barock, Plautilla Bricci, kennen zu lernen.
Im barocken Rom haben vor allem Männer bestimmt, wie die Stadt aussah. Diese Sichtweise stimmt natürlich, aber sie stimmt gleichzeitig nicht. Denn mit der Entdeckung der Architektin Plautilla Bricci, die im barocken Rom wirkte, dort einiges gestaltete und manches mitgestaltete, zeigt sich, dass wir die übliche Erzählung über die Architektur und Planung unsere Städte revidieren müssen.
Vielleicht ist es an der Zeit, eine Stadt nicht nur über ihre großen Hauptgebäude zu verstehen, sondern sich auch den unauffälligeren Umbauten zu widmen, dort hinzuschauen, wo man die großen Geschichten nicht vermutet. Im Falle Briccis ergeben sie sich nämlich genau dort. Gerade ist der Roman „Die Villa der Architektin“ auf Deutsch erschienen, der das das Leben Briccis beleuchtet. Höchste Zeit also, sich Rom einmal aus einer anderen Perspektive zu nähern.
Laura Helena Wurth ist Kunstkritikerin und Autorin. Sie hat Kulturwissenschaft an der Maastricht University in den Niederlanden und der Humboldt Universität zu Berlin studiert. Als freie Autorin arbeitet sie unter anderem für FAZ, NZZ, ZEIT und Deutschlandfunk Kultur. Sie ist Mitherausgeberin des Kunstmagazins One to(o) many und seit Juli 2023 Redakteurin bei Deutschlandfunk Kultur.