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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 08.02.2026

  • 00:05 Uhr

    Kann Sexualität die Welt retten?
    Eine Lange Nacht über den Psychologen Wilhelm Reich
    Von Jan Decker
    Regie: Vera Teichmann

    Im Wien der 1920er-Jahre war er zuerst ein Musterschüler Sigmund Freuds und dann das Enfant terrible der noch jungen Psychoanalytiker-Gemeinde: Denn Wilhelm Reich (1897- 1957) sah bald schon den Körper und nicht die Seele als Hauptverantwortlichen für die Lebenskrisen des Menschen und den Orgasmus als das Modell eines erfüllten Lebens, das uns zur seelischen Selbstheilung befähigt. 1929 gründete der Sohn galizischer Gutsbesitzer, die früh verstarben, die erste Sexualberatungsstelle Österreichs, ab 1930 wirkte er auf diesem Gebiet in Berlin aufklärerisch. Als kommunistischer Jude und Psychologe geriet er ab 1933 gleich dreifach ins Visier der Nationalsozialisten. Während seiner Exiljahre in Skandinavien und in den USA driftete er dann in die Esoterik ab - das sagen die einen, die anderen rühmen hingegen seine Pionierleistungen etwa im Bereich der Körperpsychotherapie. Immer wieder haben Kritiker der Schul-Psychologie und -Wissenschaft sich von den Konzepten des innovative Psychologen inspirieren lassen, der in Westdeutschland durch die 1968-er wiederentdeckt wurde. Seine Ideen und Ansätze lohnen einen genaueren Blick, sind wegweisend und manchmal auch grotesk verschroben, transportieren aber einen verblüffend modernen Impetus.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    5. Raderbergkonzert

    Fazıl Say
    „Space Jump“, op. 46

    Phaeton Piano Trio

    Aufnahme vom 11.2.2025 aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln

    03:05 Uhr   Heimwerk

    6 Sonatas for Mandolin & Basso continuo

    Ranieri Capponi
    Sonata da camera für Diskantinstrument und Basso continuo Nr. 1. Ausgeführt mit Mandoline und Basso continuo

    Sonata da camera für Diskantinstrument und Basso continuo Nr. 2. Ausgeführt mit Mandoline und Basso continuo

    Sonata da camera für Diskantinstrument und Basso continuo Nr. 3. Ausgeführt mit Mandoline und Basso continuo

    Anna Torge, Barockmandoline
    Artemandoline

  • 06:05 Uhr

    Urteil gegen Maja T. in Ungarn: Deutsches Totalversagen und eine Farce
    Von Alena Lagmöller

  • 06:10 Uhr

    Carlos Patiño
    "Beatus vir". Psalm zu 12 Stimmen
    La Grande Chapelle
    Leitung: Albert Recasens

    Heinrich Schütz
    "Du tust Guts deinem Knechte", SWV 486
    The Tapiola Chamber Choir
    Leitung: Paul Hillier

    Johann Sebastian Bach
    "Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt". Kantate zum Sonntag Sexagesimae, BWV 18
    Barbara Schlick, Sopran
    Christoph Pregardién, Tenor
    Klaus Mertens, Bass
    Amsterdam Baroque Choir
    Amsterdam Baroque Orchestra
    Leitung: Ton Koopman

    Luigi Cherubini
    "Sciant gentes". Motette für Soli, gemischten Chor und Orchester
    Maria Keohane, Sopran
    Margot Oitzinger, Alt
    Thomas Hobbs, Tenor
    Sebastian Noack, Bass
    Kammerchor Stuttgart
    Hofkapelle Stuttgart
    Leitung: Frieder Bernius

    Johannes Brahms
    Präludium und Fuge g-Moll, WoO 10
    Ulfert Smidt an der Orgel von F. Ladegast der St. Johannis-Kirche in Wernigerode

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Deutsche Synchronsprecher vs. Netflix - Wie viel kosten gute Stimmen?

    Form und Mitgefühl - Zum 150. Geburtstag der Malerin Paula Modersohn-Becker ein Interview mit Rainer Stamm, Kunsthistoriker und Direktor des Osthaus Museum Hagen

    Moralische Vorbildfunktion - Über Königshäuser und Repräsentation ein Interview mit dem Historiker Frank Lorenz Müller

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Volksparteien ohne Vertrauen in die Bürger? Ein Interview mit der Politologin Anna-Sophie Heinze

    Denk ich an Deutschland: der Musiker Timo Blunck

    Am Mikrofon: Benedikt Schulz

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Zwischen Brennen für etwas und Burnout:
    Ermutigung zu einem Leben in Fülle
    Von Michael Kinnen
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 150 Jahren: Die Malerin Paula Modersohn-Becker geboren

  • 09:10 Uhr

    Neue Musik

  • 09:30 Uhr

    Erschöpfte Demokratie?
    Die Populisten sind da! Aber was war noch gleich der Populismus?
    Von Jörg Baberowski

    Fehlende Anerkennung, politische Entfremdung und ein entkernter Liberalismus bereiten den Boden für populistische Proteste. Was wäre, wenn der Boom des Populismus eine Antwort auf eine erschöpfte Demokratie ist?

    Meist wird der Populismus als ungerechtfertigte Vereinfachung politischer Verhältnisse betrachtet, als Spiel auf einer Empörungsklaviatur, als Gegner einer pluralistischen, lebendigen Demokratie. Aber gibt es die eigentlich noch? Man kann den in ganz Europa erfolgreichen Populismus vielleicht auch als Symptom einer erschöpften repräsentativen Demokratie verstehen. Wenn Globalisierung, supranationale Institutionen und entkernte Parteien den Mehrheitswillen oft ins Leere laufen lassen, dann wächst der Verdacht, nicht mehr - so die demokratische Unterstellung - „von uns selbst“ regiert zu werden. Auf diesem Misstrauen bauen Populisten ihren Affekt gegen „die da oben“ auf: Sie inszenieren den Bruch mit Elitenstil, Mediencodes und liberaler Moralmacht, um den Anspruch auf Anerkennung, Teilhabe und Verteilungsgerechtigkeit zu artikulieren. Einen Anspruch, den einst die Sozialdemokratie vertrat.
    Populismus erscheint dann weniger als autoritärer Angriff auf die Demokratie, denn als demokratische Revolte gegen einen undemokratisch gewordenen Liberalismus, der Konflikte moralisierend befriedet und Widerspruch aus dem Diskurs verbannt.

    Jörg Baberowski, geboren 1961, ist Historiker und seit 2002 Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Geschichte des Stalinismus, der Sowjetunion sowie der Gewalt im 20. Jahrhundert. Mit Büchern wie “Der rote Terror “und “Verbrannte Erde” wurde er einem breiten Publikum bekannt. Sein jüngstes Buch “Am Volk vorbei - Zur Krise der liberalen Demokratie” erscheint Ende Februar.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Loschwitzer Kirche in Dresden
    Predigt: Pfarrer Christian Lehnert
    Evangelische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Lew Gudkow, Wissenschaftlicher Leiter des unabhängigen russischen Umfrageinstituts Lewada

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Die Alpen im "kritischen Zustand"

    La Notte Veneziana - Die Venezianische Nacht

    Tuscia: Die vergessene Mitte Italiens

    Turin - die schöne Unbekannte

    Via Francigena - Alter Pilgerweg, neu entdeckt

    Am Mikrofon: Jasmin Kröger

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Historikerin Hedwig Richter im Gespräch mit Christiane Florin

    Wer die Wahl hat: Die Professorin für Neue Geschichte an der Universität der Bundeswehr erforscht die Demokratie - und die Rolle der Hausfrau. Ihre Erkenntnisse formuliert sie so pointiert, dass sie aktuelle Debatten auslöst.   

  • 15:05 Uhr

    Düsterer Blick zurück
    Die südafrikanische Musikerin Lucy Kruger
    Am Mikrofon: Anke Behlert

    Mit dem Album „Pale Bloom“ vom Februar 2026 blickt Kruger tief in ihre Kindheit und zurück auf ihre streng religiöse Erziehung.

    Lucy Kruger wurde in Südafrika geboren und ist dort aufgewachsen, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Zu ihrem Alter gibt es keine belastbaren Angaben, 2015 gründete sie jedoch noch in ihrer alten Heimat die Band Lucy Kruger & The Lost Boys, mit der sie eine markante Mischung aus Art-Pop und Dark Folk spielt. Musik, die oft atmosphärisch und düster ist, aber mit viel Raum, Wiederholungen und emotionaler Intensität. Die Songs bewegen sich zwischen zarten, geflüsterten Momenten und lauten Klangflächen. Damit fand Kruger bei Tourneen durch Südafrika, Europa und die USA ein begeistertes Publikum. 2023 gewann die Band den „Europavox Spotlight Prize“, der an aufstrebende Bands verliehen wird. Mit „Pale Bloom“ erscheint im Februar 2026 das sechste Album von Lucy Kruger & The Lost Boys, das im Unterschied zu früheren Veröffentlichungen über einen längeren Zeitraum entstand. Mit den neuen Songs blickt die Musikerin weit in ihre Kindheit und auf die streng religiöse Erziehung zurück.

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Steffen Martus: „Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart , 1989 bis heute“
    (Rowohlt Berlin Verlag)
    Ein Beitrag von Wiebke Porombka

    Am Mikrofon: Jan Drees

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    KI und Achtsamkeit - KI-Apps für innere Ruhe und Fokus
    Von Ralf Krauter und Carina Schroeder

    Ob Yoga, Meditation oder Journaling - KI-Tools können dabei unterstützen, achtsamer im Alltag zu sein. Doch wer Chatbots und Biofeedback für seine mentale Balance nutzt, sollte die Risiken nicht außer Acht lassen. Carina Schroeder hat verschiedene KI-Apps für mehr Achtsamkeit getestet - und erzählt Meditationsfan Ralf Krauter von ihren Erfahrungen.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    "Kunst ist der Impfstoff gegen Populismus" - Publizist Michel Friedman im Gespräch mit Vladimir Balzer über die Krise der demokratischen Mitte und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    Krieg gegen das eigene Volk - Diskussion am Deutschen Theater Berlin zur Lage im Iran
    Der Schriftsteller Amir Gudarzi im Gespräch

    Lady Macbeth von Mzensk - Schostakowitsch am Staatstheater Oldenburg

    Wiedereröffnung im Speicherhaus - Das nationale Fotomuseum der Niederlande mit neuen Ausstellungen in Rotterdam

    "Salome" - Michael Thalheimer inszeniert Einar Schleef nach Oscar Wilde an der Berliner Schaubühne

    Am Mikrofon: Anja Reinhardt

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr
  • 20:05 Uhr

    Heroin im Alter
    Eine Recherche in Hannover
    Von Jörn Klare
    Regie: Cordula Dickmeiß
    Mit: Andreas Pietschmann und Lisa Hrdina
    Ton: Jan Fraune
    Deutschlandfunk Kultur/NDR 2024
    Länge: 54'30

    Wie leben Menschen, die regelmäßig Heroin und andere Drogen nehmen? Jörn Klare hat Betroffene im Alter von 50, 60, 70 und mehr Jahren getroffen. Ihre Geschichten zeigen: Es gibt leichtere Schicksale - und keinen Standardablauf der Sucht.

    In den achtziger Jahren machte Heroin noch Schlagzeilen. Bilder von Süchtigen waren in den Medien präsent: Oft waren junge Menschen abgebildet, und manche standen sogar für einen morbiden Heroin-Chic. Heute ist die Droge immer noch da, und viele, die damals angefangen haben, leben noch: mit Hilfe von Substitutionsprogrammen, mit Mischkonsum, abstinent - jede Lebensgeschichte ist anders.
    Jörn Klare war in Hannover unterwegs. Dort, wo Drogen verkauft werden, und dort, wo die Konsumenten inzwischen leben: in sozialen Einrichtungen, in Altenheimen, oft prekär und mit ungewisser Zukunft. „Ich bin kein Müll“, sagt einer von ihnen. Geschichten von Menschen, für die Heroin ein Bestandteil ihrer Biografie ist - aber nicht der einzige.

    Jörn Klare, 1965 in Hohenlimburg geboren, zwischen Sauerland und Ruhrgebiet aufgewachsen, lebt als Autor in Berlin. Er schreibt Sachbücher, Theaterstücke und Radiofeatures, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für sein Buch „Nach Hause gehen. Eine Heimatsuche“ erhielt er 2017 den Evangelischen Buchpreis. Zum selben Thema produzierte er für Deutschlandradio Kultur das Stück „Nach Hause gehen“ (2016). Zuletzt: „‚Lost in Sozialversicherung“ (NDR 2024).

  • 21:05 Uhr

    Grundton D - Konzert und Denkmalschutz

    „Karneval des Glücks“
    Musik von Camille Saint-Saëns, Igor Strawinsky, Fazil Say u.a.
    Texte von Roger Willemsen

    Katja Riemann, Rezitation und Konzeption
    Franziska Hölscher, Violine
    Marianna Shirinyan, Klavier

    Aufnahme vom 19.10.2025 aus der Alten Kongresshalle in München

    Am Mikrofon: Jochen Hubmacher

    „Karneval der Tiere“ und Hiobs-Geschichte kommentiert bzw. umgedichtet von Roger Willemsen: ein Abend mit Tiefgang und Humor.

    Schauspielerin Katja Riemann und die Ausnahmemusikerinnen Franziska Hölscher und Marianna Shirinyan feiern den „Karneval des Glücks“. Der unvergessene Roger Willemsen, der am 7. Februar vor zehn Jahren gestorben ist, hat einen scharfzüngigen Text für den „Karneval der Tiere2 gereimt und seine eigene Version der biblischen Geschichte um Hiob verfasst. Verwoben mit grandioser Musik von Camille Saint-Saëns, Igor Strawinsky oder Wolfgang Amadeus Mozart entsteht ein humorvoll-doppelbödiges und berührendes Gesamtkunstwerk. Das Konzert fand im Rahmen der Benefizreihe „Grundton D“ von Deutschlandfunk und Deutscher Stiftung Denkmalschutz statt.

  • 23:05 Uhr
  • 23:30 Uhr