Angst, Wut, Hoffnung
Das rassistische Attentat von Hanau und die Folgen
Von Sebastian Friedrich
Regie: Hannah Georgi
Mit: Serkan Kaya
Ton: Gerd Nesgen
Deutschlandfunk Kultur/NDR 2025
Länge: 54'30
Beim rassistischen Anschlag von Hanau verlor Serpil Temiz Unvar ihren Sohn Ferhat. Seitdem kämpft sie mit der „Bildungsinitiative Ferhat Unvar“ gegen Rassismus. Das Feature begleitet Angehörige, Überlebende und Weggefährten.
Am 19. Februar 2020 veränderte sich das Leben von Serpil Temiz Unvar für immer. An diesem Tag tötete im hessischen Hanau ein 43-jähriger Mann ihren Sohn Ferhat und weitere acht junge Menschen mit Migrationshintergrund. Noch im Jahr des Attentats gründete sie die „Bildungsinitiative Ferhat Unvar“, die sich für eine Gesellschaft ohne Rassismus einsetzt.
Das Feature begleitet Serpil Temiz Unvar und ihre Tochter Nesrîn Unvar in den Jahren nach dem Anschlag - zwischen Trauer, Aktivismus und alltäglichen Anfeindungen. Neben der Familie kommen auch die Protagonistinnen und Protagonisten zu Wort, die bereits in der Vorgänger-Doku von Sebastian Friedrich („Der erste Tag. Das Attentat von Hanau“) zu hören waren: Arjin Civelek-Bicer, die seit ihrer Kindheit mit Ferhat Unvar befreundet war und das Attentat überlebte; Jaweid Gholam, der die letzten Stunden mit Ferhat verbrachte und wenige Minuten vor dem Anschlag nach Hause ging; Antje Heigl, die als Sozialarbeiterin im Jugendzentrum Hanau-Kesselstadt viele der Ermordeten über Jahre hinweg begleitet hatte; sowie Said Etris Hashemi, dessen Bruder Said Nesar Hashemi ermordet wurde und der selbst schwer verletzt überlebte.
Das Feature zeigt, wie persönliche Verluste, gesellschaftliche Missstände und fragwürdiges Verhalten der Behörden zu Enttäuschungen, Frustrationen und Misstrauen führen - und wie ein unermüdlicher Einsatz gegen Hass und Unterdrückung trotz alledem Hoffnung stiften kann. Im Gespräch mit Freunden, Zeuginnen und Betroffenen stellt sich die Frage nach einem sinnvollen Leben nach dem Verlust - in einer Gesellschaft, in der rechtsradikale Kräfte stark sind wie nie.
Für die Protagonisten sind Alltagsrassismus und eine sich zunehmend formierende politische Rechte auf bedrückende Weise spürbar. Der Vater des Täters, welcher nach der Tat seine Mutter und sich selbst getötet hatte, lebt weiterhin in direkter Nachbarschaft zur Familie Unvar und belästigt sie seit dem Anschlag mit rechten Parolen. Und die AfD erzielte 2023 ausgerechnet in Hessen ihr bislang bestes Wahlergebnis in einem westdeutschen Bundesland.
Sebastian Friedrich, 1985 in Halle (Saale) geboren, ist freier Journalist und Autor. Er arbeitet u.a. für das ARD-Politikmagazin Panorama, die Wochenzeitung Der Freitag, den NDR sowie den Deutschlandfunk. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit Rechtsradikalismus, der Entwicklung des Kapitalismus und seiner Alternativen, Diskurstheorie und Klassenanalyse. Zuletzt: „Deutsches Denken - Rechte Intellektuelle der Bundesrepublik“ (Deutschlandfunk Kultur 2025, zusammen mit Nils Schniederjann).