Soziale Utopie und Klangmagie
Eine Lange Nacht über Hans Werner Henze
Von Egbert Hiller
Regie: Burkhard Reinartz
Hans Werner Henze (1926-2012) war Träumer und Realist zugleich. Soziale Utopien, der Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, waren für ihn untrennbar mit seiner schöpferischen Arbeit verbunden. Als streitbarer Künstler geriet er in die Wirren der Politik. Und doch suchte er stets die Harmonie, die Freundschaft, die vertrauensvolle Kooperation mit Gleichgesinnten. Er war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, aber auch Gründer und Inspirator bahnbrechender künstlerischer und pädagogischer Projekte und Initiativen. Dazu zählen vor allem der „Cantiere internazionale d’arte“ in dem Toskana-Städtchen Montepulciano und die Münchner Biennale für neues Musiktheater. Die drei Stunden der Langen Nacht beleuchten Hans Werner Henzes Leben von seiner Jugend bis zu seinem Tod im Oktober 2012. Auch anhand von Selbstzeugnissen, Briefen, Kommentaren und Zitaten passieren Stationen seines Lebens und Schaffens Revue - vor dem Hintergrund bewegter und bewegender Zeiten vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis ins 21. Jahrhundert. Schwerpunkte der Betrachtung liegen auf herausragenden und umstrittenen Werken wie den „Nachtstücken und Arien“ auf Worte von Henzes langjähriger Vertrauter Ingeborg Bachmann, dem Rezital „El Cimarrón“, das die Sklaverei thematisiert, oder dem politischen Oratorium „Das Floß der Medusa“. Zu Wort kommen u.a. die italienische Musikwissenschaftlerin Elena Minetti, der Dirigent Markus Stenz, der Gitarrist Wilhelm Bruck und - natürlich - Hans Werner Henze selbst.