Kommentar zum Irankrieg
Golfstaaten sollten mehr Führung übernehmen

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran eskaliert, auch die Golfstaaten geraten wieder unter iranischen Beschuss. Dennoch bleiben sie erstaunlich still, statt Washington und Teheran eine eigene Friedenslösung vorzulegen.

Ein Kommentar von Bernd Niebrügge |
Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar, am 1. Juli 2026. Im Gewässer davor schwimmt eine rote Boje.
Oman, Katar und Pakistan bemühen sich zwar um Vermittlung, mehr aber auch nicht, meint ARD-Korrespondent Bernd Niebrügge. (picture alliance / Xinhua News Agency / Nikku)
Die Ziele der USA und Israels beim Angriff auf den Iran am 28. Februar waren groß: Das Atomprogramm stoppen, das Raketenprogramm ausschalten, die Revolutionsgarde zerschlagen.
Die Hoffnung auf ein Ende des brutalen Mullah-Regimes lieferte Präsident Trump und Ministerpräsident Netanyahu darüber hinaus die politische Legitimation für diesen Krieg.
Heute, knapp sechs Monate später, kreist die Debatte fast nur noch um eine Frage: Wann wird die Straße von Hormuz wieder geöffnet? Wann funktioniert der Welthandel wieder reibungslos? Das Schicksal der vom Mullah-Regime unterdrückten Bevölkerung oder das Ende der Revolutionsgarde hingegen, wen interessiert das heute noch in den USA, Israel oder Europa?
Angesichts der strategischen Ziellosigkeit im Weißen Haus wächst die Gefahr, militärisch immer weiter nachzulegen. Aber ein All-in, wie beim Poker, kann es das sein? Wo bleibt eigentlich der Plan B, wo die diplomatische Ausstiegsstrategie, Herr Präsident Trump?
Europa fordert beharrlich Diplomatie. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verurteilen immer wieder die iranischen Raketenangriffe und rufen zu Friedensverhandlungen auf, doch geändert hat es bis heute nichts. Europas Problem ist nicht der Mangel an Appellen, Europas Problem ist der Mangel an Einfluss.

Golfstaaten bleiben erstaunlich still

Und dann sind da noch die Golfstaaten. Seit Monaten werden sie von iranischen Raketen und Drohnen getroffen, trotzdem bleiben ihre Regierungen erstaunlich still.
Saudi-Arabien, die Emirate, Katar oder Kuwait verfügen über gigantische Milliardenvermögen, spielen politisch bislang aber kaum eine Rolle. Oman, Katar und Pakistan bemühen sich zwar um Vermittlung, mehr aber auch nicht.
Gerade jetzt müsste man von den Staaten am Golf mehr erwarten - mehr Führung, mehr gemeinsame Verantwortung und mehr Mut, Washington und Teheran eine eigene Friedenslösung vorzulegen.
Diplomatie bedeutet mehr als nur Waffenstillstände zu organisieren. Sie muss klären, welche Sicherheitsgarantien denkbar sind, welche neue Sicherheitsordnung für den Golf soll entstehen?
Alle Beteiligten, die USA, Europa und die Staaten der Region, müssen dabei über ihren eigenen Schatten springen und den Frieden wirklich wollen. Sonst bleibt dieser Krieg genau das, was er heute schon ist: militärisch explosiv, politisch aber orientierungslos.
Eine Wirklichkeit im Iran aber wird auch der beste verhandelte Frieden zunächst nicht ändern können - die brutale Unterdrückung großer Teile der Bevölkerung durch die Revolutionsgarde und die Kleriker. Der Anspruch des Westens, daran etwas zu ändern, scheint gescheitert.