
Die Erde wird wärmer und wärmer und das immer schneller. Ausgelöst durch die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, befindet sie sich in einem gefährlichen Energieungleichgewicht. Das unterstreichen die heute vorgestellten Indikatoren zum weltweiten Klimawandel. Eine physikalische Realität, die schlimmer wird, je länger die Menschheit Kohle, Öl und Gas verbrennt.
Die gute Nachricht ist: Der Ausstieg aus diesen Technologien bekommt gerade Schub. Auf der Klima-Zwischenkonferenz in Bonn ist ein neuer Ton erkennbar. Über Jahre hinweg war es aufgrund des Widerstands der Ölstaaten kaum möglich, fossile Energien als das Grundproblem zu benennen, trotz wissenschaftlicher Fakten. Die Blockade der Straße von Hormus hat das geändert. Weltweit ächzen Volkswirtschaften unter den Folgen der fossilen Energiepreiskrise. Als Würgegriff beschrieb UN-Klimachef Simon Stiell die Abhängigkeit. Die australische Verhandlungsleitung betont die Notwendigkeit eines Ausstiegs, der türkische Gastgeber der nächsten Klimakonferenz hat ein globales Elektrifizierungsziel für 2035 vorgeschlagen. Hier bewegt sich etwas – zum Guten.
Deutsches Klimaziel durch die Hintertür sabotiert
Angesichts dieses internationalen Momentums ist es umso irritierender, dass die deutsche Bundesregierung in eine völlig andere Richtung abbiegt und Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energien fortschreibt etwa durch das geplante neue Heizungsgesetz. Das deutsche Klimaziel wird damit durch die Hintertür sabotiert – indem etwa die Vorgabe, dass fossil betriebene Heizungen nur bis 2045 betrieben werden dürfen, gestrichen wird. Die mannigfaltige Kritik aus Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltverbänden, Regierungsinstitutionen und Zivilgesellschaft lassen die Koalitionäre an sich abperlen.
Die schwarz-rote Koalition verfällt in einen Leugnungsmodus, ob der Wucht des Problems und versucht sich durchzulavieren – und das gerade überall: Statt Emissionsminderung im Luftfahrtsektor zur Bedingung zu machen, reizt die Bundesregierung durch Steuererleichterungen mehr Inlandsflüge an. Der Umweltminister fordert auf der einen Seite mehr Hitzeschutz in Städten, auf der anderen Seite werden Naturschutz und Grünflächen durch neue Regelungen im Baurecht herabgestuft. Was helfen da einzelne Modellprojekte, die mit viel Geld vom Bund gefördert werden, wenn kein grundsätzlicher Systemwechsel erfolgt, der den Schutz der Bevölkerung voranstellt und klare Vorgaben für Bauplanung macht?
Solidarische Selbsthilfe beim Klimaschutz
Schwarz-Rot verliert sich im Klein-Klein, in Widersprüchen und Symbolpolitik und betreibt beim Heizungsgesetz Kulturkampf. Bleibt den Bürgerinnen und Bürgern nur, es selbst in die Hand zu nehmen. Durch Engagement im Lokalen, wie die „Abpflastern“-Wettbewerbe zum Entsiegeln in Großstädten oder durch das Teilen erneuerbar erzeugter Energie. Wenn die Regierung falsch abbiegt, hilft erst mal nur solidarische Selbsthilfe. Dinge bewegen – zum Guten.























