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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 29.03.2026

  • 00:05 Uhr

    „Ich war der Fremde“
    Eine Lange Nacht über den Schriftsteller Edgar Hilsenrath
    Von Helmut Braun
    Regie: Sabine Fringes
    (Wdh. v. 11./12.12.2010)

    Das Leben Edgar Hilsenraths verlief gewöhnlich. Zumindest für einen deutschen Juden, der 1926 geboren wurde. Schon der Schuljunge erlebt Ausgrenzung, Schikanen, Verfolgung, muss um Leib und Leben fürchten. 1938 flüchtet er mit Mutter und Bruder in die rumänische Bukowina. Von dort werden sie im Oktober 1941 in das Ghetto Mogilev-Podolski in der Ukraine deportiert. Seither ist Hilsenraths Leben ungewöhnlich. Er überlebt Hunger, Kälte und Seuchen. Nach der Befreiung flieht der junge Mann nach Palästina, dass er vier Jahre lang als unwirtliches gelobtes Land erlebt. Exil in Frankreich und schließlich die Emigration nach New York bringen ihn von Fremde zu Fremde. Er will Schriftsteller sein. Der Ghettoroman „Nacht“, der satirische Roman über die Täter „Der Nazi & der Friseur“ entstehen. Der Autor kehrt zurück in seine geliebte Muttersprache, lässt sich in Berlin nieder. Spät hat Edgar Hilsenrath Erfolg; seine Bücher erreichen hohe Auflagen, ernten Lob von der Kritik, den Lesern, der Wissenschaft. Das Fazit des alten Mannes: „Ich war der Ausgegrenzte, der Flüchtling, der Deportierte, der Emigrant, ich war immer der Fremde.“ Hilsenrath, dessen Geburtstag sich am 2. April zum 100. Mal jährt, ist 2018 gestorben.

  • 03:00 Uhr

    Umstellung MESZ

  • 03:05 Uhr
    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Musik von SchülerInnen Anton Bruckners"

    Mathilde Kralik von Meyrswalden
    Trio für Violine, Violoncello und Klavier F-Dur
    Tonali Trio

  • 06:05 Uhr

    Europas Einfluss am Persischen Golf: Der Irankrieg ist ein Weckruf
    Von Anne Allmeling

  • 06:10 Uhr

    Anonymus
    "Gloria laus et honor" - "Israel es tu". Antiphon zum Palmsonntag
    Ensemble Dragma
    Leitung: Agnieszka Budzinska-Bennett

    Esteban Salas y Castro
    "Dominica in palmis". Prozessionsgesänge zum Palmsonntag
    Camerata Vocale Sine Nomine
    Ars Longa Havana
    Leitung: Teresa Paz

    Johann Sebastian Bach
    "Himmelskönig, sei willkommen". Kantate zum Palmsonntag , BWV 182
    Alex Potter, Countertenor
    Patrick Grahl, Tenor
    Tobias Berndt, Bass
    Gaechinger Cantorey
    Leitung: Hans-Christoph Rademann

    Guillaume Bouzignac
    "In pace, in idipsum". Psalmmotette zu 4 Stimmen
    Les Arts Florissants
    Ensemble des Violes Orlando Gibbons
    Leitung: William Christie

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Reformen dringend nötig - Zum Abschluss der WTO-Konferenz in Kamerun

    Individualität und Geschichtlichkeit - Zur Zeit-Philosophie des Palmsonntags ein Interview mit dem Philosophen Ludger Honnefelder

    Mythos und Ramsch - Zum Niedergang des Warenhauses ein Interview mit dem Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Juristisch eindeutig? Der Iran-Krieg und das Völkerrecht - Ein Interview mit dem Völkerrechtler Wolff Heintschel von Heinegg

    Denk ich an Deutschland: die Schauspielerin Lena Urzendowsky

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Mehr Hoffnung wagen -
    Zum 100. Geburtstag von Jürgen Moltmann
    Von Pfarrer Thomas Dörken-Kucharz
    Evangelische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 40 Jahren: Falco bricht mit "Rock Me Amadeus" Rekorde in den US-Charts

  • 09:10 Uhr

    Alte Musik

  • 09:30 Uhr

    Die Schürze - Enthüllungen eines Kleidungsstücks
    Von Lea Sauer

    Kaum ein anderes Kleidungsstück steht so sehr für Fürsorge, Unsichtbarkeit und weibliche Arbeit wie die Schürze. Merkwürdig, dass ausgerechnet sie ein Comeback zwischen Luxusmode und Social Media erlebt.

    Als Sandra Hüller im Herbst 2025 für Miu Miu in einer kobaltblauen Arbeitsschürze über den Laufsteg lief, war das ein Statement. Insbesondere auch, weil Labelchefin Miuccia Prada ein ganzes Manifest dazu lieferte, das ihre ungewöhnliche fashion choice erklärt. Die Schürze, so schreibt sie, ist in ihren Augen das universelle Symbol weiblicher Arbeit. Eine Arbeit, die von Fürsorge und Liebe geprägt ist, und oft im Verborgenen stattfindet. Indem sie die Schürze auf den Laufsteg holt, wolle sie der Arbeit der Frauen Tribut zollen. Doch funktioniert diese Huldigung der Schürze? Die Schürze symbolisiert jene Care-Arbeit, die Gesellschaft erst ermöglicht, aber systematisch abgewertet wird. Sie trennt die produktive von der reproduktiven Sphäre, das Öffentliche vom Privaten, die bezahlte von der unbezahlten Arbeit. Trotzdem kehrt heute die Schürze zurück: als Luxusobjekt auf dem Laufsteg, aber auch als Symbol der Tradwives, die ihr eigenes Hausfrauendasein auf Social Media verherrlichen und ästhetisieren. Was verrät uns die Schürze aber wirklich über Geschlechterrollen, Care-Arbeit und Weiblichkeit von den Nachkriegsjahren bis heute? Und ist eine Aufwertung der weiblichen Sphäre schon ein emanzipatorischer Akt?

    Lea Sauer studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und promovierte mit einer Arbeit zu Subjektivität und Flanerie in französischer Literaturwissenschaft. Sie arbeitet als Autorin, Journalistin und Herausgeberin in Leipzig. 2024 erhielt sie den Manuskripte-Förderpreis. 2025 war sie auf der Shortlist des WORTMELDUNGEN-Förderpreises. Sie ist Teil des Autor:innenkollektivs„kollektiv flexen“.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Severikirche in Erfurt
    Zelebrant: Subregens Egon Bierschenk
    Katholische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Carsten Schneider, Bundesumweltminister, SPD

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Die Riesen-Nadel am Rande der Stadt:
    70 Jahre Stuttgarter Fernsehturm

    Aus Leidenschaft in den Himmel gucken:
    Eine Sternwarte im Harz

    "Das nomadische Gen"
    Ein Film über das Unterwegssein

    Der sächsische Musikwinkel
    Instrumentenbau damals und heute

    Genf: Hauptstadt der Uhren

    Am Mikrofon: Laura Kingston

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Sozialarbeiterin Miriam Peters im Gespräch mit Tanja Runow

    Jede vierte Frau in Deutschland erlebt häusliche Gewalt. Und gerade im ländlichen Raum sind Hilfsangebote rar. Miriam Peters, Gründerin der „Land-Grazien“, fährt in einem Kleinbus über die Dörfer und berät Frauen auch mal auf dem Supermarktparkplatz.

  • 15:05 Uhr

    Zart, zerbrechlich, zum Zerschmelzen
    Die isländische Musikerin Ölöf Arnalds
    Von Anja Buchmann

    Arnalds Kompositionen bestechen durch Folk-Klänge, zarte Melodien, dezente Elektronik - so auch ihr aktuelles Album „Spira“.

    Geige, Gesang, Gitarre sind ihre Instrumente: Die Isländerin Olöf Arnalds (Jahrgang 1980) hat Musik an der Kunstakademie studiert, bereits früh erste Songs geschrieben und war anfangs in der Experimentalband múm aktiv, bevor sie 2007 ihr erstes Solo-Album herausbrachte. Daneben hat Arnalds auch noch einen bekannten Verwandten: Der Multiinstrumentalist und Komponist Olafur Arnalds ist ihr Cousin. Mit ihrer Landsfrau Björk hat sie schon früh zusammengearbeitet, außerdem ist Arnalds eng mit der isländischen Rockband Sigur Ros und dem Jazzbassisten Skúli Sverrisson verbunden, der auch ihr letztes Album produziert hat. Arnalds eigene Kompositionen bestechen durch Folk-Klänge, zarte Melodien, akustische Gitarre und Klavier sowie hin und wieder sehr dezente Elektronik, um ihre häufig mystischen Klangatmosphären zu unterstützen. Auch ihr aktuelles Album „Spira“ ist: zum Dahinschmelzen.

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Sarah Gaber: „Gottfried Benn und der literarische Nachkrieg. Werke und Wechselwirkungen des späten Ruhms“
    (Wallstein Verlag)
    Ein Beitrag von Angela Gutzeit

    Am Mikrofon: Jan Drees

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    KI aus Europa - Mistral AI aus Frankreich macht US-Konzernen Konkurrenz
    Von Friederike Walch-Nasseri und Moritz Metz

    Offen, sicher, europäisch - das sind die Trümpfe der Softwareschmiede Mistral AI, deren Sprachmodelle es mit ChatGPT und Co aufnehmen können. Die Firma ist Europas Hoffnungsträger im globalen KI-Wettlauf. Sind die Erwartungen zu groß? Moritz Metz und Friederike Walch-Nasseri betrachten den rasanten Aufstieg des französischen Startups.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    Essen im Wilden Westen - Dirk Schmeding inszeniert Puccini

    "Visionary Dances" - Choreographien von Twyla Tharp, Justin Peck und Wayne McGregor am Wiener Staatsballett

    "Automatenbuffet" - Jan Bosse inszeniert Anna Gmeyner am Deutschen Theater

    Art Basel-Hongkong: Wie Künstlerinnen und Galeristen mit Zensur umgehen

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Superintelligenz - Wie gefährlich ist die KI der Zukunft?

  • 20:05 Uhr

    Provinzjugend - Eine Suche
    Von Tobias Siebert
    Regie: Giuseppe Maio
    Mit: Oscar Hoppe, Lou Strenger, Hans Henrik Wöhler
    Ton: André Lüer
    Dramaturgie: Tobias Barth
    Mitteldeutscher Rundfunk 2025
    Länge: ca. 54'40

    Harsewinkel - dieser Ort lässt den Autor Tobias Siebert nicht los. Im Gegensatz zur AfD-Parteivorsitzenden Alice Weidel, die ebenfalls von dort kommt, erinnert er sich mit gemischten Gefühlen an das Aufwachsen in der ostwestfälischen Provinz.

    Mähdrescher, Schützenfeste, Dorfdiscos - und Familiengeheimnisse. Vieles hat der Autor versucht zu verdrängen, auch den frühen Tod seines Vaters. Doch dann findet er eine Kassette, auf der sein Vater von seiner Zeit als Pimpf in der Hitlerjugend erzählt. Er beginnt, den Spuren seiner Vergangenheit nachzugehen - und er fragt sich auch: Wie geht die Stadt Harsewinkel in Ostwestfalen mit ihrer Geschichte und ihrer NS-Vergangenheit um?

    Tobias Siebert ist Autor und Journalist. Er studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. 2021 war er Finalist beim Literaturförderpreis der Landeshauptstadt Mainz, 2022 Regionsschreiber von stadt.land.text NRW in Südwestfalen. Tobias Siebert lebt in Leipzig.

  • 21:05 Uhr

    Heidelberger Künstlerinnenpreis 2026

    Kaija Saariaho
    Ciel d’hiver

    Oxana Omelchuk
    und alle flieger fliegen nach minsk (UA)

    Dmitri Schostakowitsch
    Sinfonie Nr. 5

    Schola Heidelberg
    Philharmonisches Orchester Heidelberg
    Musikalische Leitung: Ruth Reinhardt

    Aufnahmen vom 25.2.2026 in der Stadthalle Heidelberg
    Am Mikrofon: Egbert Hiller

    Der Heidelberger Künstlerinnenpreis versammelt seit 1987 namhafte wie perspektivträchtige Komponistinnen aus aller Welt.

    Längst Vorhandenes neu zu betrachten, Wiedergefundenes zu verwandeln und uns den Spiegel vorzuhalten - das vermag die Musik von Oxana Omelchuk. Präzise und auch mit Humor verweist die Komponistin damit auf gesellschaftspolitische Gegenwart, die ihr in West wie in Ost fragwürdig geworden und in Auflösung oder Umbruch begriffen erscheint. Die 1975 in Weißrussland geborene Wahl-Kölnerin wurde in diesem Jahr mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis geehrt. Im Preisträgerinnen-Konzert in der wiedereröffneten Heidelberger Stadthalle, in dem auch Werke von Kaija Saariaho und Dmitri Schostakowitzsch erklangen, wurde eine (kammer-)chorsinfonische Arbeit von ihr uraufgeführt: „und alle flieger fliegen nach minsk“.

  • 23:05 Uhr