Die Schürze - Enthüllungen eines Kleidungsstücks
Von Lea Sauer
Kaum ein anderes Kleidungsstück steht so sehr für Fürsorge, Unsichtbarkeit und weibliche Arbeit wie die Schürze. Merkwürdig, dass ausgerechnet sie ein Comeback zwischen Luxusmode und Social Media erlebt.
Als Sandra Hüller im Herbst 2025 für Miu Miu in einer kobaltblauen Arbeitsschürze über den Laufsteg lief, war das ein Statement. Insbesondere auch, weil Labelchefin Miuccia Prada ein ganzes Manifest dazu lieferte, das ihre ungewöhnliche fashion choice erklärt. Die Schürze, so schreibt sie, ist in ihren Augen das universelle Symbol weiblicher Arbeit. Eine Arbeit, die von Fürsorge und Liebe geprägt ist, und oft im Verborgenen stattfindet. Indem sie die Schürze auf den Laufsteg holt, wolle sie der Arbeit der Frauen Tribut zollen. Doch funktioniert diese Huldigung der Schürze? Die Schürze symbolisiert jene Care-Arbeit, die Gesellschaft erst ermöglicht, aber systematisch abgewertet wird. Sie trennt die produktive von der reproduktiven Sphäre, das Öffentliche vom Privaten, die bezahlte von der unbezahlten Arbeit. Trotzdem kehrt heute die Schürze zurück: als Luxusobjekt auf dem Laufsteg, aber auch als Symbol der Tradwives, die ihr eigenes Hausfrauendasein auf Social Media verherrlichen und ästhetisieren. Was verrät uns die Schürze aber wirklich über Geschlechterrollen, Care-Arbeit und Weiblichkeit von den Nachkriegsjahren bis heute? Und ist eine Aufwertung der weiblichen Sphäre schon ein emanzipatorischer Akt?
Lea Sauer studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und promovierte mit einer Arbeit zu Subjektivität und Flanerie in französischer Literaturwissenschaft. Sie arbeitet als Autorin, Journalistin und Herausgeberin in Leipzig. 2024 erhielt sie den Manuskripte-Förderpreis. 2025 war sie auf der Shortlist des WORTMELDUNGEN-Förderpreises. Sie ist Teil des Autor:innenkollektivs„kollektiv flexen“.