Unsere vergorenen Wunden
Von Katrin Pitz
Regie: Matthias Kapohl
Mit: Lou Strenger, Robert Dölle, Andreas Grothgar
Komposition: Kiki Bohemia
Ton und Technik: Thomas Widdig und Oliver Dannert
Dramaturgie: Sabine Küchler
Deutschlandfunk 2024
Länge: 67'44
Eine Patientin lotet die Grenzen ihres Psychoanalytikers aus. Mal hält sie ihn hin, mal liefert sie ihm bereitwillig Träume, Erlebnisse, Widersprüchlichkeiten. Was davon ist wahr? Und bei wem liegt letztendlich die Deutungshoheit?
Als der Analytiker wieder fragt, ob die Patientin eine Sprache für das hat, was sie erlebt, zeigt sie erneut, dass sie sich ihm gewachsen fühlt, wenn nicht gar überlegen - nicht nur auf sprachlicher Ebene. So kippt eine Therapiesituation in ein intellektuelles Kräftemessen. Die verhandelten Themen sind klassischer Natur: Beziehungen, Arbeitsverhältnisse, Träume.
Doch die Patientin spricht stets unter der Prämisse, niemanden, der ihr lieb und wichtig ist, an den Analytiker zu verraten, sowie mit dem Unwillen, ein klassisches Machtgefälle entstehen zu lassen. Beide machen sich unbarmherzig auf die Unstimmigkeiten, die sie in den Gesprächen erzeugen, aufmerksam. Schließlich schaltet sich eine dritte, namenlose Instanz ein, die aus dem Rückblick infrage stellt, wer in dieser Analyse eigentlich zu welchem Zeitpunkt glaubwürdig war.
Katrin Pitz, geboren 1989 in Marburg, studierte Maschinenbau an der TU Darmstadt und übte anschließend verschiedene Tätigkeiten als Ingenieurin aus. Seit 2022 ist sie freiberuflich als Autorin und Übersetzerin tätig. Für ihre Lyrik wurde sie 2021 mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichnet.