Abenteuer aus dem Englischen Garten
Nach der Erzählung von Marieluise Fleißer
Bearbeitung: Regine Ahrem
Regie: Petra Kiener
Mit: Franz Rampelmann, Cornelia Glogger
Ton und Technik: Manfred Retsch, Barbara Liebrich
SFB/BR 1984
Länge: 52'10
In Münchens berühmtem Landschaftspark begegnen sich ein junger Mann und eine junge Frau. Eine zarte Liebe entsteht, voller Hilflosigkeit. Schließlich kippt sie in Gewalt. Ein Stück über gefährliche Beziehungsdynamiken
Der junge Maurer Emil will endlich ein Mädel haben, wie seine Kameraden. Als ihm das Fräulein über den Weg läuft, ist sie ihm gerade „die Rechte“. Das Fräulein scheint nicht abgeneigt, und schon sind sie „miteinander im schönsten Zug“. Doch Emil passt es nicht, dass er einen Vorgänger hat, und das lässt er das Fräulein auch spüren. Gleichzeitig denkt er auch an das, „was mich morgen vielleicht reut, wenn ich es heut unterlasse“. Irgendwann wird das Fräulein in ihrem Jammer den Kopf auf die Straßenbahnschiene legen. Aber da ist die nächtliche Verabredung in Münchens berühmtem Landschaftspark längst zu einem Abenteuer zwischen Sehnsucht und Schrecken geworden.
Marieluise Fleißer (1901- 1974) wurde in den Sechzigerjahren von jungen Theaterautoren wie Rainer Werner Faßbinder und Franz Xaver Kroetz wiederentdeckt. Ihre Stücke wurden erneut gespielt, und endlich nahm ein größeres Publikum sie auch als Erzählerin wahr, obschon Walter Benjamin bereits früh ihre Prosa als „Kunstmittel ersten Ranges“ erkannt und Alfred Kerr ihr Werk schlicht „einen Besitz“ genannt hatte. „Die Werke der Marieluise Fleißer“, schrieb der Kritiker Heinrich Goertz aus Anlass des Erscheinens der Gesammelten Werke, „sind eine Schule der Rechtschaffenheit, der stilistischen Ehrlichkeit und Prägnanz. Die Sprache als perfekter Ausdruck ihres Denkens und Erlebens - eine körnige Prosa, hart, zupackend, konkret, ohne unverbindliche Allgemeinheiten und schmückende Beiwörter - nur die Sache selbst, jeder Satz eine Enthüllung.“ „Ich schreibe für jene, die entschlossen sind, zu erkennen. Ich schreibe für jene, die sich nichts vormachen lassen.“