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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 10.05.2026

  • 00:05 Uhr

    Die Last des Schweigens
    Eine Lange Nacht über späte Folgen der NS-Zeit
    Von Burkhard Reinartz
    Regie: der Autor

    Zeitlich gesehen ist die Zeit von 1933 bis 1945 nur ein kurzer Abschnitt der Geschichte. Doch dieser Zeitraum hat enorme Spuren hinterlassen. Ängste, Depressionen und diffuse Schuldgefühle belasten auch heute noch das seelische Gleichgewicht der Nachkommen. Die Vernichtung von über sechs Millionen Juden sowie Millionen von Erschießungen beim Angriffskrieg der Nazis hat auch Millionen von Nachkommen der Täter in ganz Europa zu unschuldigen Opfern gemacht. Trotz der staatlichen Aufarbeitung herrschen in den Familien weiterhin Verdrängung, Schweigen und Verschweigen. Die Mehrheit der Kriegsgeneration hat den Dialog über die Nazi- Zeit vermieden. Es wurde geleugnet, verklärt oder verschwiegen. Inzwischen machen nicht nur Nachkommen, sondern auch die Nachkommen der Nachkommen sich auf den Weg, das Schweigen zu brechen, und recherchieren in Datenbanken, ob ihre Väter, Großväter oder Uropas Nazitäter waren. Repräsentative Studien zeigen, dass Deutschland weniger ein Weltmeister im Erinnern ist, sondern eher im Verdrängen. So halten in der „Memo-Studie“ der Universität Bielefeld nur 18 Prozent der Befragten ihre Vorfahren für Nazis. Dabei hat die Mehrheit der Bevölkerung die Hitler-Diktatur mitgetragen. Ebenfalls 18 Prozent geben an, ihre Vorfahren hätten den Opfern geholfen, zum Beispiel Juden versteckt. Faktisch waren es allerhöchstens ein Prozent.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Antonín Dvořák
    Konzert für Violine und Orchester a-Moll, op. 53
    Midori, Violine
    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Leitung: Marie Jacquot
    Aufnahme vom 22.6.2025 in der Philharmonie Berlin

    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Time remembered"

    Maurice Ravel
    "Pavane pour une infante défunte" für Klavier

    Sergej Rachmaninow
    Prélude für Klavier h-Moll, op. 32 Nr. 10

    Erik Satie
    "Gymnopédie" für Klavier Nr. 1

    Matthias Kirschnereit, Klavier

  • 06:05 Uhr

    Parteien auf X: Es stinkt, haltet es aus!
    Von Martin Krebbers

  • 06:10 Uhr

    Johann Sebastian Bach
    "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch". Kantate zum Sonntag Rogate, BWV 86
    Terry Wey, Countertenor
    Johannes Kaleschke, Tenor
    Markus Volpert, Bass
    Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung
    Leitung: Rudolf Lutz

    Georg Muffat
    Toccata II aus "Apparatus musico-organisticus"
    Joseph Kelemen an der Andreas-Silbermann-Orgel der Abteikirche Ebersmunster

    Biagio Marini
    "Letanie de Santi" aus "Lacrime di Davide", op. 21
    Gli Erranti
    Leitung. Alessandro Casari

    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Drei geistliche Lieder für Alt, Chor und Orgel, op. 96
    Júlia Hamari, Mezzosopran
    Kammerchor Stuttgart
    Christof Roos, Orgel
    Leitung: Frieder Bernius

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Ein Lob auf das Loben.
    Warum es so wichtig ist, einander Gutes zu sagen
    Pater Norbert Cuypers
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 85 Jahren: Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß fliegt nach Großbritannien

  • 09:10 Uhr

    Kammermusik

  • 09:30 Uhr

    Freiräume
    Zwischen Wandel und Widerstand
    Von Claudia Emmert

    Populistische Diskurse verändern die kulturelle Dynamik von Gesellschaften: Cancel Culture und öffentliche Anprangerungen sind die Folge. Wenn Persönliches politisch instrumentalisiert wird, verschwinden Freiräume einer demokratischen Gesellschaft. 
    In den Freiräumen von Kunst und Kultur wird die Gestaltung von Zukunft verhandelt. Daher sind Freiräume - und dazu zählen auch die Museen und ihre Programme - von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und die Stärkung der Demokratie. Sie sind unverzichtbar, wenn es darum geht ein harmonisches und funktionierendes Zusammenleben diverser Gesellschaften zu fördern.
    Inzwischen prägen aber Selbstzensur und Vermeidungsstrategien das Programm einzelner kultureller Institutionen. Der Schutz dieser Freiräume ist daher das Gebot der Stunde.
    Claudia Emmert ist Intendantin des Kunstmuseums Bonn. Davor war sie elf Jahre lang als geschäftsführende Direktorin des Zeppelin Museums Friedrichshafen tätig. Während ihrer Amtszeit wurde das Museum mehrfach ausgezeichnet, u.a. für innovative und nachhaltige Museumskonzepte. Claudia Emmert ist seit 2023 Mitglied im Vorstand von ICOM Deutschland und im Deutschen Kulturrat. Außerdem ist sie Mitglied der Ankaufskommission der Bundeskunstsammlung.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Erlöserkiche in Marbach am Neckar
    Predigt: Pastorin Ellen Widmer
    Evangelisch-methodistische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Ellen Germain, Beauftragte der US-Regierung für Holocaust-Fragen

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Urban Trails - Wandern durchs Ruhrgebiet

    Durch Buenos Aires zu den Erinnerungsorten der Militärdiktatur

    Leben auf einer Plantage zur Sklavenzeit in Louisiana

    In Berlin auf den Spuren von Albert Einstein

    Am Mikrofon: Laura Kingston

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Liedermacherin Anna Depenbusch im Gespräch mit Klaus Pilger

    Sie verlor im Februar 2025 bei einem Wohnungsbrand alles Materielle - ihr Leben konnte sie retten. Sie schaut nach vorn. Die Geschichtenerzählerin ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musikszene. Außer Musik liebt sie Physik und Mathematik.

  • 15:05 Uhr

    40 Jahre Rainbirds und mehr
    Die Musikerin Katharina Franck
    Von Anja Buchmann

    Der Überhit „Blueprint“ ihrer Band aus dem Jahr 1987 ist immer noch ein Monument - ebenso wie die Stimme von Katharina Franck.

    1986 gründet Katharina Franck ihre bekannteste Band, deren gleichnamiges Debüt-Album Anfang 1987 erschien. Das von Peter Weihe gespielte Gitarren-Riff des Überhits „Blueprint“ ist eine Ikone. Bis in die 1990er-Jahre hinein war Rainbirds Pop/Rock-Größe in Deutschland, doch Franck, 1963 in Düsseldorf geboren, war auch nach dem1993 erschienenen letzten Studio-Album dieser Band enorm aktiv: Sie hat Hörspiele, Theatermusiken mit F.M. Einheit realisiert, mit dem „Club der toten Dichter“ gearbeitet, ihre Alben mit „gesprochener Popmusik“ und ein Solo-Werk namens „On the verge of an autobiography“ veröffentlicht. Ihre Band Rainbirds bleibt aber in ihrem Katalog wichtig: 2014 hat Franck gemeinsam mit Cultured Pearls-Schlagzeuger Bela Brauckmann und Elektroniker Gunter Papperitz alte Songs unter dem Albumtitel „Yonder“ neu arrangiert. Und 2026 geht Franck unter dem Titel „40 years, one voice“ auf Jubiläumstour.

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Fernando Aramburu: „Fabula“
    Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
    (Rowohlt Verlag)
    Ein Beitrag von Tobias Lehmkuhl

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    KI im Supermarkt - Wie Künstliche Intelligenz das Einkaufsverhalten verändert
    Von Carina Schroeder und Friederike Walch-Nasseri

    Unser Wocheneinkauf liefert Supermärkten wertvolle Daten. Über Apps oder Kameras analysieren Lebensmittelhändler Einkaufspräferenzen, um Umsatz und Kundenzufriedenheit zu steigern. KI wird damit zum festen Bestandteil von Lebensmittel-Lieferketten. Friederike Walch-Nasseri und Carina Schroeder diskutieren darüber, wie der Supermarkt der Zukunft aussehen sollte.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Chemikalien - Wie PFAS das Trinkwasser belasten

  • 20:05 Uhr

    doku drops 11 + 12
    Zusammenstellung: Judith Geffert und Ingo Kottkamp
    Deutschlandfunk 2026
    (Wdh. am 10.05.2026, 20.05 Uhr, Deutschlandfunk)

    doku drops 11: Tief im Moor
    Moderation: Judith Geffert
    Sprecherin: Amal Keller
    Ton: Christoph Richter und die Autor*innen
    Länge: 27‘14

    Moore sind ein bedrohter Lebensort. In Geschichten sind sie oft geheimnisvolle Zwischenorte, halb Land, halb Wasser, halb tot, halb lebendig. Was hier versickert, wird zugleich transformiert. Neue Kurzdokus erkunden das reale und das erzählte Moor.

    Mit folgenden Kurzdokus:
    Moor House
    Von Ludwig Berger und Laura Harrington
    Ein Moor im Norden Englands speichert 8000 Jahre Erdgeschichte. Tiere, Gras, Torf, unterirdische Adern: behutsam lauschen wir mit hochauflösenden Mikrofonen in die Tiefen der Zeit.

    Moorbutterrezept
    Von Katie Revell
    Tief im Moor ruht die Butter, die dort vor hunderten von Jahren vergraben wurde. Über ihr verändert sich die Welt. Eine kulinarische Reise in die Geschichte des Moors.

    Für schlechte Tage
    Von Tia Morgen
    Sprecherin: Amal Keller
    Ein geliebter Mensch entscheidet sich, diese Welt zu verlassen. Zurück bleiben Gerüche, Chatverläufe, Trauer und magisches Denken - ein Leben in der Schwebe zwischen dem, was war und was es heute noch bedeutet.

    Anschließend:

    doku drops 12: (Un)Vergessen
    Zusammenstellung: Judith Geffert und Ingo Kottkamp
    Moderation: Ingo Kottkamp
    Ton: Ingo Kottkamp und die Autor*innen
    Deutschlandfunk 2026
    Länge: 27‘25

    Eine Hungersnot, die keine gewesen sein soll; eine Vatersprache, die verstummt ist. Zwei Kurzdokus auf rumänisch und tschechisch umkreisen verschüttete Erinnerungen. Auf Deutsch werden sie nicht nur übersetzt, sondern auch weitergedacht.

    Mit folgenden Kurzdokus:

    vers pervers remix
    Von Norbert Lang

    vers pervers
    Von BORȘ
    Entstanden für die Plattform semisilent.ro: Sound Art, Radiokunst, Field Recording

    Die Hungersnot in der Sowjetunion 1946/47 hat unvorstellbares Leiden verursacht. Dennoch wird sie oft negiert und verharmlost. Selbst bei Überlebenden vermischen sich eigene Erinnerungen mit Propaganda.
    Daraus entstand das Stück der moldawischen Autorin Madalina Ciocanu alias BORȘ. Norbert Lang, Radioautor mit rumänischen Wurzeln, macht einen übersetzenden Remix, der versucht, die verschüttete und pervertierte Erinnerung zurückzuholen.

    For Beirut, for Linda
    Von Martina Pouchlá
    Entstanden im Rahmen einer künstlerischen Residenz von THE ECCO im Jahr 2025.
    Deutschsprachige Fassung von Vivien Schütz

    Linda ist zweisprachig aufgewachsen. Mit ihrer Mutter spricht sie Tschechisch. An die Sprache ihres Vaters, Arabisch, kann sie sich kaum noch erinnern. Unvergessen von ihrer Kindheit bis heute ist dagegen die Melodie des Songs „Li Beirut“ der libanesischen Sängerin Fairuz.
    Vivien Schütz greift übersetzend in das Stück ein, fügt ihm eine neue erzählerische Ebene hinzu und stellt dabei die Frage nach der Übersetzbarkeit von Gefühlen.

    doku drops ist das monatliche Magazin für kurzes dokumentarisches Audio. Doku für dokumentarisch und drops für: süße Drops, saure Drops, Tropfen, die Wellen schlagen, Tränen der Freude, der Rührung oder der Wut, Mike drops, kleine Einheiten, die Teil eines größeren Ganzen sind. In der Nachfolge der Feature-Antenne stellen wir jeden Monat neue Kurzdokus vor: vielfältig, vielschichtig und mit viel Spaß produziert.

  • 21:05 Uhr

    Musikfest Bremen 2025

    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Sonate f-Moll, op. 65 Nr. 1

    Pierre Cochereau
    Scherzo symphonique
    aus: Symphonie pour grand orgue

    Thierry Escaich
    Trois poèmes

    Igor Strawinsky
    "L'Oiseau de Feu" (Der Feuervogel). Auszüge aus der Ballettmusik
    (für Orgel bearbeitet von Thierry Escaich)

    Louis Vierne
    Méditation
    aus: 24 Pièces en style libre op. 31

    Thierry Escaich
    Triptique improvisé

    Thierry Escaich, Orgel

    Aufnahme vom 4.9.2025 aus der Kirche St. Antonius, Papenburg

    Am Mikrofon: Simon Schomäcker

    Von der Seine an die Ems! Thierry Escaich (Jahrgang 1965) ist einer der Titularorganisten von Notre Dame in Paris. Diese besondere Aufgabe hält den Musiker jedoch keineswegs davon ab, regelmäßig auf Konzertreisen zu gehen. In der St. Antonius-Kirche im niedersächsischen Papenburg hat Escaich die große Walcker-Orgel auf seine Art zum Klingen gebracht. Der Künstler sieht sich selbst gleichermaßen als Organist, Komponist und Improvisator. Bei Konzerten wie in Papenburg erweckt er daher nicht nur das Werk von Orgel-Meistern aus seiner Heimat - wie Louis Vierne oder Pierre Cochereau - zu neuem Leben. Escaich schöpft aus diesem Repertoire auch Ideen für ausgedehnte Improvisationen, die anschließend zu vielschichtigen Eigenkompositionen werden können.

  • 23:05 Uhr