Simon Strauß liest exklusiv für den DLF: „Ein Mann von fast 40 Jahren“
Vor über 200 Jahren schrieb Johann Wolfgang von Goethe seine Novelle „Der Mann von funfzig Jahren“ - die später einging in seinen großen Bildungsroman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Der Schriftsteller und Theaterkritiker Simon Strauß, noch weit von seinem 50. Lebensjahr entfernt, denkt nun nach über die Wegmarke des 40. Geburtstages: „Wenn einer in sein vierzigstes Jahr geht, dann stellen sich erste ernste Frage: Hat man die richtigen Menschen getroffen? Über die wirklich wichtigen Dinge geredet? Das Schönste am Himmel gesehen? Wer jetzt kein Instrument spielt, spielt so schnell keines mehr. Wer jetzt kein Spanisch spricht, wird es nur noch schwer lernen. Mit vierzig beginnen sich manche Türen zu schließen. Aber die Fenster zum Rausschauen und Abseilen, die bleiben einem noch.“ Im Gestus der Neoromantik philosophiert Strauß über Hölderlins „Hälfte des Lebens“, über „die Last zweier Zeiten“ und die Erinnerung als Tigersprung.
Simon Strauß, geboren 1988, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er ist Mitgründer der Gruppe „Arbeit an Europa“. 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lebt in Frankfurt und Berlin und ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuletzt erschienen von ihm „Sieben Nächte“ (2017) und „Römische Tage“ (2019) und die teilnehmende Beobachtung „Zu zweit“ (2025).