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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 31.05.2026

  • 00:05 Uhr

    Chronist der Shoah
    Eine Lange Nacht über den Pionier der Holocaust-Forschung Raul Hilberg
    Von Andreas Beckmann
    Regie: Beate Ziegs
    (Wdh. v. 04./05.11.2023)

    Sein Buch „Die Vernichtung der europäischen Juden“ gilt heute als Standardwerk der Holocaust-Forschung. Als er es 1955 zum ersten Mal fertig gestellt hatte, fand Raul Hilberg (1926-2007) nirgendwo einen Verleger, weder in den USA noch in Israel, schon gar nicht in Deutschland. Doch die akribische Beschreibung sowohl der Vernichtung der Juden, als auch der deutschen Gesellschaft, die sie betrieb, blieb sein Lebenswerk. Ständig erweitere und präzisierte er sein Buch und schrieb es damit immer wieder neu. Als Teenager war Hilberg aus Wien vertrieben worden. Als US-Soldat kehrte er nach Europa zurück, um alle nur irgendwie auffindbaren Spuren von NS-Verbrechen zu sichern. Er überwarf sich mit Hannah Arendt im Disput über die Banalität der Täter und mit der Gedenkstätte Yad Vashem wegen der Einschätzung des jüdischen Widerstands. Erst in den 1980er-Jahren wurde seine Arbeit als bahnbrechend anerkannt, gerade auch von jungen Historikern in Deutschland. Heute droht sein Werk schon wieder in Vergessenheit zu geraten.
    Die „Lange Nacht" zu Raul Hilberg schildert sein Ringen mit der historischen Sichtung der Shoah, seinem manchmal verzweifelten Kampf um Gehör, seinem kurzen Ruhm und rekonstruiert ein dramatisches Kapitel Wissenschafts-Geschichte. Zu Raul Hilbergs 100. Geburtstag am 02. Juni wiederholen wir die „Lange Nacht" von Andreas Beckmann aus dem Jahr 2023.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Zamus: early music festival 2025

    Giovanni Antonio Pandolfi Mealli
    Sonate für Violine, Blockflöte und Basso continuo, op. 3 Nr. 2 (Auszug)

    Andrea Falconieri
    Folia echa para mi Senora dona Tarolilla de Carallenos für Violine, Blockflöte und Basso continuo (ORIG, ATI)

    Juan del Encina
    Ay triste que vengo für Violine, Blockflöte und Basso Continuo

    Luigi Boccherini
    Largo aus Cello Sonata G-Dur für 2 Violoncelli bearbeitet für Violine, Blockflöte und Basso continuo, G. 5

    Elisa la Marca, Barockgitarre, Laute
    Martí Corbera, Choreographie
    Marsyas Baroque, Ensemble

    Konzertmitschnitt vom 21.05.2025, Köln, Alte Feuerwache

    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Vienna Mandolin Stories"

    Joseph Haydn
    Haydn's Mandolin concerto. Für Mandoline und Orchester C-Dur

    Alon Sariel, Mandoline
    Kölner Akademie
    Leitung: Michael Alexander Willens

  • 06:05 Uhr

    Wirtschaft in Ostdeutschland: Relevant für das ganze Land
    Von Anja Maier

  • 06:10 Uhr

    Hildegard von Bingen
    „Laus trinitati“. Antiphon
    Gundula Anders, Singstimme
    Sequentia

    Chiara Margarita Cozzolani
    „Duo seraphim“. Geistliches Konzert
    I Gemelli
    Leitung: Emiliano Gonzalez Toro

    Antonio Vivaldi
    Credo, RV 591
    Les Arts Florissants
    Leitung: Paul Agnew

    Anonymus
    „Benedicta semper sancta“. Motette
    Cappella Mariana
    Leitung: Vojtech Semerád

    Johann Sebastian Bach
    „Es ist ein trotzig und verzagt Ding“. Kantate am Trinitatisfest, BWV 176
    Yeree Suh, Sopran
    Leandro Marziotte, Countertenor
    Matthias Winckhler, Bass
    Chorus Musicus Köln
    Das Neue Orchester
    Leitung: Christoph Spering

    Carl Philipp Emanuel Bach
    "Heilig", Wq 217. Ariette und Chor
    Wiebke Lehmkuhl, Alt
    RIAS Kammerchor
    Akademie für Alte Musik Berlin
    Leitung: Hans-Christoph Rademann

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Diva und Ikone - Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Michaela Krützen

    Marilyns Nachlass - Hollywood im Auktionsfieber

    Die Bundeswehr als Marke - Zum neuen Bild des Militärs ein Interview mit dem Publizisten Ole Nymoen

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Kirche und Sklaverei - Was die neue Enzyklika aufarbeitet. Ein Interview mit dem Historiker Volker Reinhardt

    Denk ich an Deutschland: der Schriftsteller Pavel Kohout

    Am Mikrofon: Änne Seidel

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Stabil durch instabile Zeiten
    Resilienz und Glaube
    Von Pfarrerin Claudia und Pfarrer Thomas Thiel
    Evangelische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 100 Jahren: Der Dichter James Krüss geboren

  • 09:10 Uhr

    Vokalmusik

  • 09:30 Uhr

    Demokratie unter Druck
    Deutsche Ikonographie: Das flammende Bild an der Wand. Korrektur historischer Fehlinterpretationen: Bürger statt Volk, Gewählte statt Auserwählte und Streit statt Krieg.
    Was spricht das Flattern der Fahne im Wind? Kein Faschist ist nur, wer weiß, dass er durchaus einer hätte sein können. Extremismus als Autoimmunreaktion der Demokratie.
    Von Bazon Brock

    Politische Extreme wie rechter oder linker Populismus scheinen gegen die Demokratie gerichtet zu sein. Es gilt sie als Teil der Demokratie zu verstehen. Einer Demokratie, die im Kern aus Streit und Auseinandersetzung der Bürger besteht.
    Heutzutage erleben wir, dass Demokratie keine harmonische Ordnung ist, kein bloßes Aushandeln von faden Kompromissen oder bemühten Konsensen. Sie ist im besten Fall ein rechtlich gebändigter Streit mündiger Bürger, deren Freiheit nur durch Konkurrenz, Grenzen und „Checks and Balances“ erhalten bleibt.
    Extremismus ist dann nicht ein fremdes Gegenprinzip, sondern wird erkennbar als Radikalisierung demokratischer, bürgerlicher oder kultureller Impulse. Nur wenn Machthaber allen Streit ausschalten wollen, werden Extreme zur Bedrohung der Demokratie, aber auch ihrer eigenen Macht. Macht zerstört sich selbst, sobald sie ihren Gegenpol ausschaltet.
    Kunst und Avantgarde übernehmen im demokratischen Gemeinwesen eine besondere Rolle: Sie zeigen Konfliktlinien und Brüche, aber auch, dass Schönes und Hässliches, Gelingen und Scheitern, Tradition und radikal Neues zusammengehören.
    Bazon Brock, geboren 1936 in Stolp/Pommern, ist Kunsttheoretiker, Kulturvermittler und emeritierter Professor für Ästhetik. Er prägte das „Action Teaching“ und seit der documenta 4 von 1968 das Format „Besucherschule“. Als Vertreter der Fluxus-Bewegung verbindet er in unzähligen Büchern, Aktionen und Performances Kunst, Philosophie, Politik zu einer Kritik der Gegenwart.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Freyung
    Zelebrant: Dekan Magnus König
    Katholische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Franziska Brantner, Ko-Vorsitzende Bündnis 90/Die Grünen

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Inseln

    Brownstones in New York City

    Islote in Kolumbien - Eine der am dichtesten besiedelten Inseln der Welt

    2026: Ein Doppeljubiläum für Helgoland

    El Hierro - Grüne Insel mit Seele

    Das Berlin der Mascha Kaléko - Das Romanische Café (2/6)

    Am Mikrofon: Laura Kingston

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Journalistin Gilda Sahebi im Gespräch mit Julius Stucke

    Sie ist Iran-Expertin, Ärztin und Demokratiediagnostikerin: Gilda Sahebi bezieht öffentlich Position, vor allem dann, wenn Menschenrechte missachtet werden. Sie sucht nach dem, was uns verbindet.

  • 15:05 Uhr

    Eklektizistischer Funkenflug seit sechs Jahrzehnten
    Das US-amerikanische Brüderduo Sparks
    Von Fabian Elsäßer
    (Wdh. v. 25.5.2025)

    Die Karriere von Sparks ist ein ziemliches Auf und Ab. Und wenn dem Brüderduo Ron und Russell Mael aus Pacific Palisades im US-Bundesstaat Kalifornien mal wieder ein Hit gelang, war nie klar, in welcher Gegend der Welt das diesmal sein würde: Mal erwischten sie den Geschmack des deutschen Publikums, mal den des britischen, dann wieder in Frankreich. In ihrer Heimat USA hingegen blieben sie stets ein Fall für ein Nischenpublikum, das das Skurrile schätzt. Das Sparks-Debüt erschien 1971, der Durchbruch gelang kurze Zeit später mit einer überdrehten, durchaus vertrackten Mischung aus Glam- und Artrock. In den 80er-Jahren wandten sich die Brüder dem Disco- und Electropop zu, später sogar Eurodance, bis um die Jahrtausendwende die Gitarren wieder hörbarer wurden. Sparks ist eines der wandlungsfähigsten Duos der Popgeschichte, bis heute.

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Miriam Carbe: „Unerwünschte Töchter“
    (Carl Hanser Verlag)
    Ein Beitrag von Undine Fuchs

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    KI als Wissenschaftler - Brauchen wir künftig noch Menschen in der Forschung?
    Von Friederike Walch und Maximilian Brose

    KI-Systeme verbessern die Forschung nicht nur - sie können sie ein Stück weit selbst übernehmen. Die Agenten-Modelle werden immer besser. Und das könnte für die Wissenschaft und für Forschende drastische Folgen haben. Friederike Walch und Maximilian Brose haben sich solche Agenten-Systeme angeschaut und diskutieren, was das für die Forschung bedeutet und warum es trotzdem noch menschliche Forschende braucht.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    250 Jahre USA: Die Historikerin Jessica Gienow-Hecht über "Nationbranding",
    die Geschichte der Marke und Softpower USA, im Gespräch mit Monika Dittrich

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    "Fearful Symmetries" - Choreographien von George Balanchine und Christian Spuck am Staatsballett Berlin

    "Unsere Klasse" - Stas Zhyrkov zeichnet das Porträt einer polnischen Schulklasse durch die Wirren des 20. Jahrhunderts, mit Schauspielstudierenden am Nationaltheater Mannheim

    Freundschaft in Zeiten des Streits
    Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Halberstadt

    KI mit Moral? - Philosophische Einordnung von Leos Enzyklika
    Ein Gespräch mit dem Philosophen Julian Nida-Rümelin

    Am Mikrofon: Jörg Biesler

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Bildung: Warum die Ungleichheit in Südafrika so groß ist

  • 20:05 Uhr

    Angst haben fast alle
    Gewalt im Leben von Obdachlosen
    Von Johanna Tirnthal und Timo Stukenberg
    Regie: Johanna Tirnthal
    Mit: Inka Löwendorf, Mareike Hein und Laszlo Kish
    Technische Realisation: Eric Michels
    Redaktion: Thomas Nachtigall, Wolfgang Schiller
    WDR/Deutschlandfunk 2023

    Brandattacken, Streit im Milieu, Angriffe durch Rechtsextreme - das Leben wohnungsloser Menschen ist von Gewalt geprägt. Sie werden von Securities vertrieben und von Unbekannten beleidigt. Warum werden sie zur Zielscheibe?

    Das Feature begleitet eine Gruppe wohnungsloser Menschen an einem Berliner Bahnhof. Helle, Tommy, Melli, Umut und viele andere treffen sich hier täglich, holen ihre Substitutionsmedikamente ab und teilen Geschichten aus ihrem Leben. Viele haben schon in der Kindheit Gewalt erlebt, später auf der Straße sind alle betroffen: Sie werden beschimpft, mit Steinen beworfen, manchmal verprügelt oder sogar angezündet.
    Mindestens jeder zweite Angriff wird von Menschen verübt, die selbst eine Wohnung haben. Über die Motive ist wenig bekannt. Klar ist nur: Es wird nicht von ganz oben nach ganz unten getreten. Menschen mit Abstiegsängsten grenzen sich gegen „die Penner“ ab. Manchmal auch mit Gewalt.

    Johanna Tirnthal ist Radioautorin und Redakteurin. Sie gestaltet lange Radiofeatures über Philosophie, Literatur und soziale Bewegungen. 2020 hat sie das [audiokombinat] mitbegründet, ein junges Kollektiv, das Podcasts, Audiowalks und Radioworkshops anbietet

    Timo Stukenberg, geboren 1990, arbeitet als freier Reporter für Radio und Online-Medien. Er berichtet unter anderem über Justizvollzug, extreme Rechte und Drogen.

  • 21:05 Uhr

    zamus:early music festival 2026

    Werke von Giovanni Legrenzi, Johann Rosenmüller und Philipp Friedrich Buchner
    Ensemble Primary Colours

    Benedetto Marcello
    „Cassandra"-Kantate für Alt und Basso continuo
    Sonate B-Dur für 2 Violoncelli und Basso continuo
    Sonate c-Moll für 2 Violoncelli und Basso continuo
    Ciaconna

    Ensemble tiefsaits
    Yongbeom Kwon, Alt
    Daniel Trumbull, Cembalo, Orgel

    Aufnahme vom 27.5.2026 aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln

    Am Mikrofon: Thilo Braun

    Ein Konzert, das warnende Rufe der Klimabewegung mit denen der trojanischen Seherin Kassandra verbindet.

    Kassandras Rufe sind drastisch: Sie warnt vor blutigen Körpern, zertrümmerten Mauern und weinenden Frauen - und kann den Untergang Trojas doch nicht abwenden. Barockkomponist Benedetto Marcello hat ihre Visionen in seiner Kantate „Cassandra" effektvoll vertont. Sein Werk bildet das Zentrum eines von zwei Konzerten, die beim zamus:early music festival im Deutschlandfunk Kamermusiksaal gespielt werden. Das ensemble tiefsaits verknüpft darin die Kassandrarufe mit Zitaten aus Reden in den vergangenen 50 Jahren Klimabewegung: Droht auch uns der Untergang? Das andere Konzert kreist um die Sonatensammlung „Plectrum Musicum“ von Philipp Friedrich Buchner. Als er sie 1662 komponierte, war der größte Terror seiner Zeit schon Geschichte: Bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg in Europa und verwüstete mehrfach auch Buchners Geburtsstadt Wertheim. Seine Sonaten mischen italienische Dramatik mit deutscher Satzkunst - und bilden somit ein Paradebeispiel friedlicher Symbiose in der Kunst.

  • 23:05 Uhr