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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 21.06.2026

  • 00:05 Uhr

    Literatur schlägt Leben
    Eine Lange Nacht über Ingeborg Bachmann
    Von Helmut Böttiger
    Regie: Vera Teichmann

    Ingeborg Bachmann, die vor hundert Jahren am 25 Juni 1926 geboren wurde, gilt als eine der größten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, und sie eignete sich schon sehr früh als Projektionsfläche. Die Porträts von ihr widersprechen sich oft. Für viele ist sie, etwa durch ihren Roman „Malina“ von 1971, eine feministische Ikone, andere wiederum sehen in ihr eher eine haltlose, drogenabhängige Frau. Je nach dem jeweiligen Zeitgeist wechseln die Zuschreibungen, zwischen Heiligenlegende und Boulevardmelodram. Vor allem ihr früher Tod 1973 im Alter von 47 Jahren scheint das zu befeuern: Sie war nach der Einnahme von Tabletten im Bett mit einer brennenden Zigarette in der Hand eingeschlafen. Die Lange Nacht zeigt Ingeborg Bachmann vor allem als eine Frau, die zu früh kam. Ihre Gedichte waren in den fünfziger Jahren aufsehenerregend, und sie versuchte, als freie Schriftstellerin ein emanzipiertes Leben zu führen - in einer Zeit, als das noch nicht vorgesehen war. Das ist das Zentralmotiv ihrer Biografie und erklärt auch ihre spätere Lebenskatastrophe. Der Vergleich mit Gottfried Benn wirkt dabei sehr erhellend: Benns viele Altersaffären verstärken heute eher seine Aura, bei Bachmann hingegen wird wieder von „Sich Jedem an den Hals werfen“ gesprochen, von „Selbstzerstörung“. Die Literatur diente Ingeborg Bachmann bereits früh zur Selbstdefinition. Sie inszenierte ihr Leben als Spiel, als Theater - aber im Lauf der Zeit wurde das zu einer Überforderung. Für eine Radionacht ist ihr Verhältnis zur Musik besonders ergiebig. Einmal schrieb sie über Maria Callas - und insgeheim über sich selbst: Die Callas habe „auf der Rasierklinge gelebt“, sie sei „das letzte Märchen“ gewesen, „die letzte Wirklichkeit“. Und sie fasst zusammen: „Die Callas - ja, wann hat sie gelebt, wann wird sie sterben? - ist groß, ist ein Mensch, ist unvertraut in einer Welt der Mediokrität und der Perfektion.“ (Wdh.v.17./18.06.2023)

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Musikfest Bremen 2024

    Camille Saint-Saëns
    Le carnaval des animaux. Grande Fantaisie zoologique (Auszug)

    Olivier Latry
    Improvisation für Orgel

    Olivier Latry, Orgel

    Konzertmitschnitt vom 01.09.2024, Papenburg, St. Antonius Kirche

    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Death"

    Eres Holz
    Mach. Für Posaune und Live-Elektronik

    Florian Juncker, Posaune
    Eres Holz, Elektronik

  • 06:05 Uhr

    Texte von der KI: Politik und Journalismus müssen glaubwürdig sein
    Von Peter Müller

  • 06:10 Uhr

    Girolamo Frescobaldi
    Kyrie - Christe - Kyrie, aus: Fiori musicali, op. 12
    Francesco Cera an der Guglielmi-Orgel der Chiesa di Santa Maria in Vallicella in Rom
    Ensemble Arte Musica
    Leitung: Andrés Montilla-Acurero

    Johann Sebastian Bach
    „Ach Herr, mich armen Sünder“. Kantate zum 3. Sonntag nach Trinitatis, BWV 135
    Alex Potter, Countertenor
    Thomas Hobbs, Tenor
    Gli Angeli Genève
    Leitung: Stephan MacLeod, Bass

    Johann Schelle
    „Barmherzig und gnädig ist der Herr“. Geistliches Konzert
    Voces Suaves
    Akademie für Alte Musik Berlin

    Jean-Philippe Rameau
    „Quam dilecta tabernacula tua“. Grand Motet
    Véronique Gens, Sopran
    Isabelle Desrochers, Sopran
    Jean-Paul Fouchécourt, Tenor
    Hervé Lamy, Tenor
    Peter Harvey, Bariton
    Marcos Loureiro de Sa, Bariton
    Stephan Imbodem, Bass
    Le Concert Spirituel
    Leitung: Hervé Niquet

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Dataland in Los Angeles - Erstes “Museum für KI-Kunst”

    Dichtende Diva? - Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann
    Ein Interview mit der Biografin Andrea Stoll

    Bayreuther Festspiele - Vergangenheit und Verantwortung.
    Ein Interview mit dem Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    KI und Sprache - Wer wohnt im "Haus des Seins"?
    Ein Interview mit dem Medienphilosoph und Literaturwissenschaftler Roberto Simanowski

    Denk ich an Deutschland: der Autor und Filmemacher Alfred Roesler-Kleint

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Mystik aus dem Radio.
    Ingeborg Bachmann zum 100. Geburtstag
    Von Tom Sojer
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 175 Jahren: In London wird die "unsterbliche Schachpartie" ausgetragen

  • 09:10 Uhr

    Sinfonische Musik

  • 09:30 Uhr

    Kritik der einfachen Vernunft 
    Nuancen - Die Welt des Dazwischen 
    Von Thomas Palzer 

    In einer Zeit, die geprägt ist vom „entweder oder“, von Polarisierungen und populistischen Vereinfachungen, gehen die Zwischentöne verloren. Und damit die Nuancen, die uns genau davor bewahren können. Es gilt, sie wiederzugewinnen. 
    Nuancen sind jene kaum wahrnehmbaren Verschiebungen, die binäre Ordnungen unterlaufen. Die Weigerung, sich für eine Seite zu entscheiden, wird zum Widerstand gegen allzu einfach gedachte Verhältnisse. Und sie zu erkennen, schärft den Blick für das Dazwischen, für das, was leicht übersehen wird. Nuancen machen den Unterschied. Sie unterscheiden und differenzieren. Sie stufen ab: die Höhe, die Farbe, die Dichte, die Bedeutung, die Form, das Kontinuum. Und werden zu einer Schule des Denkens. 
    Nuancen bestehen im Widerstand gegen das Absolute. Zwischen wahr und falsch, Gut und Böse, Sein und Schein, Existenz und Essenz, Mann und Frau öffnet sich ein Raum, in dem Urteile unsicher werden und das Erkennen der Wirklichkeit beginnt.
    Thomas Palzer, geboren 1956, studierte Philosophie und Germanistik in München und Wien. Er ist Autor, Essayist, Journalist, Schriftsteller, Filmemacher und Hörfunksprecher. 2018 erschien der Essay „Vergleichende Anatomie“ (Matthes & Seitz) und 2019 der Roman „Die Zeit, die bleibt“ (Tropen).

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Kreuzkirche Störmthal bei Leipzig
    Predigt: Pfarrerin Christiane Dohrn
    Evangelische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Serhi Zhadan, ukrainischer Schriftsteller (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022)

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Midsommar in Skansen, Stockholm

    Norwegen: Auf eine Wanderung in der Mitternachtssonne

    Unterwegs rund um Vaasa - Finnland und seine Landschaft

    Warum man die süd-jütländische Kaffeetafel lieben und fürchten kann

    Das Berlin der Mascha Kaléko - Die goldenen Jahre (4/6)

    Am Mikrofon: Laura Kingston

  • 13:05 Uhr
    13:20 Uhr   WM Magazin

    FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™

  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Schriftstellerin Mirijam Günter im Gespräch mit Tanja Runow

    Als Findelkind ist Günter in Kinder- und Jugendheimen aufgewachsen. Auf diverse abgebrochene Berufsausbildungen folgte schließlich ihr Durchbruch als Schrifstellerin. Sie ist auch publizistisch tätig und gibt Literaturworkshops, u.a. im Gefängnis.

  • 15:05 Uhr

    Bittersüßer London-Soul
    Andy Platts und seine Band Mamas Gun
    Von Fabian Elsäßer

    „Mama‘s Gun“ heißt das zweite Album der US-Sängerin Eryka Baduh, und es gilt als eines der stilprägenden Alben des RnB und Neo-Soul. So stilprägend, dass der Londoner Sänger Andy Platts Mitte der 2000er-Jahre seine Band danach benannt hat, nur anders geschrieben. Andy Platts hat Gold in der Kehle, erreicht mühelos schwindelnde Höhen, und Authentizität ist ihm sehr wichtig: Wenn er zum Beispiel Overdubs aufnimmt, positioniert er sich für jede einzelne Spur an verschiedenen Stellen im Studio - denn die Jacksons hätten es schließlich genauso gemacht. Sieben Alben hat Mamas Gun inzwischen herausgebracht, mit nostalgischem, groovelastigem Soul-Funk, manchmal auch nah an Schmalzgrenze. Aber nicht dahinter!

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Elfriede Jelinek: „Unter Tieren“
    (Rowohlt Verlag)
    Ein Beitrag von Michael Eggers

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    Exportverbot für KI - Anthropic sperrt Zugang zu Top-Modell "Fable"
    Von Moritz Metz und Ralf Krauter

    Für Millionen KI-Nutzer war es ein Schock: Wenige Tage nach der Veröffentlichung sperrte die US-Firma Anthropic weltweit den Zugang zu ihrem leistungsfähigsten KI-Modell. Fachleute sind alarmiert - auch weil die Anordnung direkt aus dem Weißen Haus kam. Ralf Krauter und Moritz Metz diskutieren über Hintergründe und Folgen dieses Erdbebens für die KI-Branche und blicken außerdem auf den Rekordbörsengang von SpaceX und ein spannendes Gerichtsurteil zu den KI-Zusammenfassungen von Google.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    Neue Sicht auf die "Operation Barbarossa": Zum Einmarsch Deutschlands in die Sowjetunion vor 85 Jahren. Jochen Hellbeck, Historiker an der Rutger University in den USA und Autor des Buches "Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion", im Gespräch mit Anja Reinhardt.

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    Jens Spahn meets Peter Thiel - Wie Elitennetzwerke die Demokratie beschädigen
    Ein Gespräch mit der Technikethikerin Anna Puzio

    International und politisch - Das Festival "Theater der Welt" in Chemnitz

    Zar und Zimmermann - Martin G. Berger inszeniert an der Deutschen Oper in Berlin

    "Bruegel - Printed" - Außergewöhnliche Druckgrafiken im Frankfurter Städel

    "Wunderland" - Star-Choreograf Ratmansky feiert Uraufführung in Hamburg

    Am Mikrofon: Jörg Biesler

  • 18:10 Uhr
    18:35 Uhr   WM aktuell

    FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™

  • 18:40 Uhr

    Lieferando & Co. - Fahrer klagen über prekäre Arbeitsverhältnisse

  • 20:05 Uhr

    Utopia und Lost Places
    Probewohnen im Osten Deutschlands
    Von Alexa Hennings
    Regie: Giuseppe Maio
    Deutschlandfunk 2026

    Zu DDR-Zeiten gehörten sie zu den sozialistischen Vorzeigestädten: Eisenhüttenstadt und Guben. Doch seit der Wende sind die Hälfte der Einwohner weggezogen. Mit Probewohn-Programmen wollen die Städte das Schrumpfen aufhalten.

    2.000 Menschen aus aller Welt haben sich beworben, sie möchten in Eisenhüttenstadt Probewohnen. Von der Stadt im äußersten Osten Deutschlands hatten viele noch nie etwas gehört - bis ein CNN-Bericht viral ging. Die schrumpfende Stadt braucht dringend neue Einwohner. Die Hälfte von ihnen ist weg, ebenso in der benachbarten Stadt Guben, die ebenfalls Menschen zum Probewohnen einlädt. Und nun sind sie da, aus dem Westen der Republik und aus Berlin, das aus allen Nähten platzt: die Erzieherin, die Verwaltungsangestellte, der Frühpensionär, die Lehrerfamilie. Was suchen und was finden sie hier, an der polnischen Grenze? Was braucht es, um vom Probewohner zum Einwohner zu werden? Oder ist das Ganze doch nur ein Marketing-Ballon, aus dem bald die Luft entweicht?

    Alexa Hennings, 1961 in Dresden geboren, studierte Journalismus in Leipzig und an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Sie arbeitete als Redakteurin und Journalistin und ist seit 1992 freie Autorin für den Hörfunk.

  • 21:05 Uhr

    Musikfest Bremen 2025

    Wolfgang Amadeus Mozart
    Die Schuldigkeit des ersten Gebots, Geistliches Singspiel KV 35

    Lila Dufy, Sopran
    Mathilde Ortscheidt, Mezzosopran
    Jordan Mouïssia, Tenor
    Mathias Vidal, Tenor
    Il Caravaggio
    Leitung: Camille Delaforge

    Aufnahme vom 19.8.2025 aus der Unser Lieben Frauen Kirche, Bremen

    Am Mikrofon: Rainer Baumgärtner

    „Das ist eindeutig der Beginn der Oper bei Mozart! Es ist zwar ein geistliches Werk, aber da ist alles schon vorhanden, was man später dann zum Beispiel in der ‚Zauberflöte‘ findet“, so die Dirigentin Camille Delaforge. Beim Musikfest Bremen war sie zu Gast mit ihrem Originalklangorchester Il Caravaggio, um das selten zu hörende früheste Bühnenwerk von Wolfgang Amadeus Mozart aufzuführen. Er komponierte das geistliche Singspiel „Die Schuldigkeit des ersten Gebots“ als elfjähriges Wunderkind für den Hof des Salzburger Fürsterzbischofs. In der ursprünglich halbszenisch aufgeführten Parabel zur Fastenzeit geht es um die Entscheidung des Menschen zwischen den Freuden des Lebens und einem gottgefälligen Dasein. Vier allegorische Figuren kämpfen um die Seele des wankelmütigen Christen.

  • 23:05 Uhr
  • 23:30 Uhr

    FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™