Ländliche Küche in Zentralfrankreich
Von Harry Mathews
Regie: Jean-Claude Kuner
Mit: Ulrich Matthes
Komposition: Gerd Bessler
Ton und Technik: Peter Kainz
Deutschlandfunk/HR 2008
Länge: 49‘30
Es brutzelt und zischt in der Studioküche. „Gefüllter Lammschulterrollbraten, ohne Knochen (farce double)“ steht auf der Menü-Karte des Küchenchefs. Die Vor- und Zubereitung des Festmahls zieht sich jedoch verdächtig in die Länge.
„La Tour Lambert“ in der Auvergne. Unser Koch präsentiert ein traditionelles Rezept: gefüllter Lammschulterrollbraten ohne Knochen. Detailversessen beschreibt der Küchenchef, wie das Rezept umzusetzen ist. Ihm ist es pedantisch ernst mit seiner Kunst. Er schnippelt und putzt, Töpfe und Kasserollen klappern, der Herd glüht.
Immer wieder entführt uns der Koch zu den Orten Zentralfrankreichs mit ihren sehr eigenen Traditionen, wo in Kellern die Zutaten für das Rezept lagern. Aber je länger die Zubereitung dauert, desto mehr wächst beim Zuhörer die Skepsis. Harry Mathews, der Meister der Irreführung, hat uns längst in seine postmoderne Welt der Literatur verstrickt, in der Sprache und Wirklichkeit kritisch miteinander verzahnt sind.
Harry Mathews (1930-2017) verfasste Gedichte, Romane, Kurzgeschichten und Essays und übersetzte aus dem Französischen. Der US-Amerikaner lebte ab 1952 in Paris, wo er mit Italo Calvino, Oskar Pastior und Raymond Queneau zur legendären Gruppe „Oulipo“ um Georges Perec gehörte.