Vor dem Verschwinden.Zu keiner Stunde
Von Ilse Aichinger
Regie: Christine Nagel
Mit: Hildegard Schmahl, Irm Hermann, Otto Sander, Liv-Juliane Barine, Tilmar Kuhn, Anja Bilabel
Komposition: Gerd Bessler
Ton und Technik: Andreas Narr, Ingeborg Kiepert, Jutta Stein
Deutschlandfunk 2001
Länge: 43‘24
Die kurzen Szenen von Ilse Aichinger finden statt im „Dazwischen“: Hier gilt es, sich zu entscheiden - für den Tod oder das Leben, für das Ewige oder die Veränderung, für ein Leben im Heute oder in der Vergangenheit.
Das Aufbegehren gegen das scheinbar Feststehende bildet den Kern von Ilse Aichingers Dichtung. So sind die Szenen und Dialoge, die in den Jahren 1952 bis 1956 entstanden sind, Konzentrate ihres Weltbildes: Sie nehmen die Erfahrung des Todes zum Anlass, das Leben für sich und andere neu zu entdecken. Ausgangspunkte sind Orte und Zeiten des „Dazwischen“ - „an der Schwelle“ vor einer Botschaft, an einer Pforte, zwischen zwei Prüfungen, in Erwartung, kurz vor dem Tod - , buchstäblich „zu keiner Stunde“.
„Hier, in dem milden Licht, nicht weit von den Pflanzenhäusern, wohnte die Alte, die Anfang und Ende voraussah. ... Die Störche flogen schon weg, und der Wetterhahn bog sich. Es war kurz vor dem Winter.“
llse Aichinger (1921- 2016) gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Nachkriegsautor:innen. Sie war Mitglied der Gruppe 47. 1948 veröffentlichte sie ihren Roman über die Kriegszeit in Wien, „Die größere Hoffnung“, und ihre ersten berühmten Geschichten. Es folgten Gedichte, Hörspiele und Prosastücke.