Stephan Lohse liest aus seinem Roman „Johanns Bruder“ (2/2)
Stephan Lohse nimmt uns in seinem neuen Roman „Johanns Bruder” mit auf eine Reise in eine Familiengeschichte voller Gewalt und in das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit. Eindringlich erzählt er von einem ungleichen Brüderpaar und zugleich vom Holocaust in Europa - von einer überraschend wiederaufgetauchten Liebe sowie einer ungeheuren Wut, die einen verstummen lassen, aber auch zum Handeln zwingen kann. Paul wird in einem Dorf nördlich von Celle von der Polizei aufgegriffen. Er hat 17 Hühnern den Kopf abgeschlagen. Weil er zu dem Vorfall beharrlich schweigt, wird er in eine psychiatrische Klinik gebracht. Von dort soll ihn sein jüngerer Bruder Johann abholen - die beiden haben sich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen. Als Paul seinen Bruder schließlich bittet, ihn auf eine Reise zu begleiten, willigt Johann ein. Ihre erste Station ist jenes Dorf bei Celle: Altensalzkoth. Dort versteckte sich zwischen 1946 und 1950 Adolf Eichmann, dessen Weg Paul minutiös verfolgt und aufgezeichnet hat. Johann erkennt bald, was es mit den Hühnern auf sich hat und warum Paul und er in Richtung niederländische Nordseeküste weiterreisen, immer entlang des 52. Breitengrades.
Stephan Lohse, geboren 1964 in Hamburg, studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar in Wien und war unter anderem am Thalia Theater Hamburg, an der Schaubühne in Berlin und am Schauspielhaus in Wien engagiert. Sein Roman „Ein fauler Gott” von 2017 stand auf der SWR-Bestenliste und war für den Aspekte-Literaturpreis nominiert. Stephan Lohse lebt in Berlin und liest einen zweiten und letzten Teil aus seinem neuen Roman vor.