50 Jahre Theorie der Gerechtigkeit (2/3)
Die verlorene Gerechtigkeit
Von Gemma Pörzgen
Ideal und ignorant
Von Christine Bratu
(Teil 3 am 19.9.2021)
Vor 50 Jahren erschien „A Theory of Justice“ des Harvard-Philosophen John Rawls. Stößt die lange Jahre gültige Gerechtigkeitstheorie heute an ihre Grenzen? Wie könnte oder müsste man Rawls' Theorie für die Gesellschaft von heute aktualisieren?
Die verlorene Gerechtigkeit
Für manche ist es nur eine Worthülse, für andere das wichtigste politische Ziel. Über Gerechtigkeit wird viel und gerne debattiert, aber jeder versteht darunter etwas anderes. Damit sind immer wieder auch aktuelle Fragestellungen der Gesellschaft berührt, Stichwort soziale Gerechtigkeit, Gendergerechtigkeit und so weiter. Der Versuch einer Annäherung.
Ideal und ignorant
In seiner „Theorie der Gerechtigkeit“ skizziert der Philosoph John Rawls einen Staat, dessen Ziel es ist, jedes Individuum angemessen zu respektieren. Dennoch erfährt diese politische Utopie quasi seit ihrer Veröffentlichung Kritik von feministischer Seite. Über die blinden Flecke einer Theorie, die es vielleicht zu gut mit uns meinte.
Christine Bratu, geboren 1981, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin und akademische Rätin an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft der LMU München tätig. Seit April 2020 ist sie Professorin für Philosophie mit Schwerpunkt Genderforschung an der Georg-August-Universität Göttingen. Im „Handbuch Gerechtigkeit“ veröffentlichte sie 2016 ihren Beitrag über das Differenzprinzip, Teil von Rawls‘ Gerechtigkeitstheorie.
Gemma Pörzgen, geboren 1962. Sie wuchs in Moskau auf, studierte in München Politikwissenschaften, Slawistik und Osteuropäische Geschichte, war Volontärin bei der Frankfurter Rundschau, Nachrichtenredakteurin, Auslandskorrespondentin und arbeitet heute als freie Journalistin mit Osteuropa-Schwerpunkt in Berlin.