Boxer, Aktivist, Idol
Eine Lange Nacht über Muhammad Ali
Von Tom Noga
Regie: der Autor
Fragt man Experten nach den besten Boxern aller Zeiten, fällt unweigerlich sein Name: Muhammad Ali. In seiner besten Zeit, Mitte der 1960er-Jahre, beherrschte er das Schwergewichtsboxen nach Belieben. Mit einem neuen, spektakulären Stil, der den Geist des Aufbruchs jener Jahre atmete: Statt auf seine Gegner einzudreschen, tänzelte er um sie herum, die Fäuste tief hängend statt zur Deckung vor dem Gesicht, wich ihren Schlägen aufragend lässig aus, um sie dann mit flinken Angriffskombinationen niederzustrecken. Dreimal errang Muhammad Ali den Weltmeistertitel und widerlegte damit als zweiter Boxer überhaupt ein ehernes Gesetz: They never come back - wer den Titel einmal verloren hat, holt ihn sich nie mehr zurück. Er kam zurück. Das ist ein Teil der Legende. Ein weiterer: Muhammad Ali war ein Aktivist. Aufgewachsen als Afroamerikaner zu Zeiten der Rassentrennung in den Südstaaten der USA, konvertierte er schon in jungen Jahren zum Islam. Ein Akt der Selbstermächtigung und Selbstbefreiung - mit dem er nicht allein stand in dieser Zeit. Für seinen Glauben verweigerte Muhammad Ali während des Vietnamkriegs den Wehrdienst, Jahre vor der amerikanischen Friedensbewegung. Für diese Kriegsdienstverweigerung zahlte Ali einen hohen Preis: Der Weltmeistertitel wurde ihm aberkannt, erst dreieinhalb Jahre später konnte er in den Ring zurückkehren. Teil drei der Legende sind die epischen Kämpfe, in denen der alternde Muhammad Ali sich gegen jüngere, als unschlagbar geltende Gegner durchsetzte: Der „Rumble in the Jungle“ im Kongo - vor genau 50 Jahren - gegen den fruchteinflößenden Schläger George Foreman und der „Thrilla in Manila“ gegen den ewigen Rivalen Joe Frazier. Auch für diese Kämpfe zahlte Ali einen hohen Preis: Weil er nicht mehr so flink auf den Beinen war, musste er immer einstecken - was letztlich dazu führte, dass er an Parkinson erkrankte. Längst unheilbar krank blieb Muhammad Ali auch in dieser Phase das, was er immer war: eine öffentliche Figur, an deren Leben das Publikum Anteil nahm.