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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 01.11.2026

  • 00:05 Uhr

    Was nach Stalins Terror von der Kultur in Belarus übrig blieb
    Die Lange Nacht der unerschossenen Gedichte
    Von Inga Lizengevic
    Regie: die Autorin

    Stalins Terror hat in den 1930er-Jahren zur Ermordung einer Generation von Autorinnen und Autoren in Belarus geführt. Aber ihre Gedichte leben noch!

    Stalins „Säuberungen“ - die brutale Verfolgung und Ermordung von politischen Gegnern und Konkurrenten in den 1920er- und 30er-Jahren in der Sowjetunion - beschränkte sich nicht auf die Zentren und auch nicht auf die politischen Kräfte, sondern zielte auf alle Institutionen und alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Auch auf die Kultur. Und gerade dort, wo Widerstand nicht nur künstlerischer oder politischer Natur, sondern womöglich noch Ausdruck eines regionalen kulturellen Selbstbewusstseins, Ausdruck einer anderen, nicht-russischen Kultur war. Im August 1937 brennt tagelang ein Feuer im Innenhof des Geheimdienstgefängnisses in der belarussischen Hauptstadt Minsk. Der Geheimdienst verbrennt zahllose Manuskripte belarussischer Schriftsteller. Es beginnt, was Historiker den „Bluttunnel des Todes" nennen - bis Dezember 1938 werden in Belarus mindestens zehntausend Menschen erschossen. Grausiger Höhepunkt ist die Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1937, in der 132 Kulturschaffende und Wissenschaftler sterben, darunter 22 Schriftsteller: Lyriker, Prosaisten, Übersetzer, Kritiker - die Elite der Literaturszene. Die Nacht wird zum Schlusspunkt einer kurzen, hellen Aufbruchszeit: In den 1920er-Jahren war eine junge, selbstbewusste mehrsprachige belarussische Literatur entstanden, die sich europäischen Avantgarde-Strömungen geöffnet und mit neuen Formen experimentiert hatte. Im Wald von Kurapaty liegen bis heute die Leichen der Künstler, ihre Namen wurden aus der Literaturgeschichte getilgt - doch sie bleiben lebendig, bleiben (un)erschossen, denn in ihren Werken leben sie weiter. Einige überlebten tatsächlich, weil sie nicht als relevant galten, darunter vor allem Schriftstellerinnen. In Belarus ist die Erinnerung an sie noch heute Tabu. Noch heute muss Erinnerungskultur im Exil stattfinden. Die „Lange Nacht" bietet einen Einblick in dieses Kapitel europäischer Literatur- und Verfolgungsgeschichte.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Beethovenfest Bonn 2025

    Ludwig van Beethoven
    Musik zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" von Salvatore Viganò für Orchester

    Scottish Chamber Orchestra
    Leitung: Maxim Emelyanychev

    Aufnahme vom 26.9.2025 aus der Oper in Bonn

    03:05 Uhr   Heimwerk

    "Solitude"

    Hugo Wolf
    "Selbstgeständnis". Lied für Singstimme und Klavier, HWW 119 Nr. 52. Bearbeitet für Sopran und Streichquartett

    Unbekannt
    "Greensleeves". Englisches Volkslied. Bearbeitet für Sopran und Streichquartett

    Eduardo Toldrá
    "Cançó incerta". Lied für Singstimme und Klavier. Bearbeitet für Sopran und Streichquartett

    Katharina Konradi, Sopran
    Cosmos Quartet

  • 06:05 Uhr

    Der Wahlsieg von Da Silva in Brasilien: Für Linke ein Gefühl der Erleichterung
    Von Clara Pfeffer

  • 06:10 Uhr

    Johann Sebastian Bach
    „Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“. Kantate zum 22. Sonntag nach Trinitatis, BWV 55
    Bernhard Berchtold, Tenor
    Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen
    Leitung: Rudolf Lutz

    Claudio Monteverdi
    „Sanctorum meritis“. Geistliches Konzert, SV 277 aus „Selva morale e spirituale“
    Margaret Hunter, Sopan
    Capella de la Torre
    Leitung: Katharina Bäuml

    Jan Dismas Zelenka
    „Litaniae Omnium Sanctorum“, ZWV 153. Allerheiligenlitanei
    Gabriela Eibenová, Sopran
    Terry Wey, Countertenor
    Cyril Auvity, Tenor
    Marián Krejcík, Bass
    Ensemble: Ensemble Inégal
    Leitung: Adam Viktora

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Tutanchamuns Totenmaske - Tourismus-Rekord in Ägypten

    Vergessene Opfer - Über jüdische Massengräber in Polen ein Interview mit der Historikerin Magdalena Saryusz-Wolska

    US-Midterms - Wie widerstandsfähig ist Amerikas Demokratie? Ein Interview mit der Historikerin Christina Morina

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    "Gen Z" auf den Barrikaden? Zu den Jugendprotesten in Europa ein Interview mit dem Protestforscher Felix Anderl

    Denk ich an Deutschland: der Sachbuchautor und Journalist Mohamed Amjahid

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Kennste alle, kennste einen -
    Die vielen Heiligen und der eine Gott
    Von Fra‘ Georg Lengerke, München
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:00 Uhr
  • 09:05 Uhr

    Vor 50 Jahren: In West-Berlin öffnet das erste Frauenhaus Deutschlands

  • 09:30 Uhr

    Kleider machen Macht - Eine politische Geschichte der Mode
    Diana Weis im Gespräch mit Thorsten Jantschek

    Was geschieht, wenn man die Geschichte der westlichen Mode als politische Geschichte erzählt? Die Geschichte der Mode wird zu einer Geschichte einer Ordnung, die Körper formt, Klassen markiert und Wünsche produziert.
    Von den feudalen Fürstenhöfen Europas über Kolonialismus und Industrialisierung bis zu den globalisierten Luxusunternehmen der Jetztzeit lässt sich zeigen, wie sich Herrschaft in Stoffe, Silhouetten und Bilder einschreibt. Und wie aus Unterwerfung Eleganz, aus Ausbeutung Verlagen, aus Geschichte ein schöner Schein wird.
    An die Stelle des Adels sind Marken getreten, an die Stelle von Tradition Portfolios, an die Stelle von Stil ein rasender Kreislauf aus Verschleiß und Verheißung. Für die Vielen bleibt billige Ware im Takt der Erschöpfung, für die Wenigen ein Luxus, der seine Leere immer kunstvoller inszeniert.
    Diana Weis ist Professorin für Modejournalismus an der BSP Business and Law School in Berlin und unterrichtet Modetheorie an der UdK Berlin. Sie forscht zu digitaler Ästhetik, Popkultur und Körperpolitik und schreibt Stilkritiken für Spex, ZEIT, Missy, Fräulein u.v.a. 2012 gab sie in Zusammenarbeit mit dem Berliner Archiv der Jugendkulturen den Band Cool Aussehen. Mode & Jugendkulturen heraus. 2020 erschien von ihr Modebilder. Abschied vom real Life in der Reihe Digitale Bildkulturen im Wagenbach Verlag und jetzt ist im März Verlag ihr Buch Darunter nackt - Aufstieg, Dekadenz und Ende der Mode, wie wir sie kennen erschienen.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Pfarrkirche Heilige Familie in Hoyerswerda
    Zelebrant: Kaplan Johannes Ehme
    Katholische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Schwerpunkt Amerika

    Zu Besuch in der Eselstadt Oatman

    Costa Rica: Zwischen Tieren, Tropen und Tourismus

    Öko-Tourismus in Mexikos Regenwald

    Wenn Bäume sprechen:
    Unterwegs auf der Talking Trees Tour in Vancouver

    Am Mikrofon: Antje Allroggen

  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Die Finanzberaterin Birgit Bosold im Gespräch mit Marietta Schwarz

    Birgit Bosold ist Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin und hat als lesbische Aktivistin das homosexuelle Leben in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Heute ist sie als Finanzberaterin tätig, coacht Privatleute und macht sich für finanzielle Bildung stark.

  • 15:05 Uhr

    Das Magazin - Neues aus der Szene
    Am Mikrofon: Tim Schauen

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Martina Hefter: „Nach der Sonne schauen“
    (Klett-Cotta Verlag)
    Ein Beitrag von Jan Drees

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    Zukunft der Arbeit (1/3) - Was bringt KI Unternehmen konkret?
    Von Ralf Krauter und Moritz Metz

    Über die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt Künstliche Intelligenz, doch nur wenige messen ihren Mehrwert. KI kann Firmen produktiver machen. Doch es gibt Hürden beim Weg von der Experimentierphase zur Integration in betriebliche Abläufe. Moritz Metz und Ralf Krauter analysieren den Status Quo von KI im Unternehmenskontext.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    Tabak, Zucker, Energie: Was Steuern mit Demokratie und Gerechtigkeit zu tun haben
    Laura Seelkopf, Politikwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, im Gespräch mit Susanne Führer

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    "Geht's noch?" - Eine PEN-Veranstaltung reflektiert über das gemeinsame Reden
    Deniz Yücel, Sprecher des PEN Berlin, im Gespräch

    Erziehung und Verständigung - Claudia Bauer inszeniert Handkes "Kaspar" in Köln

    "Partitur des Körpers" - Katja Erfurth widmet der Choreographin und Tänzerin Noa Eshkol eine tänzerische Recherche in Hellerau

    "Das große Drama" - Auguste Rodin und der Streit um die Moderne

    Lieferantin von Schmuckstücken - zum Tod der Filmproduzentin Regina Ziegler

    Am Mikrofon: Henning Hübert

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Von Wechseljahren bis Endometriose - Warum Medizin lange an Frauen vorbei geforscht hat

  • 20:05 Uhr

    Einhundertzweiundneunzig Tage
    Vom Sterben der Eltern
    Von Lorenz Hoffmann
    Regie: Nikolai von Koslowski
    Mit: Lorenz Hoffmann, Petra Hartung, Christian Gutowski, Matthias Hummitzsch, Levia Vockert, Linus Vockert, Corinna Waldbauer, Nicoline Schubert
    Ton und Technik: Holger Kliemchen und Christian Grund
    Redaktion: Tobias Barth
    MDR 2022

    Als die Mutter an Krebs erkrankt, entscheidet sich der Sohn, ihr in ihren letzten Lebenstagen beizustehen. Noch bevor sie stirbt, bekommt auch der Vater die Diagnose Krebs. Eine Zeit voller Herausforderungen und widersprüchlicher Gefühle beginnt.

    Ein Tumor in der rechten Hälfte der Lunge, bösartig und nicht operabel. Buchstäblich am Sterbebett der Mutter erfährt der Autor, dass auch sein Vater nur noch kurze Zeit zu leben hat. 192 Tage bleiben vom Tod der Mutter bis zum Tod des Vaters. Beide sterben an Krebs, beide zu Hause in der eigenen Wohnung. Und beide begleitet der Autor in ihren letzten Lebenstagen. Aus radikal subjektiver Perspektive erzählt er von einem halben Jahr, in dem Ängste, Hoffnung, Liebe, Verzweiflung und Trauer einander überlagern. Er erzählt, wie sich in dieser Zeit die Beziehung zu seinen Eltern wandelt, von der Intimität und vom Elend des Sterbens, der Schwierigkeit sich zu verabschieden und vom Glück intensiv erfahrener Nähe.

    Lorenz Hoffmann, geboren 1974, ist in Salzwedel in der Altmark aufgewachsen. Er studierte Germanistik und Ostslawistik in Leipzig. Seit 2001 arbeitet er als Feature- und Hörspielautor und Übersetzer für den Hörfunk der ARD und den Deutschlandfunk, für Hörbuch- und Buchverlage. Zuletzt: „Begrabt mich und erhebt euch! - Eine Lange Nacht über den ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko“ (Deutschlandfunk 2024, mit Lars Meyer) sowie das Feature „Charkiw International“ (MDR 2026).

  • 21:05 Uhr

    Sarah Nemtsov
    "Roses for my Funeral"

    Decoder Ensemble:
    Heinrich Horwitz, Stimme
    Sonja Lena Schmid, Violoncello
    Leopold Hurt, Zither
    Sebastian Berweck, Klavier/Keyboard
    Jonathan Shapiro, Schlagwerk
    Wortregie: Noam Brusilovsky

    Am Mikrofon: Leonie Reineke
    (Wdh. v. 21.11.2021)

    "Roses for my Funeral" ist ein durchkomponiertes Gefüge aus Musik, Text, Performance und Licht. Für Sarah Nemtsov formuliert dieses Einsprüche gegen die Normierung von Trauer, gegen die Tabuisierung von Tod und Vergänglichkeit. Die Komponistin, Dramaturgin Heinrich Horwitz und das Hamburger Decoder Ensemble verstanden ihr Stück seinerzeit nicht als beklemmend und düster, sondernals "Assoziationsraum und als Plädoyer für das Leben". Das artikuliert sich in Klängen und Worten, die laut, fragil und vielschichtig sind und Genregrenzen nicht kennen. Für das Kölner Forum neuer Musik 2021 „Wollen wir den Tod überwinden?“ wurde das vom Musikfonds und der Ernst von Siemens Musikstiftung geförderte Projekt in einer Radiofassung produziert. Hörspielregisseur Noam Brusilovsky ergänzte die musikalische Ebene dabei um Stimmen von Trauerrednern verschiedener Konfessionen und machte sie zeitlos.

  • 23:05 Uhr
  • 23:30 Uhr

    Neuwahl des DOSB-Präsidenten

    Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon Union, im Gespräch mit DLF-Redakteurin Sabine Lerche