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Presseschau 12:50

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25. Juni 2016Die internationale Presseschau von 12:50 Uhr

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Die meisten Kommentatoren beschäftigen sich mit dem britischen Austrittsbeschluss aus der Europäischen Union. Außerdem geht es um den Papstbesuch in Armenien.

Zum Austrittsgesuch des Vereinigten Königreichs schreibt der britische TELEGRAPH: "Der 23. Juni wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die Briten sich entschieden haben, wieder die Kontrolle über ihr eigenes Land zu übernehmen. Nun sind natürlich viele besorgt über ihre Zukunft, insbesondere nachdem die Märkte mit Einbrüchen reagiert haben - dabei gibt es allen Grund, optimistisch zu sein. Großbritannien ist schon immer ein Global Player gewesen. Nachdem es sich von den institutionellen Fußfesseln der EU befreit hat, kann und wird es eine neue Blütezeit erleben", ist THE TELEGRAPH aus London überzeugt.

Der ebenfalls britische HERALD SCOTLAND sieht das völlig anders: "Wie konnte es zu diesem desaströsen Votum kommen? Für diejenigen, die in einem Land leben wollen, das sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um seine Nachbarn schert, für die Millionen von Briten, die für den Verbleib innerhalb der EU gestimmt haben, ist der gestrige Tag zu einem Tag der Verzweiflung geworden. Das Ergebnis illustriert die tiefen Gräben, die durch Großbritannien gehen: zwischen Stadt und Land, zwischen den einzelnen Landesteilen, zwischen Alt und Jung. Vor allem ältere Briten haben für den Austritt aus der EU gestimmt. Damit haben sie einen Akt der nationalen Selbstverstümmelung begangen, der nicht nur der britischen Wirtschaft schaden wird. Sie haben auch den jüngeren Generationen das verwehrt, was sie selbst ihr Leben lang genießen durften: all die Vorteile, die ein starkes und jahrzehntelang gewachsenes Europa ihnen bescherte", klagt der HERALD SCOTLAND aus Glasgow.

"Wie kann es sein, dass ausgerechnet Churchills Heimatland die europäische Idee so spektakulär verwirft?", fragt der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz. "Dies, obwohl die EU dafür gesorgt hat, dass wir in Westeuropa seit 70 Jahren in Frieden leben. Die Antwort auf diese Frage sollten wir nicht in England, sondern in Brüssel suchen. Der Brexit war ein Plebiszit gegen die Personenfreizügigkeit. Viele Schweizer denken genau gleich. Nicht aber der Apparat in Brüssel. Dort reagiert man, wenn es die Bevölkerung wagt, einem Beschluss der EU zu widersprechen, nicht mit Reflexion, sondern mit Druck und Angstmacherei", glaubt der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.

Für die kroatische Zeitung VECERNJI LIST aus Zagreb gibt es einen klaren Schuldigen: "Der britische Premierminister David Cameron versucht gerade, sich als Opfer zu inszenieren. Dabei ist er der Hauptverantwortliche in diesem Drama. Er hat in den Verhandlungen mit Brüssel zu sehr auf Risiko gespielt, um die EU zu weiteren Zugeständnissen zu zwingen. Er war derjenige, der völlig unnötig mit einem Brexit gedroht hat, nur um dann nicht mehr in der Lage zu sein, die Geister, die er rief, zu bändigen. Cameron hat hoch gepokert und hoch verloren."

Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN aus Oslo bemerkt: "Wenn sich Schottland und Nordirland dem Brexit widersetzen, könnte Cameron als der Premier in die Geschichte eingehen, der sowohl das Referendum als auch das halbe Königreich verloren hat."

"Der Brexit ist den erfolglosen Manövern von David Cameron geschuldet", pflichtet die griechische Zeitung KATHIMERINI aus Athen bei. "Schuld sind aber auch der Provinzialismus, die Angst, von Flüchtlingen überschwemmt zu werden, die Unsicherheit der Älteren, die Stärke des Nationalpopulismus, die Haltung der Medien und die wachsenden Zweifel an der Kompetenz der politischen Elite."

EL PAIS aus Madrid hebt hervor: "Der Austrittswunsch Großbritanniens zeigt, dass es für den Nationalismus keinen besseren Nährboden gibt als die Angst und den Groll. Die EU ist zu einer Zielscheibe für all jene geworden, die ihre Frustrationen und Ängste abladen wollen. Viele Briten haben für den Brexit gestimmt in dem Glauben, dass ihr Land dadurch die Macht eines Imperiums zurückerlangen würde. Sie werden sehr rasch einsehen, dass das Land stattdessen schwächer geworden ist. Denn es gibt Landesteile wie Schottland, Nordirland oder auch Gibraltar, die sich mit der neuen Lage nicht anfreunden können und werden", hält die spanische Zeitung EL PAIS fest.

"Diese Scheidung kann nichts Gutes mit sich bringen", befürchtet die polnische RZECZPOSPOLITA. "Sie wird die EU sicher nicht gesunden lassen, sondern könnte zu ihrem tatsächlichen Ende führen. Die Behauptung, der Austritt der Briten würde eine tiefere Reflexion über die Funktionsweise der EU auslösen, ist eine Verklärung der Realität. Wenn man sich die Weltgeschichte anschaut, kann man lange nach einem Beispiel suchen, bei dem der Austritt eines großen Landes aus einem Bündnis zu einem Happy End geführt hätte", bemerkt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.

Die belgische Zeitung DE TIJD aus Brüssel warnt, es handle sich nicht nur um ein britisches Problem: "Auch anderswo in Europa ist das Misstrauen gegenüber der EU groß. Die Unfähigkeit der Union, auf die Migration und die Eurokrise gemeinsame Antworten zu finden, hat sicherlich mit dazu beigetragen. Jetzt muss endlich eine echte Debatte geführt werden, statt nur zu polarisieren; es gilt, die erhitzten Gemüter zu beruhigen, neu über die EU nachzudenken und auf diese Weise wieder eine breite Unterstützung der Bevölkerung zu erlangen."

Das NRC HANDELSBLAD aus Amsterdam findet, die EU habe lobenswert auf das Ergebnis des britischen Referendums reagiert: "Die Europäische Union hat sich als entschlossen, aber nicht auf Rache sinnend gezeigt. Daran ist zu erkennen, dass die Idee der EU gefruchtet hat: Die europäischen Länder pflegen nach mehr als einem halben Jahrhundert Zusammenarbeit einen sehr viel besseren Umgang miteinander. Jetzt wünscht sich die EU völlig zu Recht, dass die Briten zügig das formelle Scheidungsgesuch einreichen. Die Union kann diese Herausforderung nur meistern, wenn schnell Klarheit über die neuen Verhältnisse geschaffen wird", unterstreicht das NRC HANDELSBLAD aus den Niederlanden.

Hören Sie abschließend zwei Stimmen zum Papstbesuch in Armenien. Die mexikanische Zeitung LA CRONICA DE HOY kommentiert: "Papst Franziskus' Reise gilt natürlich in erster Linie den Katholiken im Land, aber auch der christlich-orthodoxen Mehrheit im Land. Armenien hat bereits im vierten Jahrhundert nach Christus das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Seitdem haben die Armenier viele Invasionen erlebt, aber ihrem Glauben sind sie treu geblieben. Das gilt auch für die Zeit unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs, die rund anderthalb Millionen Menschen das Leben kostete. Papst Franziskus hat das schon 2015 beim Namen genannt: Es war Völkermord. Trotz Protesten der Türkei hat er das bei seinem Besuch der Gedenkstätte Zizernakaberd ausdrücklich wiederholt", notiert LA CRONICA DE HOY aus Mexiko-Stadt.

"Die Armenier sind für ihren Glauben oft verfolgt worden", erinnert auch die ecuadorianischen Zeitung LA HORA. "Mit dem Martyrium unter der Herrschaft der Osmanen war das Leiden der Armenier noch nicht beendet, denn unter dem Kommunismus gingen die Verfolgungen weiter. Es ist bewundernswert, dass die Armenier es geschafft haben, dennoch ihre Kultur und ihren Glauben zu bewahren. Das gilt insbesondere, weil viele von ihnen heute fast über die ganze Welt verstreut leben." Mit diesem Auszug aus LA HORA aus Quito endet die internationale Presseschau.

Redaktion: Katrin Kampling

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