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Presseschau 07:05

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26. Juli 2016Die Presseschau aus deutschen Zeitungen von 07:05 Uhr

Nach der Gewalt der vergangenen Tage erörtern viele Zeitungen - durchaus kontrovers - Fragen nach eventuellen Gemeinsamkeiten und nach einer angemessenen Reaktion.

"Die Taten sind Folge eines grundsätzlichen Wandels", glaubt etwa die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Gezielte Attentate auf Repräsentanten verhasster Systeme sind Vergangenheit. Die neue Strategie des Terrors bedarf daher keiner kühlen, strategisch denkenden Köpfe mehr. Es reichen Psychopathen, die wenigstens mit dem Abschluss ihres verpfuschten Lebens einmal Bedeutung erlangen wollen, indem sie auf beliebige Art möglichst viele Opfer töten."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt: "Nach dem Anschlag von Ansbach entbehrte es nicht eines gewissen makabren Interesses, dass die Antwort abhängig gemacht wurde davon, ob der Selbstmörder 'islamistisch' inspiriert sei oder nicht. Macht das einen Unterschied? Die Lehre der vergangenen Wochen ist, dass Unterschiede auf dasselbe hinauslaufen: Im Krieg des 'Islamischen Staats' wird das Heer der nützlichen Idioten immer größer. Der unpolitische Massenmörder gehört dazu, der psychopathische Einzelgänger, selbst der Asylbewerber, der die Machete schwingt", resümiert die F.A.Z.

"Wachsam und besonnen zu bleiben, darum geht es dieser Tage", betont der Berliner TAGESSPIEGEL: "... da hat Innenminister de Maizière recht. Das heißt vor allem, zu trennen, was verschieden ist und nicht zusammengehören darf. Die Münchner Mordtat ist völlig anders gelagert als der Würzburger Axt-Angriff; die Messerattacke von Reutlingen hat nichts gemein mit dem Bombenanschlag des Flüchtlings in Ansbach. Wer Dinge zusammenwirft, die nicht zusammengehören, trägt zu kopflosem Aktionismus bei. Das ist nicht die Stunde der Hektik, sondern der Besinnung auf die Kräfte des Zusammenhalts unserer Demokratie. Damit das Land nicht kopflos wird", mahnt der TAGESSPIEGEL.

"Die Einzeltäter, egal ob der Amokläufer von München oder der Beziehungstäter von Reutlingen oder der Attentäter von Ansbach, haben eine Vorgeschichte", unterstreicht die WETZLARER NEUE ZEITUNG und zieht daraus den Schluss: "Genau an dieser Stelle liegt der Schlüssel zur Eindämmung von Massenmorden, egal welcher Art: Unser Strafrecht muss dringend auf den Prüfstand."

Die Zeitung DIE WELT fordert politische Konsequenzen anderer Art: "Das deutsche Verbot der anlasslosen langfristigen Datenspeicherung gehört sofort auf den Prüfstand, auch die Flüchtlingspolitik in manchen Details. Wir müssen wissen, wer da ist und wer kommt. Besonnenheit in der Bevölkerung ist wichtig - aber den Schutz durch den Staat ersetzt sie nicht."

"Nach den Ereignissen der letzten Tage ist eine Debatte über konsequentere Abschiebung und verstärkter Grenzsicherung unausweichlich", meinen auch die WOLFSBURGER NACHRICHTEN, fügen aber hinzu: "Ebenso wie eine, die sich mit gewaltverherrlichenden Computerspielen, Mobbing an Schulen und therapeutischer Präventionsarbeit beschäftigt. Die Welt ist komplizierter, als der ein oder andere es gerne hätte."

Die HEILBRONNER STIMME geht auf einen weiteren Aspekt der Diskussion ein: "Es ist nur verständlich, dass Innen- und Justizpolitiker jetzt nach mehr Sicherheit rufen und die Debatte um den Bundeswehreinsatz im Innern reaktivieren. Es mag auch gute Gründe geben, den bisher gültigen rechtlichen Rahmen der Fahndungsmöglichkeiten überprüfen zu wollen. Mit Worten wird darum gerungen, das ins Wanken geratene Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stabilisieren. Doch die Forderungen stärken derzeit weder die tatsächliche noch die gefühlte Sicherheit", kritisiert die HEILBRONNER STIMME.

Auch die BADISCHE ZEITUNG mahnt zu Besonnenheit: "Gemeinsam gilt es nun, vernünftig zu bleiben. Zunächst heißt das, sich Anflügen von Hysterie zu widersetzen. Und es heißt, auf rhetorische Scharfmacherei und politische Schnellschüsse zu verzichten. Wer jetzt weniger Zuzug fordert, unterschlägt, dass die Zahlen längst rückläufig sind. Wer jetzt nach strengeren Asylgesetzen ruft, mag das im Glauben tun, Bürger vor dem Abdriften nach rechts zu bewahren. Er ignoriert aber, dass es Abschiebehindernisse gibt, die nach einer Verschärfung fortbestünden", gibt die BADISCHE ZEITUNG zu bedenken, die in Freiburg erscheint.

Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe warnen davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen: "Das birgt neue Gefahren. Denn: Fremdenfeindlichkeit spielt dem Islamischen Staat zusätzlich in die Karten. Frustrierte Zuwanderer ohne echte Perspektive, die keinen Zugang zur Gesellschaft finden, erliegen leicht den Verführungen des IS. Das beweisen nicht zuletzt die Anschläge in Belgien und Frankreich. Und jeder neue Anschlag kann potenzielle Nachahmer anstacheln. Hier muss die Politik viel stärker als bisher gegensteuern. Zwar dürfen auf der einen Seite die Sorgen der Bevölkerung nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Auf der anderen Seite müssen auch die Flüchtlinge schneller in die Gesellschaft integriert werden. Und die Zuwanderer, die keine Bleibeperspektive haben, müssen das Land schneller verlassen", fordern die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU nimmt die Reaktion von Polizei und Medien in den Blick und macht den Münchner Amoklauf zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen: "In München wurde einen ganzen Abend lang die ganze Stadt lahmgelegt. Es war ein Katastrophenszenario, wie geschaffen dafür, Panik auszulösen - auch wenn der Pressesprecher der Polizei noch so ruhig und souverän kommunizierte. Das Fernsehen ging auf Dauersendung, obwohl es über Stunden keine Neuigkeiten gab. Die sozialen Netzwerke sorgten für die schnelle Verbreitung von Gerüchten. Zwar ist jede Gewalttat ein Drama, aber nur die wenigsten rechtfertigen einen Ausnahmezustand. Wird der Ausnahmezustand die Regel, haben die Terroristen schon ohne Anschlag ihr Ziel erreicht: Freiheit einzuschränken und die Gesellschaft nachhaltig zu verunsichern", unterstreicht die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN sehen vor diesem Hintergrund eine besondere Verantwortung im Umgang mit sozialen Medien: "Mit enormer Wucht haben sich in den vergangenen Tagen die Vorteile der Echtzeitteilhabe an tatsächlichen oder auch nur unterstellten Ereignissen gegen uns verkehrt. Vervielfältigung und Beschleunigung über Twitter, Facebook oder Whats App stehen seit den Bluttaten von Nizza, Würzburg, München, Ansbach und Reutlingen vor allem für eines: für ein Mehr an Angst - mit allen Folgen. Darauf lässt sich nur mit Qualitäten antworten, die aktueller sind denn je: Aufmerksamkeit, Respekt und Verantwortung", lautet der Appell der STUTTGARTER NACHRICHTEN.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG geht näher auf den Anschlag in Ansbach ein: "Wer vor einer Altstadt-Weinstube eine Bombe zündet, der ist vielleicht ein Selbstmörder von der geltungssüchtigen Sorte, vielleicht auch einer, der verzweifelt nach einem Feindbild gesucht und es im Angebot der Dschihadisten gefunden hat; vielleicht auch beides, wie so oft. Aber groß ist an ihm nichts. Deshalb tut die Exegese seiner Facebook-Postings ihm zu viel der Ehre, besonders wenn in den Stunden nach einer solchen Tat andere Menschen echte Größe zeigen. Angehörige der Opfer etwa, die im Netz auf Hass mit Toleranz antworten. Sinnlos bleiben solche Verbrechen immer - zumindest in dem Sinne, dass sie keines der von den Tätern behaupteten Probleme lindern werden. Aber erst wenn die getroffene Gesellschaft aufhört, das Ego der Mörder ernst zu nehmen, morden sie auch aus deren Sicht vergeblich."

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