Kämpfer für die Republik und Erfinder des politischen Feuilletons.
Eine Lange Nacht über Ludwig Börne
Von Claus Leggewie
Regie: Claudia Kattanek
Nach Ludwig Börne sind in einigen Städten Straßen und Plätze benannt, ein jährlich in der Frankfurter Paulskirche verliehener Preis trägt seinen Namen. Doch den meisten ist dieser Schriftsteller, geboren 1786 als Juda Löb Baruch, gestorben und begraben in Paris, unbekannt. Die Lange Nacht erinnert an seine Herkunft aus dem Frankfurter Judenghetto, beschreibt seinen Aufstieg zum kämpferischen Republikaner, bringt Essays, Aphorismen und Briefe des „Zeitschriftstellers“ zu Gehör, erörtert die Bedeutung zweier starker Frauen für sein Schreiben und das Überleben des kränkelnden Mannes. Der historische Hintergrund ist die Restaurationszeit, als die Obrigkeit freie Meinungsäußerungen zensierte, Dichter und Schriftsteller verfolgte und sie außer Landes trieb. Darunter Ludwig Börne nach Paris, wo die Julirevolution von 1830 europäischen Republikanern neue Hoffnung gab. Doch auch der Bürgerkönig Louis Philippe leitete eine neue Ära der Restauration ein, in der sich das saturierte Bürgertum hemmungslos bereichern sollte. Damals entstand die „engagierte Literatur“, Börne gilt als einer ihrer Erfinder. In Paris stritt er mit seinem früheren Gefährten und Kollegen Heinrich Heine und mit „Franzosenfressern“, die dem kosmopolitischen Freiheitsdenken deutsch-nationale und judenfeindliche Engstirnigkeit entgegensetzten. Noch in den 1980er Jahren entzündete sich an dem einstigen Frankfurter, der als Universalist das Besondere des Judentums nicht aufgab und sich immer als deutscher Patriot fühlte, ein heftiger Streit um die Gestaltung des Platzes, der heute seinen Namen trägt. Und wie aktuell ist der Aphorismus Börnes: Die öffentliche Meinung ist die unsichtbare Rüstung des Volkes?