Wann heilen wir ME/CFS? (2/2)
Teil 2: Durchhalten
Von Christopher Weingart
Eine Erkältung, ein milder Verlauf, Heilung? So läuft es leider nicht immer. Bis zu einem Prozent der Infekte enden chronisch mit ME/CFS. Viel zu lange haben Fachleute die Krankheit als psychische Störung fehlinterpretiert oder gleich ganz ignoriert. Doch spätestens Corona hat das Leid sichtbar gemacht. 650.000 Menschen mit ME/CFS leben allein in Deutschland, viele sind arbeitsunfähig, weil schon geringe Reize und kleine Anstrengungen im Zusammenbruch enden können. Sie alle warten auf Heilung - bisher vergeblich. Doch was steckt hinter den Symptomen? Im Verdacht stehen Entzündungen, Durchblutungsstörungen, defekte Zellorganellen, Antikörper, die sich gegen den eigenen Körper richten. Oder ist die Ursache doch genetisch?
Während die Forschung nach der Pandemie endlich Fahrt aufnimmt, versuchen Ärzte ihren Patienten und Patientinnen so gut es geht Linderung zu verschaffen. Eine Strategie sind Off-Label-Medikamente, also Wirkstoffe, die für andere Krankheiten bereits zugelassen und verfügbar sind. Fördergeld fließt sowohl in Grundlagenforschung als auch in die Evaluierung solcher Off-Label-Therapien. Nicht jeder Hoffnungsträger hält einer Überprüfung stand. Naltrexon, das aus der Suchtmedizin bekannt ist, und die Blutwäsche, die Antikörper aus dem Blut waschen sollen, zeigten jüngst in Studien enttäuschende Ergebnisse. Fachleute stehen vor einem Rätsel. Profitiert womöglich nur eine Teilgruppe von Patienten, weil hinter ME/CFS mehr als ein Mechanismus steckt?
In zwei Folgen geht Wissenschaft im Brennpunkt den neuesten Erkenntnissen zu ME/CFS nach - in den Laboren der Grundlagenforschung und in den Praxen niedergelassener Ärzte. Was hilft gegen ME/CFS - und wie lässt es sich womöglich heilen?
Online finden Sie außerdem eine reizreduzierte Fassung des Features unter https://www.deutschlandfunk.de/wissenschaftimbrennpunkt und in der Deutschlandfunk App im Podcast Wissenschaft im Brennpunkt