Yevgeniy Breyger liest „Die Lust auf Zeit“
Lesung von den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2023 in Klagenfurt
Bei den diesjährigen 47. Tagen der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt las Yevgeniy Breyger auf Einladung von Jurymitglied Insa Wilke den Text „Die Lust auf Zeit“. Darin sinniert der Ich-Erzähler über seine Familiengeschichte, den Urgroßvater, der im Gulag in Sibirien war, weil er einen Witz über Stalin gemacht hatte. Das Trauma der Familie, als er lebendig begraben wurde, vor den Augen von Frau und Kindern. Der Großvater, der mit einem Bein aus dem Krieg kam und die Geschichten, die in der Familie weitergegeben wurden. Am Ende steht er auf und geht vom Warteraum ins Krankenzimmer des Vaters, der in seinem Bett liegt und atmet. In Klagenfurt ist diese Geschichte begeistert aufgenommen worden. Jurymitglied Mithu Sanyal urteilte: „Für mich stellt der Text grundsätzlich die Frage: Was können Kurzgeschichten? Es ist sehr viel Familiengeschichte darin, über mehrere Generationen. Dann kommen auch politische Systeme rein. Es ist ganz, ganz groß. Gleichzeitig merke ich: Ich möchte mehr. Das Trauma ergreift mich, und dann merke ich: Ich weiß trotzdem zu wenig.“
Yevgeniy Breyger veröffentlichte mehrere Gedichtbände, zuletzt „Frieden ohne Krieg“ bei kookbooks, 2023. Seit 2021 hatte er Gastdozenturen für Literarisches Schreiben und Übersetzen an der Universität Hildesheim inne, an der Ruhr-Universität Bochum und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den Leonce-und-Lena Preis 2019, den Lyrikpreis München 2021 und den manuskripte-Preis des Landes Steiermark 2023.