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Presseschau 12:50

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27. September 2016Die internationale Presseschau von 12:50 Uhr

Die ausländischen Zeitungen gehen unter anderem auf die Lage in Syrien und das Friedensabkommen in Kolumbien ein. Zudem gibt es bereits erste Kommentare zum Fernsehduell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump. Dazu schreibt die NEW YORK TIMES:

"Die Konfrontation zwischen Clinton und Trump war ein Spektakel, sicherlich. Eine schillerende Show ähnlich dem Super Bowl. Aber die Aufregung dürfte angesichts der immer näher rückenden Wahl gerechtfertigt sein. Der Kandidat der Republikaner, Trump, hat eine Menge gesagt. Aber je länger die Debatte dauerte, kämpfte er mit einer Gegnerin, die deutlich gelassener und besser vorbereitet war als alle Republikaner, denen Trump in den Vorwahlen gegenüberstand. Die Kandidatin der Demokraten, Clinton, hat die Erwartungen erfüllt. Sie hatte gerade genug Leichtigkeit, gemixt mit Substanz. Sie war smart, aber nicht pedantisch und wischte die Attacken Trumps beiseite", resümiert die New York Times.

Ähnlich sieht es die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA: "Clinton hat das erste TV-Duell klar gewonnen. Sie war sachlich, ruhig und punktete. Trump ließ sich provozieren und verwirren. Er rechtfertigte und erklärte sich, schrie und geriet in die Defensive. Es sah aus, als hätte Trump sich nicht vorbereitet. Was Amerika sah, grenzte an ein Knockout", beschreibt die GAZETA WYBORCZA aus Warschau das Duell.

Das mexikanische Blatt LA CRONICA DE HOY bemerkt:  "Wer hofft, dass der nächste US-Präsident nicht Trump heißt, kann nach dem Fernsehduell wieder ein wenig Zuversicht schöpfen. Clinton hat es geschafft, sich nicht auf seine Manöver einzulassen, sondern sie hat ihren Gegner auf subtile Weise in die Ecke getrieben. Clinton hat gezeigt, dass sie eine Vollblutpolitikerin ist, Trump macht nicht einmal mehr im Fernsehen eine gute Figur. Hoffen wir, dass er in sechs Wochen seine allerschlimmste Nacht erlebt." So weit LA CRONICA DE HOY aus Mexiko-Stadt.  

Auch in der russischen Zeitung KOMMERSANT ist die Rede von einem Punktsieg für Clinton. Das Blatt gibt aber zu bedenken: "Auch wenn die Stimmung im Saal in Hempstead eindeutig war, es war zunächst die erste Runde, die sie offensichtlich gewonnen hat. Denn bis zur Wahl am 8. November kann sich noch viel ändern." 

Der britische TELEGRAPH blickt kritischer auf Clinton: "Zuschauer, die Trump hassen, werden sagen, dass Clinton gewonnen hat, weil sie mehr wie eine Präsidentin auftrat. Das mag sein. Aber sie hat zugleich alle Macken ihres Liberalismus zur Schau gestellt, die sie viel Unterstützung durch die Arbeiterschaft gekostet hat. Sie hat die Amerikaner nicht als Volk angesprochen, sondern immer nur einzelne Gruppen - Frauen, Menschen südamerikanischer Herkunft, Afroamerikaner", hält der TELEGRAPH aus London fest.

DE VOLKSKRANT aus den Niederlanden kommentiert die Lage in Syrien nach dem erneuten Scheitern der Waffenruhe: "Syrien eignet sich für große Worte über moralisches Versagen, aber praktische Lösungen sind viel schwieriger. Deshalb gibt es selbst unter den derzeit extremen Umständen keine Alternative zu einer von den USA und Russland ausgehandelten Vereinbarung. Der unermüdliche US-Außenminister Kerry erlebt, wie schwierig Diplomatie ist, die nicht gestützt wird durch militärische Macht. Russland hat mit Bombenangriffen in Syrien einen Platz am Verhandlungstisch erobert. Aber es kann das Ergebnis ebensowenig vorschreiben wie die USA", betont DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.

Die polnische RZECZPOSPOLITA geht näher auf die Rolle Russlands ein: "Moskau gab klar zu verstehen, dass der Krieg in Syrien so lange andauern wird, bis Diktator Assad die Kontrolle über die wichtigsten syrischen Gebiete zurückerlangt hat. Dafür ist unter anderem die Einnahme Aleppos vonnöten – um jeden Preis. Die Barbarei wird also weitergehen. In dem Bürgerkrieg werden auf allen Seiten Verbrechen begangen. Doch die meisten Opfer hat Assad auf dem Gewissen, der seit einem Jahr militärisch von Russland unterstützt wird. Diese Wahrheit kann durch keine Form eines noch so berechtigten Anti-Terror-Kampfes verschleiert werden", heißt es in der RZECZPOSPOLITA aus Warschau.

Die türkische Zeitung MILLIYET äußert sich skeptisch: "Die UNO ist keine Organisation, die in der Lage ist, die in sie gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Auch in der Vergangenheit konnte die Weltorganisation internationale Konflikte und Kriege nicht verhindern. Das liegt daran, dass ihr Aufbau das nicht zulässt. Sie hat keine Armee, keine Polizeikräfte. Eigentlich müsste die UNO umgebaut werden, doch die fünf großen Weltmächte verhindern dies." So weit die Zeitung MILLIYET aus Istanbul.

Die Unterzeichnung des Friedensabkommens in Kolumbien, ist Thema in der Zeitung El TIEMPO aus der Hauptstadt Bogotá: "Bei der Zeremonie gab es zuerst eine Schweigeminute für die Opfer des bewaffneten Konflikts, bevor Präsident Santos und der Ex-Guerillero Londoño ihre Unterschriften unter das Dokument setzten. Alle wurden Zeugen, wie Kolumbien nach Jahrzehnten des Konflikts und jahrelangen Verhandlungen zwischen Regierung und den FARC-Rebellen ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen hat. Kolumbien hat der Welt gezeigt, dass Träume Realität werden können. Hätte früher jemand geglaubt, dass Londoño einmal seine Opfer um Vergebung bitten und die Fortsetzung seines Kampfes mit Argumenten statt mit Waffen verkünden würde? Aber genau das ist passiert, und das ist gut so", konstatiert EL TIEMPO aus Kolumbien.

Die argentinische Zeitung LA NACION erinnert: "In dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen der Regierung und der Guerilla sind weit mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen, Zehntausende wurden entführt, und viele sind bis heute noch verschwunden. All das macht deutlich, wie absurd der Versuch ist, Gewalt mit noch mehr Gewalt zu bekämpfen: Frieden lässt sich nur über einen Dialog und auf der Grundlage stabiler und gerechter Abkommen erreichen. Genau das hat die Regierung Santos versucht: Weder leugnet sie den Schmerz der Opfer, noch hat sie von den Ursachen des Konflikts wie der ungerechten Verteilung von Land oder der weit verbreiteten Armut abgelenkt. Es ist zu hoffen, dass die kolumbianische Bevölkerung jetzt bei dem Referendum am 2. Oktober ihre Zustimmung zu dem Abkommen erteilt", ist in der Zeitung LA NACION aus Buenos Aires zu lesen.

In einem Referendum haben sich die bosnischen Serben mit großer Mehrheit für ihren umstrittenen Nationalfeiertag am 9. Januar ausgesprochen. In der Zeitung DNEVNI AVAZ aus Bosnien-Herzegowina heißt es: "Das Ergebnis der Volksabstimmung in der Republika Srpska - einer Teilrepublik Bosnien-Herzegowinas - überrascht nicht. Denn es ist bekannt, dass die Referenden in diesem Teil Europas nicht im Dienste der Demokratie abgehalten werden, sondern immer als Festigung einer bestimmten politischen Position. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Spannungen in Bosnien-Herzegowina zunehmen", notiert die Zeitung DNEVNI AVAZ aus Sarajewo.

"Faktisch ging es nur um einen Feiertag, politisch aber um eine Attacke gegen den Rechtsstaat", meint DER STANDARD aus Österreich: "Die gesamtstaatlichen Institutionen, insbesondere der Verfassungsgerichtshof, sollten vorgeführt werden. Das ist dem Präsidenten der Republika Srpska, Dodik, ausgezeichnet gelungen. Man darf aber nicht denken, dass der Populist nur Bosnien-Herzegowina zerstören will. Nicht von ungefähr ist Dodik drei Tage vor dem Referendum nach Moskau gereist, um den russischen Präsidenten Putin zu treffen. Es geht hier um größere geopolitische Pläne des russischen Regimes. Nicht nur Dodik ist ein Vasall Putin’scher Interessen. Ähnliche politische Figuren gibt es auch in Mazedonien und in Serbien. Ziel ist die Schwächung des Westens auf dem Balkan", hält DER STANDARD aus Wien fest. Damit endet die internationale Presseschau.

Redaktion: Sonja Helmke

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