• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 09:10 Uhr Das Wochenendjournal

Presseschau 07:05

MediathekPodcast

30. Juli 2016Die Presseschau aus deutschen Zeitungen von 07:05 Uhr

Hören

Viele Zeitungen kommentieren schon heute die Großkundgebung für den türkischen Präsidenten Erdogan, die am Sonntag in Köln stattfinden soll. Außerdem geht es um den US-Wahlkampf.

"Es ist das gute Recht der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland, für die Politik von Erdogan zu demonstrieren", schreibt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. "Genau das unterscheidet Deutschland von der Türkei: Auch wer eine andere Meinung vertritt als die Mehrheit der Gesellschaft, darf diese öffentlich kundtun, ohne Repressalien des Staates zu fürchten. Sicherlich: Die Unterstützung für die Politik des Autokraten von Ankara ist befremdlich, weil diese den deutschen Grundwerten entgegensteht. Doch ebenso sind Zweifel am Demokratieverständnis derjenigen deutschen Politiker angebracht, die ein Verbot der Großdemonstration fordern. Deutschland muss derartige Kundgebungen aushalten", findet die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

"Man mag Sympathiekundgebungen für Erdogan widerwärtig finden", räumt auch der TRIERISCHE VOLKSFREUND ein. "Trotzdem kann man seinen Anhängern nicht verweigern, für ihre Überzeugung auf die Straße zu gehen. Die Hetze von Pegida und Co, die die freie Gesellschaft verhöhnen und zerstören wollen, findet ja auch die Mehrheit der Deutschen abscheulich. Sie hält sie aus."

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER ist spürbar ungehalten. "Man sollte sich merken, wie unverfroren die türkischen Veranstalter, hinter denen die Erdogan-Regierung steht, ihr Geschäft betreiben und übliche Informationen verweigern, wie eine Liste der Redner, die hier auftreten. Der Anspruch, am Rheinufer türkische Innenpolitik zu betreiben, ist greifbar."

"Niemand muss seine Herkunft und Traditionen aufgeben", stellt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG klar. "Jeder kann hierzulande ausländische Medien konsumieren und, zum Beispiel, für den türkischen Präsidenten Erdogan auf die Straße gehen. Aber hier ist nicht die Türkei. Wer hier lebt, mag er auch dem türkischen Staat rechtlich und faktisch verbunden sein, ist keine fünfte Kolonne Ankaras. Jeder, der jetzt am Wochenende demonstriert, genießt die Meinungs- und Versammlungsfreiheit des Grundgesetzes. Als Staatsbürger sollte er sich diesem Land loyal zeigen - und weniger einem Herrscher, der genau diese Werte mit Füßen tritt", mahnt die FAZ an.

"Deutschland muss aufpassen, sich nicht noch weiter in diesen ursprünglich innertürkischen Konflikt zwischen Erdogan- und Gülen-Anhängern hineinziehen zu lassen", empfiehlt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. "Infiziert ist das Land bereits in Gestalt seiner türkischen Community: Hass, Angst und Misstrauen prägen zunehmend das Klima, im Internet wie auf der Straße, selbst in den Familien. Allein, die breite Öffentlichkeit nimmt das bisher kaum zur Kenntnis. Dabei ist es ein gesamtdeutsches Problem, die türkische Community ist kaum mehr zu trennen von der Mehrheitsgesellschaft. In diesem Klima des Misstrauens sollte auch Angela Merkel Klartext sprechen", erwartet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Die Türkei hat Deutschland aufgefordert, Anhänger des Predigers Gülen auszuliefern. Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe sind empört. "Der Wunsch widerspricht nicht nur rechtsstaatlichen Prinzipien, er ist auch der Versuch, die Bundesrepublik politisch auf Linie zu trimmen. Das erfordert eindeutige Signale."

Auch die LAUSITZER RUNDSCHAU hat einiges dazu zu sagen. "Kein Rechtsstaat, keine Auslieferung, das muss in Deutschland die Gleichung sein und bleiben. Sie gilt ja auch bei allen anderen Unrechtsregimen. Ohne rechtsstaatlich ermittelte und vorgetragene Beweise seitens der türkischen Behörden kann es aber auch keine Verfahren gegen angebliche Gülen-Anhänger oder sonstige Regimegegner in Deutschland selbst geben. Nicht einmal Ermittlungen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eine entsprechende Aufforderung des türkischen Generalkonsulats erfreulich schnell zurückgewiesen", hebt die LAUSITZER RUNDSCHAU hervor.

Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG wendet den Blick noch einmal in die USA - und auf den Nominierungsparteitag der Demokraten. "Hillary Clinton hat die bislang wichtigste Rede ihres Lebens gehalten. Und diese Rede war, das ist ihr Glück, zugleich ihre bislang beste. Zum Schluss des Parteitags hat die frisch gekürte Kandidatin erreicht, was sie wollte. Sie hat ihre Demokraten emotional zusammenrücken lassen. Sie hat auch Wählern der Republikaner die Hand gereicht. Und sie hat ein auch auf der Weltbühne wahrnehmbares Zeichen neuer amerikanischer Zuversicht gesetzt", freut sich die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.

Die TAGESZEITUNG aus Berlin ist unzufrieden mit den Anhängern von Clintons bisherigem Konkurrenten Sanders. "Ein paar der Bernie-Ultras scheinen den Knall jedoch noch nicht gehört zu haben. Diese Meute junger Wilder wünscht sich partout einen Sozialisten im Weißen Haus. Sie wollennicht folgen. Sie wollen die politische Revolution. Und zwar jetzt. Sie glauben nicht an Clinton, die Anti­Reformerin und Großspenderfreundin. Bloß: Mit dieser Einstellung werden sie tatsächlich Teil einer politischen Transformation sein, als Steigbügelhalter der Ära Trump nämlich."

Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg sorgt sich, denn Clinton schaffe es nicht einmal gegen einen Gegner wie Trump, in den Umfragen klar vorne zu liegen. "Trump ist inhaltlich auf Themen reduziert, deren Leere er durch laute Worte zu übertünchen weiß. Clinton hat es aber nicht geschafft, ihn zu entlarven, zu entzaubern oder zumindest ihm mit eigenen Themen etwas entgegen zu setzen, das ihr in den Umfragen den Vorteil verschaffen würde, den sie objektiv betrachtet verdient hätte."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU wagt etwas Pathos. "Wenn Amerikas Wählerinnen und Wähler am 8. November entscheiden, wer die Nachfolge von Präsident Barack Obama antreten darf, dann wird das eine Richtungswahl, wie sie das Land in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt hat. Der Ausgang des Duells zwischen Donald Trump und Hillary Clinton wird auch die Frage beantworten, mit welchem Amerika es die Welt in den kommenden vier Jahren zu tun bekommt. Ist es das Amerika, das sich der Angst hingibt und sich einigelt, wie es Trump vorschlägt? Oder ist es das Amerika, das dem Optimismus Vorrang einräumt, wie es Clinton offenbar will? Verlässlicher und vertrauenswürdiger als Trump ist Clinton allemal. Noch 100 Tage, dann steht Amerika vor einer Richtungswahl. Es ist ein Termin, der einen zittern lässt", kommentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Und die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz schlägt die Brücke zurück nach Europa. "Die Trumpisierung komplexer Zusammenhänge ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Insofern ermöglicht der Blick auf den US-Wahlkampf eine Vorahnung auf das, was mit der üblichen zeitlichen Verzögerung auch in Deutschland irgendwann einmal ausgetragen werden könnte."

Bastian Schweinsteiger spielt nicht mehr in der deutschen Fußballnationalelf. Die Zeitung DIE WELT findet, er habe... "... die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Er hat das Land würdevoll repräsentiert, zunächst als unbekümmerter Jungprofi mit gefärbten Haaren, dem Gegenteil des Klischees vom drögen deutschen Fußballer. Und später als ergraute Führungspersönlichkeit. Bundestrainer Joachim Löw kann für die Qualifikation zur WM 2018 in Russland auf eine gewachsene Führungsriege setzen: Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Thomas Müller. Und doch steht Löw ohne Schweinsteiger vor einer Herausforderung. Die jungen Spieler wie Leroy Sane oder Joshua Kimmich müssen bald mehr Verantwortung übernehmen", gibt DIE WELT zu bedenken und schließt: "Lukas Podolski ist nun der Letzte der 'Klasse von 2004'. Auch für ihn dürfte dieses Jahr der optimale Zeitpunkt sein, um seine Karriere in der Nationalelf zu beenden. Schweinsteiger hat es ihm vorgemacht."

Redaktion: Jörg-Christian Schillmöller

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk