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Presseschau 07:05

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24. September 2016Die Presseschau aus deutschen Zeitungen von 07:05 Uhr

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Heute mit Stimmen zur Forderung nach härteren Strafen für Raser, der drohenden Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann und dem Hackerangriff auf den Internetkonzern Yahoo. Zunächst aber der Blick nach Syrien. Die Chemnitzer FREIE PRESSE kommentiert die ergebnislosen Verhandlungen über eine neue Waffenruhe für das Bürgerkriegsland und fragt:

"Und die Vereinten Nationen? Sie sollten an ihre Gründungsidee erinnert werden, dass sie die Funktion einer Weltpolizei übernehmen sollten. In New York trifft sich zurzeit aber leider statt einer wahren Weltgemeinschaft nur ein Kartell der Heuchler und Vertuscher. Denn sähen sich die Mitgliedsstaaten tatsächlich als echte Gemeinschaft, würden sie nicht so egoistisch ihre Eigeninteressen verfolgen. Ihnen würde etwas Konstruktives zur Beendigung der Katastrophe in Syrien einfallen. Es ist beschämend, dass sie sich in fünf Jahren des Mordens und der Kriegsverbrechen nicht einmal auf ein UN-Mandat für eine Intervention in Syrien einigen konnten", kritisiert die FREIE PRESSE.

Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER stellt fest: "So sind die Prognosen für Aleppo und Syrien eher von düsterer Natur. Zumindest so lang sich die UN darauf beschränken, Laster mit humanitären Hilfsgütern in die Krisenregion zu schicken. Wirtschaftsminister Gabriels Besuch in Moskau hat jedenfalls nicht viel ausgerichtet, und so bleibt am Ende doch wieder nur die Hoffnung auf Druck, der aus Washington kommt", bilanziert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.

Der MÜNCHNER MERKUR gibt sich da allerdings skeptisch und fasst zusammen: "Für die Syrer und die ganze Region könnte die Entwicklung kaum schlechter sein: John Kerry ist nur noch ein Außenminister auf Abruf, bis zum Wahltag im November bleibt völlig offen, welche Strategie eine neue US-Regierung verfolgt. Da die Russen eindeutig auf einen Präsidenten Donald Trump bauen, werden sie der verhassten Obama-Administration keinen Erfolg mehr gönnen. Bis November, womöglich sogar bis Januar ist Moskau also an einer Einigung überhaupt nicht interessiert. Zeit, in der sich die syrischen Rebellengruppen weiter radikalisieren werden. Das Sterben dürfte noch lange andauern", prognostiziert der MÜNCHNER MERKUR.

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin beschäftigt sich mit der drohenden Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann. Eigentümer Haub hatte eine letzte Frist zum Finden einer Lösung gesetzt. Dazu stellt der TAGESSPIEGEL fest: "Das Rennen ist offen, eine Etappe aber ist geschafft: Die Supermarktchefs von Edeka, Tengelmann, Rewe und Markant sprechen jetzt plötzlich nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Das war nicht immer so. Zwei Wochen Galgenfrist hat Haub sich und allen Beteiligten gegeben. Kommt am Ende eine Lösung heraus, wäre das gut investierte Zeit" betont der TAGESSPIEGEL.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG gibt zu bedenken: "Eine Rettung des kartellrechtlich höchst bedenklichen Verkaufs der Supermarktkette an den Hamburger Marktführer kann aber nur gelingen, wenn die Wettbewerber Rewe, Markant und Norma ihre Klagen gegen die umstrittene, vom Oberlandesgericht Düsseldorf vorerst auf Eis gelegte Ministererlaubnis zurückziehen. Aber warum sollten sie? Schließlich wollen sie im scharf umkämpften Lebensmittelhandel das Feld nicht Edeka überlassen. Also wird es nicht ohne Zugeständnisse von Haub und Edeka gehen", meint die FAZ.

Einen möglichen Lösungsweg zeigt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG auf. Sie schlägt vor: "Ein anteiliger Verkauf des intakten Filialnetzes an Edeka und Rewe wäre nach dem Widerstand des Bundeskartellamts gegen den Gesamtverkauf an Edeka wettbewerbsrechtlich sauberer. Niemand müsste fürchten, dass ein Gericht die Einigung nachträglich kassiert. Sicher, eine solche Aufteilung auf die beiden Rivalen würde Arbeitsplätze kosten, doch es wären längst nicht so viele wie bei der Totalzerschlagung, mit der Haub droht, sollte es binnen zwei Wochen keine Einigung geben", gibt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG zu bedenken.

Aus Sicht der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG hat der Tengelmann-Eigentümer die falsche Strategie gewählt. Die Zeitung meint: "Mit etwas mehr Geschick hätte Karl-Erivan Haub die Supermärkte von Kaiser's Tengelmann längst verkauft. Und zwar ohne dass dabei viele Mitarbeiter ihre Stellen verloren hätten. Es gab und gibt viele Interessenten vor allem für die attraktiven Standorte. Besitzer Haub versteifte sich aber aus unverständlichen Gründen darauf, alle seine Supermärkte ohne Ausnahme an die Firma Edeka zu verkaufen. Er tat das derart verbissen, dass er die Gelegenheit verpasste, die Märkte in mehreren Paketen an verschiedene Interessenten zu veräußern. Das wäre die beste Lösung für ihn und für die Mitarbeiter gewesen", ist sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sicher.

Die Bundesländer wollen Raser bei illegalen Autorennen wesentlich härter bestrafen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf will der Bundesrat im Bundestag einbringen. Der KÖLNER STADTANZEIGER lobt die Initiative der Länder: "Es ist richtig, dass Raser künftig bis zu zehn Jahre Gefängnis fürchten müssen, wenn sie durch ihre Hirnlosigkeit Menschen schwer verletzen oder töten. Viel zu oft sind die Beschuldigten mit Bewährungsstrafen davongekommen. Die Täter gingen aus dem Gerichtssaal, ohne einen einzigen Tag im Gefängnis verbringen zu müssen. Wen wundert's, wenn Opfer und deren Angehörige so den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren?", meint der KÖLNER STADTANZEIGER.

Die in Ulm erscheinende SÜDWEST-PRESSE spricht von einem längst überfälligen Schritt, fügt aber hinzu: "Bei aller Notwendigkeit des Vorstoßes: Als Abschreckung wird auch die Verschärfung kaum taugen. Am schönen Schein des Ohne-Limit-Lebensgefühls wird das höhere Strafmaß erst kratzen, wenn Verkehrssünder rasch verurteilt werden. Möglich, dass Wiederholungstaten so reduziert werden. Aber erst wenn es schmerzt, kommt die Einsicht", findet die SÜDWEST PRESSE.

"Die Initiative schießt übers Ziel hinaus", meinen dagegen die STUTTGARTER NACHRICHTEN. Die Zeitung führt aus: "Höchststrafen von bis zu zehn Jahren, welche die Länder fordern, sind sicherlich kaum umsetzbar. Schärfere Strafen sind kein Allheilmittel. Sie können auch nur dann durchgesetzt werden, wenn die Polizei genügend Personal für Kontrollen hat. Daran mangelt es. Das Risiko, bei solchen Vergehen ertappt zu werden, muss steigen. Der Ruf nach höheren Strafen löst die Probleme nicht", betonen die STUTTGARTER NACHRICHTEN.

Hacker haben die Daten von 500 Millionen Kunden des Internetkonzerns Yahoo gestohlen - und zwar bereits vor fast zwei Jahren. Aus Sicht der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG sind solche Angriffe Ausdruck einer neuen Normalität. Die Zeitung schreibt: "Während die Industrie geradezu fieberhaft daran arbeitet, jeden Toaster auf der Welt ans Netz anzuschließen, vagabundieren eine stetig steigende Zahl Krimineller und Terroristen, aber auch Spione und Militärs durch die Datenleitungen - immer auf der Suche nach neuen Einfallstoren. Kürzlich haben es Hacker geschafft, eine Milliarde US-Dollar von osteuropäischen Banken zu stehlen - der erste Milliarden-Online-Bankraub der Geschichte. Mehr als die Hälfte aller deutschen Firmen sind voriges Jahr Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden", resümiert die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle. Für sie ist klar: "Die Cyberkrieger sind unter uns, und niemand weiß so genau zu sagen, welchen Schaden sie anderen damit gerade zufügen. Am wenigsten das betroffene Unternehmen selbst, das sich darauf beschränkt, den Imageschaden gering zu halten" beklagt die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG.

Und die BERLINER ZEITUNG ergänzt: "Und so bleibt dem Kunden nichts anderes übrig, als den Ratschlägen derer zu folgen, die meinen, Bescheid zu wissen. Passwort wechseln, Firewalls überprüfen. Das Übliche halt. Hackerangriffe und Datenklau sind eine unumkehrbare Konstante der Realität, in der man Computer benutzt und von diesen benutzt wird. Auswege? Schutz? Derzeit nicht lieferbar", bemängelt die BERLINER ZEITUNG. Und damit endet die Presseschau.

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