Die Eisheiligen
Nach dem Roman Helga M. Novak
Regie: Gabriele Bigott
Mit: Winnie Böwe, Eva Weißenborn, Martin Seifert, Bärbel Röhl, Jens-Uwe Bogadtke
Musik: Falk Breitkreuz (Bassklarinette), Ulf Burkwardt (Violoncello), Tobias Morgenstern (Akkordeon, Klavier), Winnie Böwe (Singstimme)
Ton und Technik: Peter Avar, Venke Decker
RBB 2006
Länge: 54‘22
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg beginnt Sophies Geschichte. Gedächtnissplitter zeigen eine Kindheit, die von Kälte und Lieblosigkeit geprägt ist. Ein Hörspiel über das Verschwinden von Nähe und die Macht der Erinnerung.
Sophie hat Geburtstag, am Tag der heiligen Sophie, der letzten Eisheiligen. „Kaltesophie“ nennt ihre Adoptivtochter sie und setzt ihrer lieblosen Kälte eine verzweifelte Aufsässigkeit entgegen. Es ist das eigene Aufwachsen, von dem Novak in den bruchstückhaften Erinnerungen des Mädchens berichtet. Die Mutter-Tochter-Beziehung beginnt vor dem Kriegsausbruch im Jahr 1939 und reicht über die Jahre des Faschismus hinweg bis zur „neuen Zeit“, in die sich das Mädchen voller Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit stürzt. Eindringlich und ausdrucksstark ist die Sprache der Erinnerungssplitter mit ihren lyrischen und liedhaften Elementen, die in diesem Stück musikalische Entsprechung finden.
Helga M. Novak (1935-2013) war eine deutsch-isländische Schriftstellerin und Hörspielmacherin. Ihre autobiografischen Werke „Die Eisheiligen“ (1979), „Vogel federlos“ (1982) und „Im Schwanenhals“ (2013) sind von einem dokumentarischen Charakter geprägt. Wolf Biermann hielt sie für „die größte Dichterin Deutschlands“, aber Helga M. Novak blieb eine Außenseiterin der deutschen Gegenwartsliteratur.