I kann ned autofahren - und jetzt?!
Episode 1 und 2
Von Elisabeth R. Hager
Regie: die Autorin
Deutschlandfunk 2026
(Wdh. am 07.07.2026, 22.05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur)
Kann man das Patriarchat stürzen, wenn man nicht mal das Auto aus der Garage bekommt? Über das Ende der Bequemlichkeit.
Episode 1: Fahrangst, Abhängigkeitsverhältnisse und Leben in der Provinz
Elisabeth hat ein Talent: Sie kann wortreich analysieren, warum das Patriarchat dringend an ein Ende kommen sollte - während sie sich gleichzeitig seit 25 Jahren von Vater oder Ehemann durch die Welt kutschieren lässt. Ein Arrangement, das in Berlin-Kreuzberg noch als „Arbeitsteilung“ durchging, entlarvt sich nach dem Umzug in die bayerische Provinz als Logistikfalle und Lebenslüge. Denn wer über gläserne Decken schimpft, jedoch bei einer vereisten Windschutzscheibe kapituliert, muss sich fragen: Will ich eigentlich Freiheit, oder will ich nur jemanden, der mich sicher dorthin bringt?
Episode 2: Fahrschule, Selbstermächtigung und bequemer Feminismus
In dieser Sendung bricht Elisabeth ein Tabu: nämlich das der feministischen Bequemlichkeit. Nach und nach erhärtet sich in ihr der Verdacht, dass die Fahrangst womöglich nur die Spitze eines Eisbergs ist, und dass sich unter der Oberfläche noch mehr bittere Wahrheiten verbergen. Es geht um den Luxus der Passivität finanziell, technisch, existenziell. Und den Versuch ihrer Überwindung. Unterstützt von einer engagierten Fahrlehrerin und ihrer 70-jährigen Mutter, die nach einem halben Jahrhundert Beifahrersitz nun ebenfalls den Seitenwechsel wagt, begibt sich Elisabeth auf eine Reise zur technischen Souveränität.
Ein Roadtrip über die Frage: Auf wessen Kosten führen wir unser munteres, präsentables Leben? Und sind wir bereit, den Preis für echte Autonomie zu zahlen - auch wenn das bedeutet, bei Minusgraden im Matsch zu knien und die Schneeketten selbst anzulegen?
Elisabeth R. Hager, geboren 1981, aufgewachsen in Tirol, ist Schriftstellerin und Klangkünstlerin. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Ihr dritter Roman, „Der tanzende Berg“, erschien 2022. Als Teil der Gruppe „Liquid Center“ veröffentlichte sie 2024 den feministischen Kollektivroman „Wir kommen“ zu weiblichem Begehren, Sex und Alter. Zuletzt lief im Deutschlandfunk ihr künstlerisches Feature „GLORIA - Oder: Die erfüllten Wünsche“. Sie lebt mit ihrer Familie zwischen Berlin, den Alpen und Neuseeland.