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Programm: Vor- und RückschauSonntag, 01.03.2026

  • 00:05 Uhr

    Kämpfer für die Republik und Erfinder des politischen Feuilletons.
    Eine Lange Nacht über Ludwig Börne
    Von Claus Leggewie
    Regie: Claudia Kattanek

    Nach Ludwig Börne sind in einigen Städten Straßen und Plätze benannt, ein jährlich in der Frankfurter Paulskirche verliehener Preis trägt seinen Namen. Doch den meisten ist dieser Schriftsteller, geboren 1786 als Juda Löb Baruch, gestorben und begraben in Paris, unbekannt. Die Lange Nacht erinnert an seine Herkunft aus dem Frankfurter Judenghetto, beschreibt seinen Aufstieg zum kämpferischen Republikaner, bringt Essays, Aphorismen und Briefe des „Zeitschriftstellers“ zu Gehör, erörtert die Bedeutung zweier starker Frauen für sein Schreiben und das Überleben des kränkelnden Mannes. Der historische Hintergrund ist die Restaurationszeit, als die Obrigkeit freie Meinungsäußerungen zensierte, Dichter und Schriftsteller verfolgte und sie außer Landes trieb. Darunter Ludwig Börne nach Paris, wo die Julirevolution von 1830 europäischen Republikanern neue Hoffnung gab. Doch auch der Bürgerkönig Louis Philippe leitete eine neue Ära der Restauration ein, in der sich das saturierte Bürgertum hemmungslos bereichern sollte. Damals entstand die „engagierte Literatur“, Börne gilt als einer ihrer Erfinder. In Paris stritt er mit seinem früheren Gefährten und Kollegen Heinrich Heine und mit „Franzosenfressern“, die dem kosmopolitischen Freiheitsdenken deutsch-nationale und judenfeindliche Engstirnigkeit entgegensetzten. Noch in den 1980er Jahren entzündete sich an dem einstigen Frankfurter, der als Universalist das Besondere des Judentums nicht aufgab und sich immer als deutscher Patriot fühlte, ein heftiger Streit um die Gestaltung des Platzes, der heute seinen Namen trägt. Und wie aktuell ist der Aphorismus Börnes: Die öffentliche Meinung ist die unsichtbare Rüstung des Volkes?

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr   Klassik live

    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Sinfonie Nr. 3 a-Moll, op. 56

    Gürzenich-Orchester Köln
    Leitung: Andrés Orozco-Estrada

    Aufnahme vom 4.4.2024 in der Philharmonie Köln

    03:05 Uhr   Heimwerk

    Le Violoneux · Le 66

    Jacques Offenbach
    "Le 66". Operette in einem Akt

    Sandrine Buendia, Sopran
    Pierre-Antoine Chaumien, Tenor
    Armando Noguera, Bariton
    Kölner Akademie
    Leitung: Michael Alexander Willens

  • 06:05 Uhr

    Neues Gesetz zum Heizen: Koalition wirft Klimaschutz über Bord
    Von Ann-Kathrin Büüsker

  • 06:10 Uhr

    Georg Philipp Telemann
    "Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen". Kantate zum Sonntag Reminiscere für Soli, Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo, TWV 1:777
    Gutenberg Soloists
    Leitung: Felix Koch

    Jan Pieterszoon Sweelinck
    Fantasie für Orgel F-Dur, PD 55
    Peter van Dijk, Orgel

    Johann Christoph Pepusch
    Magnificat für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
    Ciara Hendrick, Sopran
    Alex Potter, Countertenor
    Hugh Cutting, Countertenor
    Nicholas Mulroy, Tenor
    Vitali Rozynko, Bass
    The Girl Choristers of Canterbury Cathedral
    The Harmonious Society of Tickle-Fiddle Gentlemen
    Leitung: Robert Rawson

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen
    Spanien vergibt Goya-Filmpreise

    Gehört Israel zu Europa? Ein Interview mit dem Ex-Botschafter Israels in Deutschland, Shimon Stein

    Zwischen Widerstand und Tradition. Geschichte der Wiederbewaffnung. Ein Interview mit dem Historiker Jost Dülffer

    07:50 Uhr   Kulturpresseschau

    Kulturpresseschau - Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Diplomatie oder Krieg? Die USA und der Iran. Ein Interview mit der Leiterin des Nahostreferats der Heinrich Böll-Stiftung, Bente Scheller

    Denk ich an Deutschland: die Schriftstellerin Juli Zeh

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Blüten und Brüche
    Das japanische Kirschblütenfest als religiöses Event
    Von Pfarrer Bertram Schirr
    Evangelische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 125 Jahren: Die Wuppertaler Schwebebahn wird eröffnet

  • 09:10 Uhr

    Kammermusik

  • 09:30 Uhr

    Unverdienter Reichtum
    Die Erbschaftssteuer als politisches Instrument
    Von Jens Beckert

    Sobald es um die Erbschaftssteuer geht, steigt die gesellschaftliche Empörungskurve. Wachsende Ungleichheit bei steigendem staatlichem Finanzbedarf scheinen nach einer stärkeren Belastung der Erben zu rufen.

    Die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft des Mittelstands steht auf der anderen Seite. Die Erbschaftsteuer ist seit über 100 Jahren politisch stark umstritten, da sie zentrale Konfliktlinien liberaler Gesellschaften berührt: das Verhältnis von Staat und Familie, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die Legitimität von Vermögen und politische Macht.
    Trotz hoher ererbter Vermögen ist das Steueraufkommen aus Erbschaften gering, die Debatte darum ist jedoch symbolisch überfrachtet. Reformen gelten schon wegen der wachsenden Ungleichheit und begrenzten fiskalischen Spielräumen als notwendig, sind aber schwer durchsetzbar: Wirtschaftsverbände und bürgerliche Parteien warnen vor Gefahren für Unternehmen, linke Parteien fordern höhere Belastungen großer Vermögen.
    Die emotional aufgeladene Auseinandersetzung steht allerdings im Missverhältnis zur begrenzten Wirkung der Steuer. Realistisch kann sie nur einen kleinen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben leisten und ein Signal verteilter Verantwortung senden.

    Jens Beckert lehrt Soziologie an der Universität Köln und ist Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Seine Schwerpunkte sind die soziale Einbettung der Wirtschaft, die Soziologie des Marktes sowie die Klimasoziologie. Für seine Forschungen erhielt Jens Beckert 2018 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Mit „Imaginierte Zukunft: Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus“ hat er im selben Jahr ein wichtiges Grundlagenwerk vorgelegt. Sein jüngstes Buch „Verkaufte Zukunft - Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht“ (2024) war nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Herxheim
    Zelebrant: Pfarrer Arno Vogt
    Katholische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin, CDU

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Im Dschungel von Rio de Janeiro

    Unterwegs im Mekong Delta

    Erfurt - die Stadt des Gartenbaus

    König Karls deutsche Siedlungen in der Sierra Morena


    Am Mikrofon: Laura Kingston

  • 13:05 Uhr
  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Der Schriftsteller und Künstler Richard Schuberth im Gespräch mit Joachim Scholl

    Er schreibt in vielen Gattungen, zeichnet, komponiert und führt Regie: Der Österreicher Richard Schuberth, Jg. 68, ist ein Allround-Talent. Sein jüngster Roman „Der Paketzusteller“ spielt in der Welt der sozialen Medien und wird allseits gefeiert.

  • 15:05 Uhr

    Das Magazin - Neues aus der Szene
    Am Mikrofon: Tim Schauen

  • 16:10 Uhr

    Buch der Woche

    Michael Wildenhain: „Das Ende vom Lied“
    (Klett-Cotta Verlag)
    Ein Beitrag von Michael Schmitt

    Am Mikrofon: Wiebke Porombka

  • 16:30 Uhr

    KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag

    Künstliche Intelligenz und Pop - Wie KI-Songs die Musikbranche verändern
    Einse Sendung von Ralf Krauter und Maximilian Brose

    Ein Prompt und fertig ist der Song. Dank Tools wie "Suno" kann mittlerweile Jeder eigene Musikstücke produzieren. Solche KI-Kompositionen fluten gerade die großen Musikplattformen - und sorgen bei echten Künstlern für Frust und Probleme. Ralf und Maximilian machen beide selbst Musik und wollen wissen, wie sich KI-generierte Tracks auf die Musikwelt auswirken.

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

    Vorreiter für migrantische Stimmen auf deutschen Bühnen - Sesede Terziyan, langjähriges Ensemble-Mitglied am Maxim Gorki-Theater in Berlin, über postmigrantisches Theater im Gespräch mit Barbara Behrendt

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    Das schlaue Füchslein -
    Ted Huffman inszeniert an der Lindenoper Janáček

    "Isidor. Ein jüdisches Leben" -
    Philipp Stölzl inszeniert nach dem Roman von Shelly Kupferberg an der Wiener Burg

    "The Histories" -
    Erste große Ausstellung von Kerry James Marshall in Europa

    Wo bleibt die "Meinungsfreiheit"?
    Zur Zukunft der Berlinale

    Am Mikrofon: Antje Allroggen

  • 18:10 Uhr
  • 18:40 Uhr

    Lohngerechtigkeit - Was gegen den Gender Pay Gap helfen soll

  • 20:05 Uhr

    Reihe: 18 Plus!
    SPEARA
    Mit einem Atemzug in die Tiefe
    Von Florian Baron
    Regie: der Autor
    mit: Mitsuki Hara, Jaquelin Klaiber, Wakako Takahashi, Kelvin Solchin, Rich German, Matthew Wheaton
    Es sprachen: Julia Ueno Strowski, Nina Weniger, Akiko Hitomi, Max Urlacher, Marian Funk und Milad Kuhpai
    Regieassistenz: Asssunta Alegiani
    Ton und Technik: Lukas Wilke
    Komposition: Jana Ilmert
    Redaktion: Katrin Moll
    Deutschlandfunk 2026
    Länge: ca. 54'40

    Mitsuki Hara ist Weltrekordhalterin in der Disziplin des Speerfischens. In einer männerdominierten Subkultur kämpft sie für Selbstbestimmung, Respekt und Nachhaltigkeit.

    Ohne Flasche, ohne Netz - nur mit einem Atemzug, einer Harpune und dem Wissen um die Natur taucht Mitsuki Hara in die Tiefe. Hinter ihr liegt ein Weg voller Hindernisse. Aufgewachsen in Japan in schwierigen Familienverhältnissen, wäre sie als Kind beinahe ertrunken. Doch die spätere Begegnung mit der Schönheit des Ozeans wurde zu einer transformierenden Kraft, die ihr half, persönliche und emotionale Hürden zu überwinden. Im Speerfischen fand sie nicht nur Stärke, sondern auch eine Gemeinschaft, die ihr die Unterstützung bot, die sie in ihrer Kindheit vermisste. Trotz der Gefahren dieses Sports wurde er mit seiner engen Verbindung zur Natur zu einem wichtigen Teil ihres Heilungsprozesses - und führte sie schließlich zu zwei Weltrekorden im Speerfischen.
    Heute lebt sie in Kalifornien und hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Sie ist Jägerin, doch es geht um mehr als nur den Fang: Es geht um Selbstbestimmung und schließlich auch um Nachhaltigkeit. Denn Mitsuki Hara ist auch Köchin. Aus Respekt vor dem Tier, das sie tötet, verwertet sie beim Kochen jeden Teil des Fisches. Ihr achtsamer und nachhaltiger Umgang mit der Natur findet seinen Ausdruck in dem japanischen Dank, den sie vor dem Essen mit ihren Freunden spricht: Itadakimasu - „Ich empfange dieses Essen in Ehrfurcht“. Das Feature begleitet eine junge Frau, die mit jedem Tauchgang unsere Beziehung zur Natur, zum Essen und zu uns selbst hinterfragt.
    „SPEARA“ wurde in 3D produziert.

    Florian Baron, geboren 1984 in Berlin, ist ein deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent. Von 2004 bis 2006 lebte er in Japan, wo er an Film- und Videokunstwerken arbeitete, anschließend studierte er Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf. 2013 war er Stipendiat des DAAD in den USA und drehte zusammen mit Kameramann Johannes Waltermann eine Langzeit-Dokumentation über junge Kriegsveteranen in Pittsburgh. 2018 wurde ihr Film „Joe Boots“ für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert und mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis ausgezeichnet. Der Langfilm „Stress“ wurde mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet. Er ist Gründer der Produktionsfirma RAENDROP Film (2020, mit Johannes Waltermann) und war 2023 Stipendiat der Villa Aurora.

  • 21:05 Uhr

    Kammermusikfest Spannungen 2025

    Gustav Mahler
    Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier a-Moll [Fragment]

    Ethel Smyth
    Sonate für Violine und Klavier a-Moll, op. 7

    Luciano Berio
    Folk Songs (Auswahl) für Mezzosopran und sieben Instrumente,
    arrangiert von Hans-Kristian Kjos Sørensen für Violine, Viola und Schlagzeug

    Dmitri Schostakowitsch
    Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello g-Moll, op. 57

    Hyeyoon Park, Violine
    Christian Tetzlaff, Violine
    Hana Chang, Violine
    Elisabeth Kufferath, Violine und Viola
    Barbara Buntrock, Viola
    Jan Larsen, Viola
    Tanja Tetzlaff, Violoncello
    Krzysztof Michalski, Violoncello
    Mario Häring, Klavier
    Danae Dörken, Klavier
    Hans-Kristian Kjos Sørensen, Schlagzeug

    Aufnahme vom 21.6.2025 aus dem Kraftwerk Heimbach

    Am Mikrofon: Marie König

    Historische Ereignisse prägen Kompositionen. Wer sie heute hört, lauscht zugleich der Vergangenheit.

    Musik habe die „einmalige Fähigkeit, das geschichtlich Eingefrorene aufzutauen“, schreibt der US-amerikanische Musikhistoriker Jeremy Eichler in seinem Buch „Das Echo der Zeit“. Für Christian Tetzlaff, künstlerischer Leiter des Kammermusikfestes Spannungen, ein überzeugender Gedanke und treffendes Motto für die Festivalausgabe 2025. In diesem Konzertmitschnitt ragt das Klavierquintett von Dmitri Schostakowitsch heraus, in dem sich seine bedrückende Lebensrealität unter Stalin spiegelt. Auch in Ethel Smyths Violinsonate klingt ihre Zeit nach: 1887 komponiert, blitzen Brahms-Anklänge ebenso hervor wie impressionistische Farben. Als Komponistin jener Epoche musste sie sich den Vorwurf gefallen lassen, „zu feminin“ zu schreiben. Sie ging ihren Weg unbeirrt weiter.

  • 23:05 Uhr