Helga Schubert liest aus und spricht über ihr Buch „Vom Aufstehen" (1/2)
(Teil 2 am 12.5.2021)
„Mein Vater ist am 5. Dezember 1941 abends um neunzehn Uhr auf einem vereisten toten Arm der Wolga von einer Handgranate zerrissen worden und war sofort tot“, schreibt Helga Schubert in ihrem neuen Buch und konstatiert: „Es ist ein Trauma meines Lebens.“ Von traumatischen und irritierenden Ereignissen berichtet dieses „Leben in Geschichten“, vom schwer aushaltbaren Alltag in der DDR, von den Verboten und Bespitzelungen, von Suiziden, Abschieden, von Um- und Einbrüchen, von Kompliziert-Komplexen. Gegen dieses Allzuviel der Jahrzehnte setzt Helga Schubert ihre konzentrierte, klare Sprache, die auf jeder Seite erinnert, dass hier nicht vom Aufgeben, sondern dem entgegengesetzt „Vom Aufstehen“ berichtet wird.
Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, studierte an der Humboldt-Universität Psychologie. Sie arbeitete als Psychotherapeutin und freie Schriftstellerin in der DDR und bereitete als Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches die ersten freien Wahlen mit vor. Nach zahlreichen Buchveröffentlichungen zog sie sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte „Vom Aufstehen“ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann.