Steuererklärung, Uni-Arbeiten - Warum Menschen Aufgaben chronisch aufschieben?
Einblicke in die Prokrastinationsforschung - Kollegengespräch mit Michael Stang über Ursachen, Verbreitung und Therapieansätze des Aufschiebens
„Die schlimmste Zeit meines Lebens“ - Leidensdruck durch aufgeschobene Hausarbeiten und Lernen von Bewältigungsstrategien in Uni-Workshops
Am Mikrofon: Dörte Hinrichs
Bei den einen ist es die Steuerklärung, bei anderen die Hausarbeit im Studium - fast jeder schiebt hin und wieder unliebsame Aufgaben vor sich her. Kritisch wird es, wenn Termine nicht eingehalten und dadurch berufliche oder finanzielle Nachteile entstehen. Personen, die krankhaft aufschieben und darunter leiden, prokrastinieren - so der Fachbegriff. Mindestens 10% der Menschen sind davon betroffen. Die meisten schämen sich dafür, werden häufig für faul gehalten. Dabei liegen die Ursachen tiefer: Leistungsdruck und Versagensängste können eine Rolle spielen, es kann auch Symptom einer Depression oder ADHS sein. Therapeutische Hilfe für chronische Aufschieber gibt es inzwischen z.B. an vielen Hochschulen, wo Workshops angeboten werden, die regelmäßig ausgebucht sind. Studien zeigen, dass die Möglichkeiten zunehmen zu prokrastinieren, weil es immer mehr Tätigkeiten gibt, wo man sich selber organisieren muss und wo eine Selbst-Steuerung nötig ist. Und wenn ständig neue Nachrichten auf dem Handy aufploppen, ist die Ablenkungsgefahr groß. Betroffene und Therapeuten geben Einblick in den Alltag des Aufschiebens und seinen oft gravierenden Folgen, und in Methoden, um das Prokrastinieren in den Griff zu bekommen.