Clara Leinemann spricht über und liest aus „Gelbe Monster“
Die Mathematik-Promovendin Charlie möchte Abbitte leisten. Sie ist hochbegabt und schwer gestört, hypersensibel und nah an der Borderline. Sie ist eine rundum faszinierende junge Frau - allerdings ist sie auch gewalttätig. Jetzt sitzt Charlie mit Blessuren im Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe und will im Kreise Gleichgesinnter an ihren Ausbrüchen arbeiten: „Sie würden über Formen von Gewalt sprechen, über Macht und Kontrolle, über Signale, Gewaltzyklen, Konfliktverhalten, Emotionsregulation, weibliche Rollenbilder, das Selbstverständnis in Beziehungen, Elternschaft, Angst, Demut, Emanzipation.“ In Vor- und Rückblenden rekonstruiert Charlie ihre Amour fou mit dem ungefähr gleichaltrigen Valentin, einem angehenden Schriftsteller und Aushilfsbuchhändler, der ihr wie eine bessere Version ihres eigenen fragilen Selbst vorgekommen ist - und sie gleichzeitig in einen Abwärtsstrudel gezogen hat. „Gelbe Monster“ ist eine literarische Auseinandersetzung mit Gewalt und psychischer Devianz, mit Liebessucht und Destruktion - und im Vorübergehen eine leicht verdauliche Einübung in Ambiguitätstoleranz, eine der nötigsten Fähigkeiten dieser unüberschaubaren 2020er Jahre.
Clara Leinemann, geboren 1994 in Köln, studierte Kreatives Schreiben in Hildesheim und schreibt Prosa-, Dramen- und Hörspieltexte. Ihr Theaterstück „Buddeln“ wurde mehrfach ausgezeichnet und sowohl in Deutschland, als auch in den Niederlanden gespielt. Für ihre Arbeit erhielt Leinemann verschiedene Stipendien, darunter das Berliner Senatsstipendium und das Arbeitsstipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Arbeit. Sie lebt in Berlin und ist nominiert für den lit.COLOGNE-Debütpreis 2026.