Außergewöhnlich vielseitig
Der italienische Dirigent Giuseppe Sinopoli
Am Mikrofon: Christoph Vratz
Archäologe, Psychiater, Komponist und Dirigent - bei Giuseppe Sinopoli, der 1946 in Venedig zur Welt kommt, liefen viele ungewöhnliche biografische Fäden zusammen. In ihm, dem promovierten Mediziner und weltweit gefragten Musiker, loderte zeitlebens die Flamme eines Forschergeistes, der nie an sein Ziel gelangt. Sinopoli suchte immer nach dem Wesenskern, auch in der Musik. Er konnte japanische Haiku oder europäische Gedichte der Romantik aus dem Stand auswendig rezitieren, über altgriechische Kunst sprechen, spontan Kochrezepte erfinden - und gegenüber seinen Orchestern mit Inbrunst über die Werke philosophieren, die er gerade einstudierte. Als er 1980 in der Deutschen Oper Berlin Verdis „Macbeth“ dirigierte, bedeutete dies den Beginn einer internationalen Karriere. Fügung des Schicksals: Genau 21 Jahre später endete diese außergewöhnliche Laufbahn eben dort im Orchestergraben und erneut mit Verdi. Während einer „Aida“-Aufführung erlag Sinopoli einem plötzlichen Herzstillstand.