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StartseiteKultur heuteEndlich mal erklärt20.03.2020

Spezialwissen der KulturEndlich mal erklärt

Postdramatik? Nie gehört. Dystopie? Keine Ahnung. Jede Kulturszene pflegt ihre Fachausdrücke, weil sie griffig sind und zutreffend. Wir erklären endlich mal die Begriffe der Spezialsprachen und antworten auf Fragen, die man sich vielleicht nicht zu stellen traut. Denn Arroganz war gestern.

Eine Brille liegt auf den aufgeschlagenen Seiten eines Wörterbuchs (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch)
Viele Begriffe aus Kunst und Kultur haben sich seit ihrer Entstehung in der Bedeutung verändert (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch)

Wer mit Fachbegriffen nur so um sich schmeißt, tut das oft aus Pragmatismus, manchmal aus Gedankenlosigkeit, im schlimmsten Fall aus Überheblichkeit. Denn nur Insider wissen sofort, was gemeint ist. Andere haben höchstens eine vage Ahnung. Wer ein Museum besucht, steht womöglich ungeahnt in einem "White Cube". Und wer in der Oper den Spitzentönen der Sopranistin lauscht, muss noch lange nicht die Herkunft des Begriffes "Primadonna" kennen.

Wir blättern durch die Glossare der Profisprachen aus Kunst und Literatur, Tanz, Musik und Theater, Architektur und Film – und lassen uns von den "Kultur heute"-Expertinnen und -Experten endlich mal erklären, worum es eigentlich geht.

Außerdem erläutern sie uns die Selbstverständlichkeiten ihrer Ressorts: den roten Teppich vor dem Filmpalast, die dünnen Tänzerinnen und Tänzer im Ballett, den frenetischen Applaus am Ende des Konzertes. Was steckt dahinter? Welche Geschichten erzählen diese Konventionen?

Es ist also Zeit für die grundlegenden Fragen, die wir mit Neugier, Offenheit und einer gesunden Portion Respektlosigkeit stellen.

Anna Netrebko (Staatsoper Berlin / Vladimir Shirokov) (Staatsoper Berlin / Vladimir Shirokov)Was ist eine Primadonna?
Die Bezeichnung Primadonna meinte die erste Dame und wichtigste Sängerin einer Oper. Heute hat die ursprünglich ganz objektive Bezeichnung einen negativen Beigeschmack – seit Primadonnen nicht mehr nur auf der Bühne zu finden sind.

Ein Ausstellungsraum gefüllt mit Menschen und mit Zitronenbäumen die aus Holzkisten wachsen. (Imago / Christian Grube) (Imago / Christian Grube)Was ist ein White Cube?
Seit der Moderne gilt der weiße, leere Ausstellungsraum vielen als idealer Ort, um Kunst zu zeigen. Der sogenannte White Cube ist inzwischen omnipräsent – aber auch heftig umstritten.


Leere Theaterbühne mit rotem Vorhang. (imago / AGB Photo) (imago / AGB Photo)Was ist Postdramatik?
Der Begriff Postdramatik gehört zum festen Instrumentarium eines jeden Theaterkritikers, Dramaturgen und Theaterwissenschaftlers.


Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (picture alliance / AP / Invision / Arthur Mola) (picture alliance / AP / Invision / Arthur Mola)Was ist eine Dystopie?
Dystopien beschreiben eine ungünstige Entwicklung unserer Gesellschaft. Sie tauchen meistens in Zeiten des Umbruchs auf. Der gegenwärtige Boom des Genres wird stark von der Jugendliteratur beeinflusst.

Judah Ben Hur (Jack Huston) und der weise Scheich Ilderim (Morgan Freeman) in dem Blockbuster "Ben Hur"  (Imago / Zuma Press) (Imago / Zuma Press)Was ist ein Blockbuster?
Spaß und Spannung, Herzschmerz und Action. Damit es ordentlich in der Kinokasse klingelt, sollte für jeden und jede etwas dabei sein. Filme, die nicht nur kleine Zielgruppen, sondern die sprichwörtliche ganze Familie anlocken, nennt man "Blockbuster". 

Musiker mit Querflöten und Notenständern in einem Orchester. (imago / Blickwinkel) (imago / Blickwinkel)Was ist ein Probespiel?
Das Probespiel ist das Nadelöhr, durch das sich jede Orchestermusikerin und jeder Orchestermusiker zwängen muss. Dabei ist es egal, wo sie mitspielen wollen: Das musikalische Vorstellungsgespräch ist obligatorisch.

Digitaler Operationssaal (imago / Arnulf Hettrich) (imago / Arnulf Hettrich)Was ist ein Hospital?
Mehr als ein Jahrtausend beherrscht die Institution die europäische Krankenpflege: als Teil von Klöstern, als private Stiftungen für die Versorgung von Reisenden, Gästen, Pilgern, Kranken, Armen.

   (dpa/ picture alliance/ MAXPPP) (dpa/ picture alliance/ MAXPPP)Was ist ein Trompe-l’œil?
Gemalte Weintrauben, nach denen echte Vögel picken: Trompe-l’œil bedeutet "Augentäuschung" und bezeichnet eine illusionistische Kunst, die die Wahrnehmung herausfordert und dazu einlädt, über das Verhältnis zur Wirklichkeit nachzudenken.

Am 5. Oktober 2009 zeigte die Truppe von Pina Bausch in Kairo die Tanzstücke  "Le Sacre du Printemps" and "Bamboo Blues"' in Kairo. (EPA/Mohamed Omar/ dpa/picture-alliance) (EPA/Mohamed Omar/ dpa/picture-alliance)Was ist eigentlich Tanztheater?
Die Tänzer raufen sich die Haare, stapfen durch Wasserpfützen auf der Bühne, malen, singen oder pflücken Blumen: das moderne Tanztheater blüht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anstelle traditioneller Bewegungen treten experimentelle, theatrale Ausdrucksformen.

Szene aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" im Deutschen Nationaltheater in Weimar − ein Klassiker seit Goethes Zeiten (dpa / picture alliance / Martin Schutt) (dpa / picture alliance / Martin Schutt)Was hat die Oper mit dem echten Leben zu tun? 
Menschen, die einander ansingen statt zu reden, seltsame Kostüme und Bühnenwelten – die Oper ist ein absurdes Ding, sagte Richard Strauss. Und trotzdem gehen Menschen hin. Irgendwas muss das Musiktheater mit dem Leben zu tun haben – aber was?

Links das Werk "Fountain" von Marcel Duchamp, rechts ein Werk namens "Hummer-Telefon" von Salvador Dalí (London News Pictures via ZUMA) (London News Pictures via ZUMA)Warum ist ein Urinal Kunst? 
Ein handelsüblicher Gegenstand in einer Ausstellung im Museum, und dann noch ein triviales Pinkelbecken aus Porzellan? Muss auch möglich sein, fand der Künstler Marcel Duchamp – und erfand vor rund 100 Jahren mit der Arbeit "Fountain" das "Readymade".

Eine Schauspielerin isst im Theaterstück "Fettes Schwein" in der Komoedie am Kurfuerstendamm Berlin ein Gericht mit Stäbchen (picture alliance / EventpressHoensch) (picture alliance / EventpressHoensch)Warum sind Theaterleute abergläubisch?
Trage auf der Bühne niemals deinen eigenen Mantel oder Hut. Iss niemals auf der Bühne, es sei denn es gehört zur Szene. Der weit verbreitete Aberglaube in Theaterhäusern findet in solchen Regeln Ausdruck, doch woher stammt er?

Star Trek, Raumschiff Enterprise (imago / United Archives) (imago / United Archives)Haben Computer das Kino verbessert?
Von Anfang an hat das Kino versucht, mit Tricks auch Bilder zu erzeugen, die es in der Wirklichkeit nicht gibt. Seit Ende der 1970er-Jahren werden dafür Computer eingesetzt - und sind heute nicht mehr wegzudenken. Hat das den Filmen gut getan?

Auf dem Foto sieht man einen Scheinwerfer, auf einen roten Theater-Vorhang gerichtet. (picture alliance / Tetra Images) (picture alliance / Tetra Images)Braucht das Theater noch einen Vorhang? 
Manchmal ist er zu Beginn schon offen. Manchmal gibt er den Blick auf die Bühne erst frei, wenn das Publikum sitzt – und ziemlich häufig ist er rot. Inzwischen ist der Theatervorhang oft selbst Teil der Inszenierung.

Ballettschuhe (imago / Westend61) (imago / Westend61)Ist Spitzentanz noch zeitgemäß? 
Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt der Spitzentanz als hohe Schule der Ballettkunst. Die moderne Tanzforschung sieht in der grazilen scheinbaren Schwerelosigkeit aber auch die Vermittlung eines tradierten Frauenbildes.

Der Siegerentwurf für ein Museum der Moderne in Berlin der Schweizer Architekten von Herzog & de Meuron, wird am 17.11.2016 bei der Eröffnung einer Ausstellung im Kulturforum in Berlin präsentiert. (Ralf Hirschberger/dpa) (Ralf Hirschberger/dpa)Sind Architekturwettbewerbe überhaupt sinnvoll? Architekturwettbewerbe garantieren künstlerische Qualität. Zumindest sehen das viele Architekten so. Oft dominieren Streitereien die Arbeit. Könnte man Architekturwettbewerbe nicht demokratisieren?

Eine Frau betrachtet im Pariser Picasso-Museum Gemälde des Künstlers (Kathrin Hondl) (Kathrin Hondl)Können gute Maler auch schlechte Bilder malen? 
"Schmierereien" – so war das nahezu einhellige Urteil der Zeitgenossen über Picassos späte Gemälde. Gute Bilder, schlechte Bilder? Der Werte-Kanon der Kunst wird immer wieder neu diskutiert.

Ken-David Masur dirigiert mit ausgestrecktem Arm und Taktstock (Beth Ross Buckley) (Beth Ross Buckley)Brauchen Orchester wirklich Dirigenten? 
Komponistenwille oder eigene Interpretation: Was geben DirigentInnen ans Orchester weiter? Und können die Musiker die "Zauberflöte" und "Carmen" nicht ohnehin längst auswendig?

Eine junge Frau schreibt an einer alten Reiseschreibmaschine. (Étienne Roeder) (Étienne Roeder) Ist die Schreibblockade nur eine Modeerscheinung? Wer schreibt, kennt das Gefühl: Kein Wort findet aufs Papier oder in die Tastatur. Bei manchen Autoren und Autorinnen dauert eine solche Schreibblockade Jahrzehnte – und das nicht erst, seit das Internet immer mehr Text verlangt.

Regisseur Dominik Büttner beim Proben mit Darstellern. (Deutschlandradio/Gabi Schlag) (Deutschlandradio/Gabi Schlag)Ist die Regisseurin wichtiger als der Autor? Was auf die Bühne kommt, kann aus verschiedenen Gründen gar nicht immer genau das sein, was einst als Stück geschrieben wurde. Manchmal überlassen die AutorInnen die Umsetzung sogar ganz bewusst den RegisseurInnen.

Arbeiter verlegen den Roten Teppich vor dem Berlinale Palast in Berlin. (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier) (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier)Muss der Teppich vor dem Filmpalast rot sein? Egal ob Oscar-Verleihung, Filmfestspiele in Berlin oder große Filmpremiere: Stars präsentieren sich in großer Garderobe für die Kameras und laufen über den Roten Teppich. Aber warum ist der Teppich eigentlich rot? Eine profane und eine poetische Antwort.

Mitglieder der Martha Graham Dance Company (USA) tanzen während einer Fotoprobe am Freitag (04.07.2008) auf der Bühne der Staatsoper in Berlin. (picture alliance / Soeren Stache) (picture alliance / Soeren Stache)Müssen Tänzer und Tänzerinnen eigentlich dünn sein? 
Tanz ist an den Körperbau der Ausführenden gebunden. Der Leib ist das Instrument. Bislang galt ein schmaler Körper als Ideal für den Tanz. Doch andere Körperformen öffnen neue Möglichkeiten des Ausdrucks.

Eis-Installation des Künstlers Olafur Eliasson zur Klimakonferenz 2015 in Paris (imago stock&people/PanoramiC) (imago stock&people/PanoramiC)Wie moralisch ist die Kunst? 
Die Gegenwartskunst ist hochpolitisch – und wird oft nach moralischen Kriterien bewertet. Dabei ist die Kunst ein Raum der Freiheit – und viele Künstler verstehen sich als Tabubrecher. Wie passt das zusammen?

Der peruansiche Operntenor Juan Diego Flórez singt bei der Eröffnung der Pan-American Games in Lima, 2019 (AFP / Cris Bouroncle) (AFP / Cris Bouroncle)Warum ist das hohe C so gefürchtet? 
Der Ton gilt als große Herausforderung für jeden Tenor. Technisch gesehen handelt es sich um das dreigestrichene c, das eigentlich etwas über der Grenze für Tenöre liegt. Aber wie ist der Kult ums hohe C entstanden?

Ein Hinterhof im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg. (imago stock&people) (imago stock&people)Waren Mietskasernen wirklich so schlimm?
So genannte Mietskasernen hatten einen schlechten Ruf, denn der enge Wohnraum bot kaum Platz für Licht, Luft und Privatsphäre. Die Armenbehausung von einst ist jedoch heute unter Wohlhabenden beliebt.

Klatschende Hände auf dem Außerordentlichen Landesparteitag der SPD Thüringen in Erfurt 2014 (imago images / Karina Hessland) (imago images / Karina Hessland)Und? Darf ich jetzt klatschen? 
Wenn Künstlerinnen und Künstler fertig sind, ist es Zeit für das Publikum. Dank und Anerkennung drückt es mit lautem Beifall aus. Doch die Verzückung hat auch ihre Grenzen. Besonders im Konzertsaal pochen Kenner auf die Applaus-Regeln.

Die Oper in Brüssel bei einer Premiere am 24.Oktober 2014.  (Imago/Belga) (Imago/Belga)Warum sitzt das Orchester im Graben?
Man hört es, sieht es aber nicht: Das Orchester verschwindet im Graben und bietet freie Sicht auf die Sängerinnen und Sänger. Wegen Wagners Klangwucht wurde zum ersten Mal ein Orchester tiefergelegt. Inzwischen besitzt jedes Opernhaus einen Graben.

Ein leerer Stuhl steht auf einer Theaterbühne. (Arno Burgi/dpa-Zentralbild) (Arno Burgi/dpa-Zentralbild)Was machen eigentlich Dramaturgen?
Was ein Dramaturg macht, weiß er wahrscheinlich selbst nicht so genau. Auf alle Fälle ist es viel zu viel und in zu kurzer Zeit.



"The End" - Früher wurde "The End" am Ende des Films eingeblendet (Deutschlandradio / Jörg Biesler) (Deutschlandradio / Jörg Biesler)Gibt es das perfekte Filmende?
"Ein Film hat einen Anfang, eine Mitte, und ein Ende – aber nicht notwendig in dieser Reihenfolge." So hat der Regisseur Jean-Luc Godard die Frage nach dem Ende eines Films beantwortet. Das Ende ist demnach auch ein filmisches Mittel.

((c) Pietro Pellini )(Pietro Pellini) ((c) Pietro Pellini )Haben Kunstakademien heute noch einen Sinn? Den eigenen Weg zu finden, das ist für viele Künstlerinnen und Künstler eine Lebensaufgabe. Reines Faktenwissen hilft da nicht viel. Deshalb ist das Studienfach Freie Kunst an den Akademien und Hochschulen eine historische Errungenschaft.

Eine Bücherwand. (imago images / imagebroker) (imago images / imagebroker)Warum ist gute Literatur oft so kompliziert? Das Einfache und Offensichtliche erweitert selten den Horizont – das ist in der Literatur nicht anders als im Leben. Interessant, manchmal sogar beglückend werden Texte oft erst, wenn sie hinter das Wirkliche schauen.

Die ivorische Tanzgruppe "Les pieds dans la mare" mit ihrem Stück "Ma vie en rose" zu Gast in Berlin-Spandau.  (Patryk Sebastian Witt ) (Patryk Sebastian Witt )Müssen tanzende Schwäne wirklich weiß sein? Der klassische Schwan im "Schwanensee" ist weiblich und weiß. Ist dieses Klischeebild noch zeitgemäß? Der Direktor des Balletts von Monte-Carlo sagte kürzlich, er könne diese Frage nicht beantworten.

Undatiertes Foto: Der Theaterkritiker Friedrich Luft am Schreibtisch (picture-alliance / akg-images) (picture-alliance / akg-images)Wozu dient eigentlich Theaterkritik? Wer kritisiert, meckert nicht zwangsläufig. Eine Theaterkritik kann durchaus auch eine Lobeshymne sein. Aber Verrisse schreiben sich schneller und besitzen höheren Unterhaltungswert. Kritiker*innen liefern eine zusätzliche Perspektive.

Der US-amerikanische Schauspieler Sylvester Stallone als knallharter Kämpfer in "Rambo III". (picture alliance/dpa) (picture alliance/dpa)Wo ist dasMännerunterhemdenkino geblieben? Das Männerunterhemd ist eine proletarische Insignie. Im Kino gerne getragen von Actionhelden wie Sylvester Stallone oder Bruce Willis. Doch die Zeiten dieses Kleidungsstücks sind zumindest auf der Leinwand offenbar vorbei.

Häuserfront (AP) (AP)Warum ist die Traufhöhe so wichtig? Wo das Wohnhaus endet und das Dach beginnt, liegt meist auch die Traufhöhe. Sie markiert sichtbar eine Grenze und eine Linie. In den Bebauungsplänen der Städte wird sie einheitlich festgelegt und bestimmt somit das Stadtbild.

Schwarzweißfoto Richard Wagners in würdevoller Pose. (Imago / United Archives International) (Imago / United Archives International)Was ist an Richard Wagner so besonders?
Gesamtkunstwerk, Mammutopern – aber auch Antisemitismus: Richard Wagners Leben, Werk und Wirkung sorgen auch in unserer Zeit immer wieder für Gesprächsstoff. Was macht die Singularität des Komponisten aus?

Eine Textarbeit von Lawrence Weiner auf der FIAC International Contemporary Art Fair in Paris 2019: "Things Made to Be Seen Forcefully Obscured" (imago images / Hans Lucas (c) Mathieu Menard) (imago images / Hans Lucas (c) Mathieu Menard)Gibt es Kunst ohne ein Werk? 
Die Künstler der Moderne rebellierten gegen Traditionen. Für die Dadaisten etwa war jedes Kunstwerk ein Zeugnis bürgerlicher Kultur - und gehörte als solches abgeschafft. Aber kann es das überhaupt geben: Kunst ohne ein Werk?

Ein Mann entnimmt ein E-Book-Reader aus einem Bücherregal. (picture alliance/dpa/Zacharie Scheurer) (picture alliance/dpa/Zacharie Scheurer) Braucht man noch Bücher aus Papier? Sie sind federleicht und speichern endlos viele Textseiten. Auch ein Tauchgang in der Badewanne kann ihnen nichts anhaben. Gerade Viel- und Unterwegsleser lieben das E-Book. Und doch bestätigt die Wissenschaft: Die Lektüre eines Papierbuches ist intensiver und nachhaltiger.

Schauspielerin Marlene Dietrich. Gekleidet in einem Frack und mit Zylinder auf dem Kopf. (imago / United Archives) (imago / United Archives) Warum spielen so viele Frauen Männerrollen?
Bis ins 17. Jahrhundert blieb der Beruf des Schauspielers hauptsächlich Männern vorbehalten. Als dann in England in Shakespeares Stücken die ersten Frauen auf der Bühne standen, war das eine Sensation.

Das Blasorchester der Königlich Niederländischen Marine im Amsterdamer Concertgebouw (Joyce Rutjes/Concertgebouw) (Joyce Rutjes/Concertgebouw) Warum tragen Orchestermusiker Schwarz? Musiker tragen in großen Konzerthäusern häufig einen schwarzen Anzug oder sogar einen Frack. Diese Kleider sind nicht unbedingt bequem, aber sie bieten eine gewisse Uniformität der Erscheinung, die ursprünglich sogar gewünscht war.

In einem weißen spartanisch eingerichteten Raum, beugt sich ein schwarz gekleideter Tänzer nach vorne und stützt sich auf seinen Händen ab. Er hat sein schwarzes T-shirt über den Kopf gezogen. (Katrin Schoof) (Katrin Schoof)Warum wird in Tanzstücken manchmal nicht getanzt? Mit dem Tanz verbindet man Bewegung. Doch manche Choreografien kommen ganz ohne Bewegung aus, setzen nur auf Sprache oder thematisieren gar die Abwesenheit von Körpern. Ist der Tanz ohne Tanz denn noch ein Tanz?

  (imago / Entertainmen tPictures) (imago / Entertainmen tPictures)Muss in Filmen immer was passieren? "Action!" – so lautet das klassische Kommando, wenn der Regisseur dem Ensemble am Set den Einsatz für die Szene gibt. Handlung gehört zum Film. Aber muss in Filmen immer etwas passieren?

Das Tierlabor der FU Berlin, der sogenannte "Mäusebunker", aufgenommen in der Morgensonne.  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)Warum werden so viele Gebäude aus den 70ern abgerissen? 
Der Bauboom der 1970er war gewaltig. Heute trifft die Gebäude von damals immer öfter die Abrissbirne. Besonders die Freunde des klobigen Beton-Brutalismus beklagen die Zerstörung.

Gerhard Richters "Birkenau"-Zyklus, hier bei einer früheren Ausstellung in Moskau (dpa/Wolfgang Jung) (dpa/Wolfgang Jung)Gibt es heute noch eine "deutsche" Kunst? Gerhard Richters "Birkenau"-Bilder hängen im Reichstag. Deutsche Gegenwartskunst par excellence also? Nationale Eigenheiten lassen sich nicht einfach leugnen, doch ist es schwierig, von "typisch deutscher Kunst" zu sprechen.

26.06.2018, Berlin: Die Studenten Alexandras Koutsoulis (l) und Ulvi Erkin Teke (r) der Ernst-Busch-Schule in Oberschöneweide fechten. (picture alliance / dpa / Annette Riedl) (picture alliance / dpa / Annette Riedl)Kann man Schauspiel wirklich lernen? Ohne Talent geht's nicht: Wer das Schauspiel an einer Schule erlernen will, muss es eigentlich schon können - denn die Aufnahmeprüfungen sind anspruchsvoll. Dennoch lernen angehende Schauspieler im Studium noch viel dazu.

Sieben in Leder gebundene Buchrücken alter Klassiker wie Charles Dickens "Christmas Stories" in einem Regal stehend in Nahaufnahme. (Helmut Meyer zur Capellen, imago images) (Helmut Meyer zur Capellen, imago images)Wozu noch Klassiker lesen? "Des Pudels Kern", "Sein oder Nichtsein", viele Redewendungen kann man nicht verstehen, ohne ein gewisses Verständnis für literarische Klassiker. Auch wenn ihnen zuweilen Langatmigkeit nachgesagt wird, können Klassiker überzeitliche Antworten auf aktuelle Fragen geben.

Tänzer und Julian Prégardien als Tamino in "Die Zauberflöte (NEU)" in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin (Staatsoper unter den Linden / Monika Rittershaus) (Staatsoper unter den Linden / Monika Rittershaus)Warum sind Baritone oft die Bösen und Tenöre die Guten? Der Gute singt höher, der Böse tiefer. Wer Opernrollen statistisch auswerten würde, käme dabei genau zu dieser Verteilung. Dass die Tenöre meist die Sympathierollen singen und die (Bass-)Baritone die Schurken, liegt vor allem an der Vorliebe eines Komponisten.

Tänzer des Staatsballetts Berlin während einer Probe zu Daphnis et Chloe.  (imago ) (imago )Wer bestimmt beim Ballett: Komponist oder Choreographin? Ohne Musik kaum ein Tanz. Damit aber geben die Komponist*innen schon ein Thema, ein Tempo, einen Takt vor. Kann die Choreographie, die eigentliche Tanzgestaltung, sich dem überhaupt widersetzen und eigenständig bleiben?

Die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid entwarf das Heydar Aliyev Center in Baku. Das 2014 fertiggestellte Gebäude gilt als eins der modernen Symbole der aserbaidschanischen Hauptstadt. (picture alliance / dpa / Robert Ghement) (picture alliance / dpa / Robert Ghement)Was ist ein Stararchitekt? 
Bauten wie die Glaspyramide des Louvre oder das Münchner Olympiastadion haben seit den 1970ern aus Architekten Stars gemacht. Inzwischen suchen Investorinnen und Bauherren oft mehr nach großen Namen als nach großen Ideen. Wann aber ist der Starruhm gerechtfertigt?

Ein prächtiger, aber menschenleerer Theatersaal mit versperrtem Bühnenbereich. (Unsplash / Peter Lewicki) (Unsplash / Peter Lewicki)Was ist die Vierte Wand? 
Jedes Zimmer hat normalerweise vier Wände. Im Theater hat die Bühne aber nur drei Wände, denn so können die Zuschauer überhaupt das Spiel der Schauspieler verfolgen. Dennoch steckt hinter diesem zentralen Begriff der Bühnenkunst noch einiges mehr.

Manuskript für Klavier und Orchester von John Cage aus dem Jahr 1958.  (imago stock&people) (imago stock&people)Was ist so neu an Neuer Musik? 
Wie in der Frage, was denn eigentlich Moderne Kunst sei, liegt auch im Fall der Neuen Musik die Antwort im Auge bzw. im Ohr des Rezipienten. Man darf an die Sache durchaus subjektiv herangehen. Dennoch galt Neue Musik einst als ideologischer Kampfbegriff.

Harald Szeemann (dpa) (dpa)Was machen Kuratorinnen und Kuratoren? Ihre Aufgabe ist es, die Kunst ins rechte Licht zu setzen. Sie gestalten Ausstellungen, kümmern sich um Sammlungen, forschen und publizieren. Ein wunderbarer, ein zehrender, bisweilen auch ein undankbarer Job. Denn die Aufmerksamkeit gilt immer der Kunst.

Ein Bücherregal mit Bestsellern auf der Frankfurter Buchmesse, davor ein Schild mit dem "Spiegel Bestseller" Logo.  (imago images / Manfred Segerer) (imago images / Manfred Segerer)Wer hat eigentlich den Bestseller erfunden? 
Lange Jahre waren Bücher teuer und nur wenigen Lesern vorbehalten. Heute sind sie nicht mehr elitär, sondern erschwinglich. Werke, die nicht nur eine kleine Gruppe interessieren, nennt man Bestseller.

Das Nationaltheater im Stadtzentrum der albanischen Hauptstadt Tirana bei Abenddämmerung am 23.04.2018 (imago / Martin Siepmann) (imago / Martin Siepmann)Was ist Kolonialarchitektur? 
Großartige Paläste in Britisch-Indien oder der prachtvolle Boulevard von Schanghai: sie wurden von europäischen Kolonialmächten errichtet, gelten aber schon lange auch als Indiz für die Modernisierungskraft der einheimischen Bevölkerung.

Der britische Filmregisseur Alfred Hitchcock gehörte im Mai 1972 zu den illustren Gästen bei den Filmfestspielen in Cannes. (dpa / epa AFP) (dpa / epa AFP)Was machen Autoren im Autorenkino?
Von der Idee über die Regie bis hin zum Schnitt – beim Autorenkino trifft eine einzige Person die wichtigen künstlerischen Entscheidungen. Autorenfilmerinnen und -filmer besitzen somit ihre ganz eigene Handschrift.

Eine Porträtzeichnung der Pianistin Clara Schumann im Alter von siebzehn Jahren. (dpa / picture alliance / akg-images) (dpa / picture alliance / akg-images)Warum gibt es so wenige Komponistinnen? Clara Schumann wurde als Pianistin gefeiert, als Komponistin aber lange kaum wahrgenommen. Frauen mussten bis ins 20. Jahrhundert um Anerkennung als Tonkünstlerinnen ringen. Viele ihrer Werke sind immer noch unentdeckt.

Eine Frau steht rechts von dem "Sonnenblumenbild" von Van Gogh und betrachtet es. (imago/ ZUMA Press/ Ray Tang) (imago/ ZUMA Press/ Ray Tang)Sind wir heute noch alle Romantiker? Es gibt Kunstwerke, die einem die Sprache verschlagen. Ergriffen steht man davor und bestaunt Farbe und Pinselstrich. Solche Gefühle sind ein Relikt aus der Romantik, als galt: Je heftiger die Reaktion, desto besser die Kunst.

Ein Mensch im Zottelkostüm tanzt zwischen Frauen auf der Bühne. (Staatsballett Berlin/Jubal Battisti) (Staatsballett Berlin/Jubal Battisti)Warum steckt die Ballerina im Bärenfell? Im 18. Jahrhundert wurde in weit schwingenden Kleidern aus schweren Stoffen getanzt. Ein Jahrhundert später kam das Tutu in Mode. Ab dem 20. Jahrhundert gibt es bei der Kostümwahl keine Tabus mehr.

Andrea Broederbauer und Jan Sabo bei der Fotoprobe von William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" am Volkstheater Wien. (imago stock&people) (imago stock&people)Wie viel vergessenes Handwerk steckt im Theater? Was tut ein Gewandmeister? Und was ist ein Kascheur? Das Theater hat in seiner zweieinhalb Jahrtausende alten Geschichte eine Vielzahl an Handwerksberufen hervorgebracht. Manche davon gibt es bis heute.

DEU, Deutschland, Heilbronn, 19.06.2019 - Erstmals DGNB Diamant in der Kategroie Wohngebäude vergeben. // Das SKAIO (links) ist mit einer Höhe von 34 Metern das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands. Das Gebäude - entworfen vom Berliner Architekturbüro Kaden und Lager - ist Teil der Stadtausstellung im Rahmen der BUGA Bundesgartenschau. Jetzt wurde das nachhaltige Gebäude von der DGNB in der höchsten Klasse DGNB Diamant zertifiziert. ***  (imago images / Arnulf Hettrich) (imago images / Arnulf Hettrich)Sind Bauten aus Holz eine Brandgefahr? Das Bauen mit Beton ist einer der größten Klimakiller, weltweit entstehen beim Abbinden des Zements etwa acht Prozent der CO2-Ausgasungen. Eine Alternative sind Holzhäuser. Aber sind die nicht brandgefährlich?

Humphrey Bogart als Richard 'Rick' Blaine und Ingrid Bergman als Ilsa Lund Laszlo blicken sich in dem Filmklassiker "Casablanca" tief in die Augen. Zu einer Gala-Vorführung des Kino-Klassikers «Casablanca» anlässlich dessen Erstaufführung vor 60 Jahren haben sich am 11.8.2003 in New York Angehörige der beiden Hauptdarsteller Humphrey Bogarts und Ingrid Bergman getroffen. Mit dabei waren Bogarts Witwe, Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall, mit dem gemeinsamen Sohn Stephen Bogart, Ingrid Bergmanns Tochter, Schauspielerin Isabella Rossellini sowie zwei weitere Töchter. Der Siegeszug des Filmklassikers hatte im Januar 1943 begonnen. In diesem Jahr gewann der Streifen von Regisseur Michael Curtiz drei Oscars. (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)Wie groß ist das Kino? 
Das ist "ganz großes Kino", lautet eine Redensart. Manche behaupten sogar, das Kino sei "bigger than life". Aber sind die Geschichten des Kinos tatsächlich größer als die, die das Leben schreibt? Und wenn ja: Warum?

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