Die Wahrheit über Kühe:
Wie der globale Klimaschutz noch zu retten ist
Von Tomma Schröder
Jubel, Hammerschlag, ein Tag für die Geschichtsbücher: Als 2015 in Paris das Klimaabkommen geschlossen wird, scheint die Welt geeint. Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens aber steigen die Emissionen noch immer und US-Präsident Trump erklärt die Bemühungen von einst schlicht für „nonsense“: Wer den Ölhahn zudreht, schade der Wirtschaft und bewirke trotzdem nichts. Klimaschutz sei etwas für verblendete Ideologen, für „Menschen, die Kühe töten“ - Zitat Trump.
Etwas differenzierter findet sich dieses Argument auch im politischen und akademischen Diskurs. Die These: Der globale Klimaschutz krankt am Trittbrettfahrerproblem. Weil in Paris keine wirksamen Instrumente der Kontrolle beschlossen wurden, scherten zu viele Nationen aus, eine wirksame Eindämmung der Treibhausgasemissionen sei so nicht zu erreichen. Droht das globale Projekt zu scheitern? Oder können Klimazölle, wie sie der europäische Grenzausgleichsmechanismus CBAM ab 2027 vorsieht, den Geist von Paris wiederbeleben? Nicholas Stern, Verfasser des Stern-Reports, hält solche Instrumente für hilfreich. Aber er sieht das Problem des Trittbrettfahrens und des Carbon Leakage, der Verlagerung der Emissionen ins Ausland, gar nicht nur als ein ökonomisches Problem, sondern vor allem als ein kommunikatives. Warum bekommen die vielen - auch nationalen und regionalen - Vorteile von Klimaschutz so viel weniger Raum als die Geschichten vom naiven, fremd- oder ideologiegesteuerten Industriezerstörer? Worüber reden wir: übers Kühe töten? Oder darüber, dass weniger Fleisch auf dem Grill eine mächtige Stellschraube im Klimaschutz ist. So wie es viele weitere Stellschrauben gibt, die letztlich alle ein Ziel haben: diesen Planeten bewohnbar zu halten.